Die Entwicklung des Autos hin zum autonomen und vernetzten Fahren stellt auch die Design-Abteilungen der Hersteller vor neue Herausforderungen: Sensoren, Monitore und haufenweise neue Technik, mit denen die Designer sich bislang nicht beschäftigen mussten, werden schon in den kommenden Modellzyklen verstärkt integriert. So auch bei Renault, dessen zukünftige Design-Sprache mit der Studie Trezor bereits im vergangenen Herbst in Ansätzen vorgestellt worden war.
Renault-Designchef Laurens van den Acker sagte jetzt im Interview mit dem Branchenportal "Automotive News Europe", der Trezor deute in eine Zukunft, die elektrischer, autonomer und vernetzter sein werde als die Gegenwart. Das Konzeptauto sei ein erster Versuch, sich dem Thema anzunähern.
Die Entwicklung der entsprechenden Technologien werde seiner Ansicht nach weniger Zeit in Anspruch nehmen als manche denken. "Ich bin mir nicht sicher, wie sinnvoll es ist, mehr als zehn Jahre in die Zukunft zu schauen", sagte er gegenüber "ANE": "Vor ein paar Jahren hat noch niemand über autonome Autos gesprochen. Und innerhalb einer sehr kurzen Zeit haben sie uns überfallen. Das zeigt, dass neue Technologien schneller kommen werden, als wir das vielleicht glauben."
Was tut man im Auto von morgen?
Zukünftige Modellzyklen von Renault werden demnach beim Design auf der Generation basieren, die mit dem Clio im Jahr 2012 begonnen hat. Die Autos würden aber verstärkt an die sich verändernden Bedürfnisse angepasst, sagt van den Acker. Besonderes Augenmerk liege dabei auf dem Innenraum der Autos – dort vermutet der Chefdesigner die größten Veränderungen. So werde etwa die Innenraumbeleuchtung stark an Relevanz gewinnen.
Weiter sagt van den Acker: "Ein großes Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen, ist: Was tust du in deinem Auto, wenn du nicht mehr selber fährst? Liest du? Arbeitest du? Spielst du? Und wenn ja, brauchst du dafür mehr Platz? Willst du deine Beine überschlagen? Willst du dich bewegen oder umdrehen?"
"Goldene Ära des Designs"
Aber auch das Äußere des Autos wird sich verändern. "Gegenwärtig gehen wir davon aus, dass wir zwischen 25 und 30 Sensoren und Kameras hinzufügen müssen, damit das Auto seine Umgebung vollständig wahrnehmen kann. Wie um alles in der Welt macht man das so, dass es auch noch ansprechend aussieht?!" Man müsse sich dabei entscheiden, ob man die Technik verstecken möchte, oder ob man sie für jedermann sichtbar am Auto anbringt – quasi um damit anzugeben.
Insgesamt sieht der 51-Jährige positiv in die Zukunft des Automobil-Designs. Seiner Meinung nach werden Autos durch das autonome Fahren immer sicherer, Unfälle immer unwahrscheinlicher, sodass man bald auf die heutigen Sicherheits-Standards – etwa beim Material – verzichten könne. "Wir werden eine goldene Ära des Designs betreten", orakelt van den Acker in dem Interview: "Mit jeder Menge Freiheiten." (mer)
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