Der tödliche Unfall eines Tesla-Fahres könnte für BMW zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen. Die Münchner wollen heute ins autonome Zeitalter aufbrechen.

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Tesla: Das Unternehmen verzeichnet einen Todesfall in einem Modell S.
(Foto: Tesla)

Es ist ein schwarzer Tag für die Autobranche - nicht nur für Tesla. In den USA ist erstmals ein Mensch am Steuer eines Fahrzeugs gestorben, das vom Autopiloten gesteuert wurde. Ein Lkw kreuzte im rechten Winkel vor dem Tesla Modell S von Joshua Brown die Straße. Der Tesla erkannte den Lkw aber nicht und trat nicht auf die Bremse. Der US-Autobauer vermutet, der Autopilot habe die weiß gestrichene Seite des Lkw nicht vom taghellen Himmel unterscheiden können. Joshua Brown kostete dieser Fehler des Autopiloten das Leben.

Und alle Autohersteller, die künftig ihre Kunden autonom durch den Verkehr bringen wollen, haben nun ein großes Problem. Die ohnehin schon drängende Frage nach der Sicherheit der Technik in Grenzsituationen wird noch häufiger gestellt werden. Das wird heute auch BMW-Chef Harald Krüger spüren. Er will zusammen mit seinen Kollegen von Intel und dem israelischen Unternehmen Mobileye eine Kooperation präsentieren, die im Jahr 2021 autonome Autos auf die Straße bringen soll.


Viele Fragen an den BMW-Chef

Krüger wird die Frage nach der Sicherheit dieser Autos heute nicht nur ein Mal beantworten müssen. Aber er hat auch ein Argument auf seiner Seite, das bislang ein Gegenargument war: Geschwindigkeit. Lange schon müssen sich die etablierten Hersteller vorwerfen lassen, sie ließen sich bei der Elektromobilität von Tesla abhängen. Zuletzt erhöhte das Unternehmen von Internetstar Elon Musk auch beim autonomen Fahren den Druck immer mehr und brachte per Software-Update einen Autopiloten.

Das Modell S von Joshua Brown war mit einem Autopiloten in der Beta-Phase ausgestattet. Die Beta-Phase ist nicht der endgültige Zustand einer ausgereiften Software. Es ist eine Vorabversion, die noch fehlerhaft sein kann. Und das ist das große Problem: Bei Handys und Computern sorgen Fehler in Software-Updates für Ärger und Frust. In autonomen Autos sind sie tödlich. Da hilft es auch nicht, wenn Tesla den Fahrer auffordert, trotz Autopilot die Hände am Steuer zu lassen. Denn dann bräuchte er den Autopiloten nicht. 


Die Zeit ist nicht das Problem

Deshalb tun alle Autobauer gut daran, beim großen Hype-Thema "autonomes Fahren" der Sicherheit den Vorrang vor der Geschwindigkeit zu geben. Ob BMW im Jahr 2021 oder erst 2024 autonome Autos fahren lässt, wird auf lange Sicht nicht entscheidend sein. Entscheidend ist, dass sich jeder Autofahrer, der sein Leben voll und ganz der Technik anvertraut, voll und ganz auf die Technik verlassen kann. Bei Regen und Schnee, bei blendendem Sonnenlicht und tiefschwarzer Nacht. Wenn schon eine weiße Lkw-Wand zum tödlichen Unfall führt, ist die Technik nicht reif für die Straße. Dann ist es unverantwortlich, sie einem Kunden zu übergeben. Das Bananenprinzip - die Technik reift beim Kunden - kostet hier Leben. Damit würde die ganze Industrie eine Zukunftstechnologie verspielen.

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