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Donnerstag, 04. Juni 2020, 17.00 Uhr

Konjunkturprogramm:
Händler sind skeptisch

Die Regierung will mit einer reduzierten Mehrwertsteuer und der Aufstockung des Elektrobonus die Autobranche anschieben. Viele Händler sind skeptisch, einige fürchten gar Nachteile.

Von Christoph Baeuchle
Von Mirabell Schmidt-Lackner
Viele Händler zweifeln, dass die Konjunkturmaßnahmen zu mehr Schwung im Handel führen. (Foto: Baeuchle)

Die Bundesregierung stößt mit ihrem Konjunkturprogramm, im Kfz-Handel überwiegend auf Skepsis. Die halbjährige Senkung der Mehrwertsteuer und ein verdoppelter Zuschuss für Elektroautos reicht vielen Händlern nicht. Der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) spricht gar von einem Bärendienst für die Autohändler.

Das sieht auch Joachim Müller, Inhaber der Müller-Gruppe, ähnlich: "Das war natürlich das schlechteste, was der Branche passieren konnte. In den vergangenen Tagen hat die Entwicklung gerade wieder ein bisschen angezogen, jetzt bleiben die Kunden wieder aus und warten auf die Mehrwertsteuersenkung."

Die Konsequenzen bekommt der Handel schnell zu spüren: "Uns bleiben nicht nur die Kunden aus, sondern auch die für Juni vorgesehenen Auslieferungen bereits bestellter Fahrzeuge, werden in den Juli verschoben", erläutert Müller.

Auch Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg und Manager der Emil-Frey-Gruppe, befürchtet einen "verlorenen Monat für die Kfz-Betriebe". Ergänzt jedoch, dass die Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr einen Nutzen bringen könne. Sie sei besser als eine reine Neuwagenkaufprämie, denn der Handel habe bundesweit derzeit Fahrzeuge im Wert von rund 15 Milliarden Euro auf den Höfen stehen.


Händler rechnen mit Mitnahmeeffekten

Nur wenige sehen es so optimistisch wie Martin Huber, Geschäftsführer vom Autohaus MKM Huber. "Die Mehrwertsteuersenkung kann uns Autohändlern helfen. Beim Autokauf gehen drei Prozent weniger schon ins Geld. Zumal dies auch für Vorführwagen und Jahreswagen gilt." Er bereite derzeit mit seinem Team eine Aktion vor. Mit dem "Autohimmel Bayern" ist der Nissan-Händler im Südosten Deutschlands an 20 Standorten aktiv.

Huber lobt die Maßnahmen der Regierung: "Aus meiner Sicht ist der Regierung ein gutes Programm gelungen. Grundsätzlich war ich gegen eine Kaufprämie, sonst hätte man ja in anderen Branchen wie dem Tourismus auch Gutscheine verteilen müssen."

Andere sind da skeptischer: "Die Senkung der Mehrwertsteuer hat eine breite wirtschaftlich wichtige Wirkung auf unser Land, wird aber auch zu Mitnahmeeffekten im Automobilhandel führen", befürchtet BMW-Händler Peter Reisacher, der zugleich auch Präsident beim BMW-Händlerverband ist.

Ähnlich sieht es Adrian Glöckner, Inhaber des gleichnamigen Autohauses. "Ich denke nicht, dass die reduzierte Mehrwertsteuer dramatisch viele hinter dem Ofen hervorholt, es wird aber schon die Kaufentscheidung bei manchen Kunden vorziehen. Es wird zum Jahresende voraussichtlich nur einen Run von denen geben, die sich ohnehin ein Auto anschaffen wollten."


Infrastruktur für E-Moblität entscheidend

Kritisch äußern sich viele Händler zur geplanten Aufstockung des Elektrobonus. Die Bundesregierung will den derzeitigen Zuschuss beim Kauf eines Elektroautos von derzeit 3.000 Euro auf 6.000 Euro verdoppeln.

"Hier wollte die Regierung wohl ein Signal setzen", glaubt Jens Werner, Chef von Penske Europe. Doch ob dies zum erhofften Erfolg der E-Mobilität führt, ist zweifelhaft. "Die Nachfrage hängt eher von attraktivem Produktangeboten und deren Verfügbarkeit ab."

Dem stimmt Verbandspräsident und Emil-Frey-Manager Ziegler zu, er rechnet durch die Bonusaufstockung nicht mit "nennenswerten Konjunktureffekte". Zum einen mangele es an den infrastrukturelle Voraussetzungen, vor allem aber fehle es an der Verfügbarkeit von Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb im notwendigen größeren Umfang. Viele Automobilhersteller könnten große Stückzahlen dieser Fahrzeuge gar nicht schnell liefern, sodass die jetzt beschlossenen Kaufanreize weitgehend verpuffen würden.


Entscheidung schafft endlich Klarheit

Immerhin hat das Warten ein Ende und die Entscheidung ist gefallen. Mit großen Impulsen rechnet Burkhard Weller, Chef der Wellergruppe nicht. "Jetzt ist endlich raus, dass es keine Autoförderung gibt. Das ist das einzige was hilft." Die Branche könne also nicht mit einer schnellen Verbesserung rechnen, aber mit einer stetigen Normalisierung. Step by Step.

Weller sieht einen Vorteil in der ausbleibenden Kaufprämie. "Das hätte die Autogegner noch mehr auf die Palme gebracht." Aus seiner Sicht war die Diskussion um die Autoprämie im Vorfeld schon negativ genug für die Branche.

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