Im Mai 2020 wurden in Deutschland 168.148 Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Minus von 49,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Es ist eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vormonat, der 61 Prozent im Minus lag. Nach April ist dies der zweitniedrigste Monatswert seit 1993.
Auch im Mai gab es noch Einschränkungen seitens der Straßenverkehrsämter und der Hersteller aufgrund nur langsam anlaufender Produktion. Die heimische Pkw-Produktion lag 66 Prozent unterhalb des Vorjahreswertes. Nach fünf Monaten liegen die Zulassungen 35 Prozent im Minus.
Da die Einschränkungen im Juni weiter gelockert werden und auch die Hersteller ihre Produktion langsam weiter hochfahren, ist für den laufenden Monat mit etwas geringeren Rückgängen zu rechnen.
Drei Phasen der Krise
Die bisherigen Maßnahmen waren aber nur die erste Phase der der Krise. Auch wenn die Produktion allmählich wieder anläuft, ist mit einer vollen Verfügbarkeit auch im Juni noch nicht zu rechnen.
Eine große Rolle wird dabei auch die Funktionsfähigkeit der notwendigen Lieferketten spielen. Die Dauer dieser "Angebotskrise" wird auch durch politische Maßnahmen im Ausland im Rahmen der Pandemiebekämpfung bestimmt werden.
Die dritte Phase, die Wirtschaftskrise, hat zusätzlich schon begonnen. Die Anträge auf Kurzarbeit übertreffen bereits jetzt die der Finanzkrise deutlich. Insolvenzen werden unvermeidlich sein und die Zahl der Arbeitslosen wird trotz aller sozialpolitischen Maßnahmen steigen.
Die gesamte Wirtschaftsleistung wird deutlich stärker einbrechen als es während der Finanzkrise der Fall war. In optimistischen Szenarien wird ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent erwartet.
Die Einflüsse des Konjunkturpakets
Am Mittwoch dieser Woche wurde ein bisher beispielloses Konjunkturpaket beschlossen. Zwei Punkte betreffen die Automobilindustrie direkt:
- Reduzierung der Mehrwertsteuer: Der Regelsatz der Mehrwertsteuer wird für die Zeit von Juli bis Dezember von 19 Prozent auf 16 Prozent gesenkt. Dies bedeutet – wenn die Senkung weitergegeben wird – einen um 2,5 Prozent niedrigeren Bruttopreis für alle Waren mit diesem Mehrwertsteuersatz. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Haushalte aktuell unter Einkommenseinbußen leiden, geht die Automobilwoche nicht davon aus, dass diese Preissenkung einen signifikanten Einfluss auf das Gesamtjahresergebnis haben wird. Erst zum Jahresende – kurz bevor der Steuersatz wieder angehoben wird – könnte es zu Vorkäufen kommen. Voraussetzung dafür wäre aber, dass sich die wirtschaftlichen Schäden nicht als noch gravierender herausstellen, als zurzeit angenommen wird.
- Erhöhung des Umweltbonus: Für Elektro-Pkw mit einem Nettolistenpreis von bis zu 40.000 Euro wird der Umweltbonus um 3000 Euro erhöht. Dies gilt bis Ende kommenden Jahres. Mit der bestehenden staatlichen Umweltprämie (3000 Euro) und dem notwendigen Hersteller-Rabatt (3000 Euro) ergibt sich ein gesamter Preisnachlass von 9000 Euro. Betrachtet man die bisherige Entwicklung der E-Mobile, so sind zwar Steigerungen zu sehen, aber die ganz große Dynamik ist trotz der bisherigen Förderung noch ausgeblieben. Mit dem zusätzlichen Rabatt wird es sicher eine weitere Dynamik geben, aber einen Effekt auf die gesamten Zulassungen wird es zumindest dieses Jahr nicht geben. Zu sehr mangelt es noch an ausreichender Infrastruktur und einem breiten Modellangebot. Darüber hinaus waren die Lieferzeiten schon vor der aktuellen Krise sehr lang.
Historisch niedriges Gesamtjahresergebnis
Unter diesen unsicheren Rahmenbedingungen ist eine traditionelle Prognose noch nicht möglich, die Parameter der einzelnen Phasen dieser Krise sind zu vielfältig.
