Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Wandel der Mobilität? Wird sie ihn beschleunigen oder verlangsamen? Mehrere Studien zeigen, dass der Trend zum eigenen Auto wieder steigt.
Das stimmt, es ist wieder ein leichter Trend zum eigenen Auto zu vermerken, primär aus Angst vor Ansteckung. Wir denken jedoch, dass diese Angst nach und nach geringer wird. Ziel muss es primär sein, den Nutzer*Innen die Sorge zu nehmen, dass man ohne das eigene Auto nicht mobil genug ist. Dafür müssen Angebote angepasst werden, dazu gehören flexiblere Zeiten und Haltestellen sowie eine bessere Abdeckung. Es muss sichergestellt werden, dass wirklich alle Verkehrsteilnehmer mobil sind, dazu gehören auch Eltern mit Kinderwagen, Senioren, Gehbehinderte und auch die nächtliche Sicherheit muss gewährleistet sein. Ich denke, dieser Prozess wird krisenbedingt sogar beschleunigt.
Die Welt war bereits vor der Krise bereit, in diesem Jahr auf Elektrofahrzeuge umzusteigen, allerdings sehen wir die "elektrische Revolution" mit etwas Verzögerung. Trotzdem glauben wir, dass die Tage des Verbrennungsmotors gezählt sind. Die ersten Informationen zum 100-Milliarden-Plan der EU, der aktuell erarbeitet wird, gehen in eine ähnliche Richtung. Dort sind erhebliche Summen für die Entwicklung von emissionsfreien Autoantrieben und Ladesäulen vorgesehen.
Die Krise hat die Politik und etliche Unternehmen dazu veranlasst, bereits aufgestellte Pläne zu überdenken und neu zu bewerten. Das heißt, die Corona-Krise könnte die Zeit sein, die wir als Gesellschaft “brauchen”, um über den besten Weg nachzudenken, um die Mobilität voranzubringen.
Kommt es zu einer Konsolidierung des Marktes für New Mobility? Wenn ja, wer profitiert davon?
In gewisser Weise fordern Rezessionen immer ihren Tribut von innovativen Unternehmen und Geschäftsmodellen. Der New Mobility Markt wird sich konsolidieren, das konnten wir bereits sehen. Die Krise sollte jedoch nicht per se das Ende für kleine Start-ups bedeuten, auch wenn sie aktuell Schwierigkeiten haben, Fuß zu fassen. Mit jeder großen Wirtschaftskrise kommen auch neue Chancen und Möglichkeiten. Wer auf lange Sicht wirklich profitieren wird, wird sich erst noch zeigen, aber ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Jahren einige überraschende "Gewinner" geben wird.
Was ist #Weallmove?
#WeAllMove ist die Plattform für eine schnellere, transparentere und übersichtlichere Vermittlung von Fahrzeugen. Einzelpersonen genauso wie Unternehmen, zum Beispiel medizinisches Personal oder Lieferdienste aller Art, können über die Seite übersichtlich einsehen, welche Mobilitätsangebote in ihrer Stadt verfügbar sind und entsprechende Fahrzeuge buchen. Weltweit haben mittlerweile über 100 Anbieter auf der Seite zusammengefunden.
Ist Wunder Mobility Mitglied der Initiative - wenn ja, warum?
Ja, wir haben in Partnerschaft mit der COVID-Aktionsplattform des Weltwirtschaftsforums und der Global New Mobility Coalition die Plattform ins Leben gerufen. Weitere offizielle Partner sind Hertz, Allianz Automotive, Share Now und Voi.
Die Coronavirus-Krise hat auf der ganzen Welt gezeigt: Öffentliche und private Verkehrsbetriebe müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass wichtige Fahrten weiterhin möglich sind. Ein kooperativer Ansatz war mehr denn je gefragt.
Während viele Menschen von zu Hause aus arbeiten können, gibt es zugleich eine Vielzahl von Unternehmen und Einzelpersonen, die auch in Zeiten von Social Distancing nicht umhinkommen, ihr Haus zu verlassen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Zusätzlich sind Unternehmen aus diversen Branchen plötzlich gezwungen, auf den Lieferservice umzusteigen, um das aktive Geschäft am Leben zu halten. Für solche Zwecke kann jedoch nicht immer ein Fahrzeug geleast werden. Hier können neue Mobilitätsdienste eine Alternative sein.
Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Wunder Mobility?
Wie bei den meisten Mobilitätsunternehmen hat die Corona-Krise auch Auswirkungen auf Wunder Mobility. Wenn die Mobilität eingeschränkt wird, zahlen die Mobilitätsunternehmen den Preis dafür. Doch die anfängliche Schockwelle hat sich gelegt und und wir bereiten uns auf die langfristigen Auswirkungen der Krise auf die gesamte Mobilitätsbranche vor. Wir stellen uns bereits jetzt auf die "neue Normalität" ein und konzentrieren uns darauf, unseren Partner dabei zu helfen, das Gleiche zu tun. Wir haben neue Geschäftsmodelle wie Abonnement-Modelle, Lieferdienste und Firmenbeteiligungen eingeführt, um mit dem sich schnell verändernden Markt Schritt zu halten und unseren Kunden eine breitere Palette von Optionen anzubieten, damit wir ihre Bedürfnisse besser bedienen können.
Was unternimmt das Unternehmen, um die Folgen abzufedern?
Ich glaube, dass es unsere Verantwortung ist, in diesen Zeiten wieder in die Mobilitätsindustrie zu investieren und einen Teil zur Unterstützung der Gemeinschaft beizutragen. Das haben wir beispielsweise mit der jüngsten Akquisition von Keaz, einem australischen Technologieunternehmen für Carsharing und Mietwagenvermietung, getan.
Die Krise bringt immer neue Chancen mit sich: Die Städte haben jetzt die Möglichkeit, Fußgängern und Radfahrern "Raum zurückzugeben" und neuen Sharing-Modellen den Vorrang zu geben. Das ist es, was unserer Meinung nach für die meisten Mobilitätsunternehmen der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg sein wird: Wenn der private und der öffentliche Sektor ihre Kräfte bündeln, um der Branche zu helfen, sich an eine sich schneller verändernde Marktlandschaft anzupassen, wird dies zu einer gesunden und widerstandsfähigen Zukunft für die neue Mobilität führen.
Das Interview führte Stefan Wimmelbücker aufgrund der Corona-Pandemie schriftlich.
Wunder Mobility
Mit Hauptsitz in Deutschland entwickelt Wunder Mobility Technologien, die es Unternehmen, Städten und Start-ups ermöglichen, nachhaltige, zukunftsweisende und leicht zugängliche Mobilitätskonzepte umzusetzen. Öffentliche und private Kunden in über 140 Städten auf sechs Kontinenten nutzen die Technologie von Wunder Mobility, um neue Mobilitätsdienste zu starten, Flotten zu verwalten, ihre Prozesse effizienter zu gestalten oder um Stadtplanung und Verkehrsmanagement zu verbessern.
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