Die deutschen Autobauer bekommen Schwierigkeiten in China - ist das ein Zufall oder Absicht der Regierung?
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Vor einer Woche berichtete ein Verbrauchermagazin im chinesischen Staatsfernsehen über Probleme mit dem Doppelkupplungsgetriebe von Volkswagen. Der Konzern sah sich aus Sorge um seinen Ruf in seinem wichtigsten Absatzmarkt dazu gezwungen, 384.000 Autos zurückzurufen. Jetzt attackierte der Staatssender CCTV auch die anderen deutschen Hersteller: In den Dämmstoffen der Innenräume werde Bitumen verwendet, dass bei hohen Temperaturen giftige Dämpfe freisetze, so der Vorwurf. Mehrere Autokäufer beklagten sich über Gestank in ihren Fahrzeugen und über Schwindelgefühle. Die Autobauer bestreiten die Vorwürfe. Aber sie wissen natürlich genau, wie wichtig der größte Automarkt der Welt für ihre Bilanzen ist, insbesondere vor dem Hintergrund der Krise in Europa.

Zwei solche Vorfälle innerhalb einer Woche - ist das Zufall? Schon in der vergangenen Woche waren die Kommentatoren skeptisch, ob die seit einem Jahr bekannten Probleme mit dem DSG tatsächlich der einzige Grund für die Schwierigkeiten sei. VW sei den Chinesen zu stark geworden, mutmasste die "taz", die Regierung würde lieber einheimische Hersteller als Marktführer sehen als den Weltkonzern aus Wolfsburg, der in China einen Marktanteil von etwas über 20 Prozent hat. "Rache zur besten Sendezeit" titelte die "Süddeutsche Zeitung".

Nun also der zweite derartige Vorfall. Da seit Jahren deutsche Autos in China verkauft werden, stellt sich natürlich die Frage, warum jetzt auf einmal Gestank im Innenraum zum Thema wird. Da die Standards und die Materialien überall auf der Welt gleich sind, fällt es auf, dass chinesische Nasen gerade jetzt empfindlicher sind als die von Kunden in Europa oder Amerika. Es ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass die Kritik künstlich hochgespielt wird.

Für die Autobauer ist China sehr wichtig: Bereits jetzt ist das Reich der Mitte der größte Automarkt der Welt und aller Wahrscheinlichkeit nach wird er in den kommenden Jahren noch wachsen. Aber die Umstände sind schwierig, die politischen Verhältnisse, die Kultur und die Rechtslage sind anders, als die Konzerne es aus Europa oder den USA kennen. Man kann in China viel gewinnen - aber auch viel verlieren.

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