Modernste Technik und edles Design, so präsentieren sich die Elektroautos von Tesla. Der Kontrast der Tesla-Werkstatt in München dazu könnte nicht größer sein. Ein Besuch.

    Von
Tesla-Servicecenter: Wo früher Kühe Unterschlupf fanden, werden heute Elektroautos repariert.
(Foto: Matthias Karpstein)

München-Feldkirchen. Mit seinen schnittigen Elektroautos und einem einzigartigen Marketingkonzept ist es Elon Musk gelungen, der große Schreck der etablierten Autobauer zu werden. Auf unnötige Bescheidenheit verzichtet der Silicon-Valley-Star, wenn es um die Perspektiven seines Unternehmens geht: 500.000 Autos Jahresabsatz will er noch in diesem Jahrzehnt erreichen, wenn das bezahlbare Tesla-Modell für die Massen auf dem Markt ist. 

Vielleicht ist das große Geheimnis des Tesla-Erfolgs aber gar nicht moderne Technologie und das Außenseiterimage des IT-Rebellen, der es den etablieren Autoherstellern zeigt. Vielleicht ist es die Anpassungsfähigkeit, die Tesla-Fans überzeugt: Vor allem in Bayern. Denn auf die bajuwarische Kombination aus Laptop und Lederhose war man hier schon stolz, als Tesla noch gar nicht gegründet war. Brauchtum und Business, in Bayern geht das Hand in Hand.


Tesla Roadster: Einige alte Modelle warten auf neue Batterien.
(Foto: Matthias Karpstein)

SUV für den Weg zur Werkstatt

Das scheinen sie im fernen Palo Alto verstanden zu haben. Davon kann sich jeder Tesla-Fahrer überzeugen, der mit seinem Model S in München unterwegs ist und nicht die jeweils mehr als eine Stunde Fahrt zum Irschenberg, nach Schweitenkirchen oder Mühldorf auf sich nehmen will, um kostenlos an einem Supercharger zu laden. Er fährt dann einfach zum Servicecenter in Feldkirchen bei München, denn auch da steht eine Tesla-Tanke. Wenn auch nur inoffiziell und nicht auf der Tesla-Webseite verzeichnet. 

Gleich auf Anhieb wird er das Servicecenter kaum finden, dafür sind die Tesla-Schilder am Wegesrand zu klein und zu gut von Bäumen verdeckt. Doch nach ein paar Minuten der Suche schleicht man sich dann über den schlecht asphaltierten Weg an die Tesla-Werkstatt heran und denkt unweigerlich an das angekündigte SUV. Denn für das Model S ist dieser Anfahrtsweg nicht geschaffen.


Tesla-Werkstatt zum Feierabend: Die Autos werden in den Arbeitsraum gebracht, damit draußen die Feuerwehr zu den Wohnhäusern hinter der Werkstatt fahren könnte.
(Foto: Matthias Karpstein)

Hinterhofwerkstatt im Kuhstall

Wenn man um die letzte Hecke gebogen ist, bietet sich ein extrem skurriles Bild: Das Servicecenter der edlen Elektromarke hat nichts vom Apple-Store für Autos, sondern präsentiert sich als Mischung aus Kuhstall und Hinterhofwerkstatt. Eine Hinterhofwerkstatt, auf deren Hof kaum Autos unter 100.000 Euro zu finden sind. Und weil sich direkt hinter der Werkstatt Privathäuser befinden, auf deren Wendehammer tagsüber die reparaturbedürftigen Teslas parken, heißt es für die Werkstattmitarbeiter jeden Abend: Wendehammer räumen und Teslas unter die Hebebühnen fahren. Am Morgen geht das gleiche Spiel dann rückwärts, damit in der Werkstatt wieder geschraubt werden kann.


Onlinelektüre im Model S: Genug Platz und Zeit für wichtige Nachrichten.

Bob Dylan lässt grüßen

Die Tesla-Werkstatt mit der schicken Wellblechfront war früher wirklich Unterschlupf für Kühe und wird in der US-Zentrale liebevoll "The Farm" genannt. In Feldkirchen würde man sich zwar über eine etwas größere und modernere Werkstatt freuen, aber die US-Zentrale hänge nun mal an der geschichtsträchtigen Farm, weil es die erste Tesla-Werkstatt in Europa war. Und bei einer Marke mit gerade mal gut zehn Jahren Historie, ist auch das schon eine Wegmarke der Firmengeschichte. 

Wer sich beim Tanken in Feldkirchen das außergewöhnliche Servicecenter ansehen will, hat dafür oft mehr Zeit als gedacht. Denn der Supercharger ist störrisch wie einer der Bullen, die früher auf diesem Grund den Ton angegeben haben. Er akzeptiert zwar zwei Tesla an seinen Zapfsäulen, aber bitte schön in der richtigen Reihenfolge! Andernfalls schmeißt er ein Auto aus dem Netz.

Dann heißt es: Ladevorgang neu starten und statt ursprünglich 40 Minuten eine Stunde warten. Nur gut, dass man auf dem großen Display im Model S seine liebsten Online-Zeitungen lesen kann. Oder man hört mal wieder Bob Dylan, "Maggie's farm" zum Beispiel.

comments powered by Disqus