Eine erste Einschätzung der Automobilwoche beruht auf folgenden Annahmen: Gegenüber der alten Prognose (3,34 Millionen Neuzulassungen im Gesamtjahr) gab es auf Monatsebene im April und Mai die höchsten negativen Abweichungen. Auch nach den Lockerungen der restriktiven Maßnahmen werden die Neuzulassungen noch einige Zeit stark unter einer fehlenden Verfügbarkeit leiden.
Aber selbst dann, wenn dies behoben ist, wird es bis Jahresende kein Überschießen der bisherigen Monatsprognosen aufgrund von Aufholeffekten geben. Trotz des neuen Konjunkturpakets werden die schwache Wirtschaftsentwicklung, verbunden mit Einkommenseinbußen und steigender Arbeitslosigkeit, es voraussichtlich nicht zulassen.
Daraus ergibt sich für das Gesamtjahr 2020 ein Neuzulassungsvolumen von 2,8 Millionen Pkw. Dies würde gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um mehr als 22 Prozent bedeuten.
Alternative Antriebe bleiben unter 20 Prozent
Bei der Entwicklung der Antriebsarten gab es im Mai ein ähnliches Bild wie im Vormonat. Die Pkw mit ausschließlichem Benzinantrieb kamen auf einen Marktanteil von 51,1 Prozent, fast acht Punkte weniger als im Vorjahr.
Die Neuzulassungen von Diesel-Pkw hielten sich etwas besser. Ihr Anteil verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Punkte auf 31,6 Prozent.
Trotz der aktuellen Situation erhöhten sich die Neuzulassungen von reinen E-Mobilen und Hybriden gegenüber dem Vorjahr. Am stärksten steigerten sich die Plug-in-Hybride mir einer Verdoppelung der Neuzulassungen. Die reinen Stromer kamen auf ein Plus von gut 20 Prozent. Allerdings sind alle alternativen Antriebsarten weit von den Höchstwerten entfernt, die sie zum Jahresanfang hatten.
Zwei Marken verlieren über 60 Prozent
Von den Top-15-Marken mussten mit BMW und Seat zwei Marken Verluste von über 60 Prozent hinnehmen. Überdurchschnittliche Verluste verzeichneten darüber hinaus Opel (minus 59,6 Prozent), Ford (minus 57 Prozent) sowie Toyota und VW mit jeweils zirka minus 51 Prozent.
Fiat erreichte mit minus 13 Prozent die geringsten Verluste der Top 15 Marken. Unter allen Anbietern konnte lediglich Subaru mit plus 13 Prozent mehr Neuzulassungen verbuchen als vor einem Jahr.
VW blieb auch im dritten Krisenmonat dominanter Marktführer, allerdings mit einem für die Marke relativ geringen Anteil an den gesamten Neuzulassungen von 17,6 Prozent. Auf den Plätzen dahinter folgten Mercedes (10,2 Prozent), Audi (8,3 Prozent) und Ford mit 6,6 Prozent. BMW kam mit einem Marktanteil von sechs Prozent auf Platz fünf, vor der erfolgreichsten Importmarke Skoda (5,8 Prozent).
Lesen Sie auch:
Konjunkturprogramm: Händler sind skeptisch
KOMMENTAR zu den Koalitionsbeschlüssen: Quittung für verlorene Glaubwürdigkeit
Große Koalition: Keine Kaufprämie für Verbrenner
Studie zu Kaufanreizen fürs E-Autos: Wo sich die Fahrzeughersteller verschätzen
Aus dem Datencenter:
Marktanteilsveränderung nach Antriebsarten – Mai 2020 in Deutschland
Marktanteile nach Antriebsarten – Mai 2020 in Deutschland
CO2-Ausstoß in Deutschland bis Mai 2020
Monatliche Neuzulassungen und Marktanteile (alternativer) Antriebsarten bis Mai 2020
Marktanteile von deutschen Premium- und Volumenmarken und Importeuren – Mai 2020 und Entwicklung
Top 15 Markenentwicklung – Mai 2020 in Deutschland
Marktanteile der Top 15 Marken – Mai 2020 in Deutschland