Was wie ein halbwegs brauchbarer Verzicht aussieht, ist ein Taschenspielertrick. Die Leidtragenden könnten die VW-Mitarbeiter sein.

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Hans-Dieter Pötsch und Matthias Müller: Es liegt am Aktienkurs, ob den beiden Managern wirklich Geld entgeht. (Foto: VW)

Es ist eine Bonuskürzung mit Hintertürchen, die da heute in Wolfsburg beschlossen wurde. Wochenlang wurde hitzig diskutiert, ob die VW-Verantwortlichen auf 30, 50 oder gar 100 Prozent ihrer variablen Vergütung verzichten sollten. "Es geht hier auch um Moral", warnte Betriebsratschef Bernd Osterloh das Management. Sie haben ihn wohl nicht verstanden. Oder sie wollten ihn nicht verstehen. 

Der Vorstand in Wolfsburg akzeptiert zwar, dass er zunächst weniger Geld überwiesen bekommt. Doch zum einen ist man weit von dem Verzicht entfernt, der den Anteilseignern des Konzerns zugemutet wird: Sie erhalten eine um 96 Prozent reduzierte Dividende. 

Zum anderen wird das Geld nicht eingespart, sondern in virtuellen Vorzugsaktien geparkt. Ein fatales Signal. Ausgerechnet am Börsenkurs der nächsten drei Jahre macht es VW fest, ob die Manager ihre einbehaltene Vergütung doch noch erhalten. Gelingt es dem Vorstand, den Kurs der angeschlagenen VW-Aktie in dieser Zeit um 25 Prozent nach oben zu treiben, dann entgeht ihm nichts. Im Gegenteil: Der Boni-Deal kann sogar noch zum Geschäft werden.


Die Latte hängt tief

Dass der Aktienkurs kein geeigneter Gradmesser für ein verantwortungsbewusst geführtes Unternehmen ist, zeigt VW selbst doch am besten. Als die US-Umweltbehörde Epa wegen überhöhter Stickoxidwerte in einer ICCT-Studie im Mai 2014 eine offizielle Untersuchung gegen Volkswagen einleitete, notierte die VW-Vorzugsaktie noch bei rund 180 Euro. Damals wurde getrickst, aber Absatz, Umsatz und Gewinn stimmten. Das reicht der Börse. 

Für die VW-Beschäftigten dürfte die Boni-Entscheidung auch kaum zufriedenstellend sein. Die Angst um Arbeitsplätze geht seit Ausbruch von Dieselgate um. Bislang blieb die Belegschaft verschont. Und Osterloh kämpft mit scharfen Worten darum, dass das so bleibt. Auch bei der Kernmarke VW Pkw. 

Doch die Börse honoriert Stellenstreichungen oftmals mit Kurssprüngen. Weniger Personalkosten, mehr Gewinn. So einfach wird da häufig die Rechnung gemacht.


Ein Taschenspielertrick

Vielleicht muss man es unter diesem Gesichtspunkt sogar positiv werten, dass sich die VW-Manager nicht gerade ein ambitioniertes Kursziel setzen: Mindestens 25 Prozent höher muss die Aktie in drei Jahren notieren, verglichen mit dem Durchschnittkurs der vergangenen 30 Tage, der bei rund 112 Euro liegt. 

Der DAX hat in den vergangenen 25 Jahren jährlich rund acht Prozent gewonnen. Es reicht VW also schon, eine durchschnittliche Kursentwicklung zu schaffen. Dann wäre die heute 126 Euro teure Aktie rund 158 Euro wert. Vor Dieselgate stand sie bei 170 Euro. 

Wie man es dreht und wendet - die Bonuskürzung ist ein Taschenspielertrick. Gewinnen werden am Ende wohl die Manager, die heute ihren freiwilligen Verzicht angekündigt haben.

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