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Mittwoch, 28. November 2018, 13.45 Uhr

Mehr Technik, weniger Jura:
Compliance wird zum Ingenieursthema

Als vor gut einem Jahrzehnt bei Siemens ein System der schwarzen Kassen aufflog, bekam das Thema Compliance schlagartig mehr Aufmerksamkeit bei den Unternehmensleitungen und viele Juristen wurden ins Compliance-Management berufen. Mit dem Dieselskandal ist nun ein ganz anderer Aspekt des Themas in den Fokus gerückt: die Produkt-Compliance, die einen ganz anderen Typ des Compliance-Managers erfordert.

Von Gerd Scholz
VW-Diesel-Nachrüstung: Der Betrug bei Stickoxidwerten hat gezeigt, dass technische Aspekte beim Thema Compliance immer wichtiger werden. (Foto: VW)

Früher dachte man bei Compliance-Verstößen vor allem an Themen wie Bestechung oder verbotene Absprachen. Spätestens seit dem Dieselskandal bei VW ist ein weiterer Aspekt hinzugekommen, wie Bernhard Walter betont. „Technical Compliance oder Produkt-Compliance ist zu einem wesentlichen Teil des Compliance-Managements geworden“, unterstreicht der Kienbaum-Manager. Er ist Principal im Executive Search und Leiter der Praxisgruppe Services von Kienbaum bundesweit.

Während Compliance-Manager früher oft Juristen waren, die als verlängerter Arm der Rechtsabteilung agierten, sei nun gerade in der Automobilindustrie ein ganz anderer Typ des Compliance-Managers gefragt, so Walter. Zwar gehe es weiter darum, dass keine Rechtsvorschriften verletzt werden. Doch sei im Bereich der Produkt-Compliance ein viel größeres technisches und Prozesswissen erforderlich, das Juristen üblicherweise nicht haben und auch nicht zügig aufbauen könnten, betont Walter, der selbst Volljurist ist.


Mutig, hartnäckig und standfest

In großen Unternehmen mit entsprechenden Ressourcen lässt sich die Herausforderung sicher durch eine Compliance-Abteilung mit verschiedenen Spezialisten lösen: Juristen, Ingenieure, IT-Spezialisten, die im Team arbeiten. Doch mittelständischen produzierenden Unternehmen, die vielleicht über nur eine Stelle im Bereich Compliance verfügen, favorisiert Walter zunehmend die Besetzung mit operativ erfahrenen vielseitigen Ingenieuren. „Da käme beispielsweise ein gewiefter Qualitätsmanager oder Lean-Manager infrage, also ein Ingenieur, der sehr prozessstark ist, sich gleichzeitig aber auch kompetent mit Normen befassen kann“, betont der Kienbaum-Manager.

Gerade auf der Stelle des Compliance-Managers spielen Walter zufolge aber auch die sogenannten Soft Skills eine große Rolle. „In dem Job sind sie nicht everybody's darling, da müssen sie mutig, hartnäckig und standfest sein – gerade auch gegenüber der Unternehmensleitung“, so Walter. Extrem wichtig seien kommunikative Kompetenzen, die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen. Der Compliance Manager müsse empathisch sein und fähig, in eine Unternehmenskultur einzutauchen, führungsstark, überzeugungsstark, in der Lage, alle Schnittstellen zu managen. Der Compliance-Manager müsse die Sprache der Menschen in Produktion und Entwicklung sprechen – gleichzeitig aber so viel Autorität ausstrahlen, dass die Mitarbeiter die Compliance-Regeln akzeptieren. Eine derartig vielseitige Person zu finden, sei eine große Herausforderung, verdeutlicht Bernhard Walter.

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