Logo automobilwoche
Automotive News:

Vergangenes Jahr hatte die Automobilwoche Bundespräsident Christian Wulff als Eröffnungsredner zum Kongress nach Berlin eingeladen. Dafür hätte er als Dankeschön eine gute Flasche Rotwein bekommen. Sein Glück, dass er aus Termingründen absagen musste. Sonst hätte er jetzt noch mehr Ärger am Hals.
Nun also ein Bobby-Car: Die Affäre Wulff ist im Kinderzimmer angekommen. Wie kleinkariert kann diese Republik eigentlich noch werden? Um es gleich vorweg zu sagen: Ich hielt und halte Christian Wulff nicht für eine gute Wahl als Bundespräsident. Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident ist als VW-Aufsichtsrat dem Vernehmen nach nicht durch ein Übermaß an Sachkenntnis und Engagement aufgefallen. In den beiden großen Krisen, die er im VW-Aufsichtsrat zu bestehen hatte, dem Putschversuch des damaligen VW-Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder gegen Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und der gescheiterten Übernahme durch Porsche, schlug sich Wulff mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Besonderes Rückgrat oder gar eine eigene Meinung konnten die anderen Aufsichtsratsmitglieder bei ihm nicht entdecken.

Doch um die Performance eines Aufsichtsrats oder Politikers geht es hier ja nicht. Es geht um Skandale und Skandälchen. Schade, dass in Deutschland Politiker nicht an ihren Leistungen für das Land, sondern an dem gemessen werden, was sie außerhalb ihres Berufes tun oder sagen. Die jetzt erhobenen Vorwürfe, vom Hauskredit eines Freundes bis hin zum geschenkten Bobby-Car des Audi-Zentrums Berlin, sind für mich ähnlich kleinkarierte Übertreibungen wie die Compliance-Regeln von Daimler. Dort kann man einem Mitarbeiter keine Flasche Wein mehr schicken, ohne dass dieser Angst vor der internen CIA des Unternehmens haben muss, dem Business Practices Office. Das Unternehmen scheint dadurch teilweise wie gelähmt. Das dürfte auch der Politik blühen: Ein schlechtes oder gar kein Verhältnis zu Unternehmern zu haben gehört für Politiker künftig zum medienüberwachten Verhaltenskodex. Wird das Land dadurch besser regiert? Bestimmt nicht.

comments powered by Disqus
Das könnte Sie auch interessieren:
Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
10673
Zugriffe
Der Elektroauto-Hersteller Tesla hat nicht nur den erwarteten Sattelschlepper präsentiert, sondern auch einen neuen Roadster.
10142
Zugriffe
Festkörperbatterien versprechen eine deutlich größere Reichweite für E-Autos als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus. Der kalifornische E-Autobauer Fisker meldet nun einen Durchbruch. Auch ein deutscher Zulieferer setzt auf diese Technologie.
7616
Zugriffe
Die Marke Peugeot bekommt einen neuen Deutschlandchef, der von Opel kommt. Damit hat die Interimsphase seit dem Rauswurf von drei hochrangigen PSA-Managern im April ein Ende.
6904
Zugriffe
Ein niederländischer Energieversorger hat ein Model S auf Wasserstoffantrieb umgerüstet und so offenbar die Reichweite des Tesla auf 1000 Kilometer verdoppelt. Doch der Umbau ist nicht gerade günstig.
5715
Zugriffe
Der Autobauer Daimler zieht seine Forschungsabteilung aus Ulm ab. Die Beschäftigten seien am Donnerstag per Mail über die geplante Verlagerung informiert worden, teilte die IG Metall mit.
5510
Zugriffe
Beim Werben um gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter locken auch Automobilhersteller und -zulieferer mit einer guten „Work-Life-Balance“. Für die Mitarbeiter bedeutet das oft ortsungebundenes Arbeiten. Dass sich beides widerspricht, merkt man erst auf den zweiten Blick – vier Tipps, wie Sie trotzdem Privatleben und Beruf gut vereinen können.
5404
Zugriffe
Der neue VW-Virtus ist Teil der größten Modelloffensive der Marke VW in Brasilien: Bis 2020 werden 20 neue Modelle anlaufen, davon werden allein 13 in den brasilianischen Volkswagen Werken gefertigt.
4741
Zugriffe
34 Milliarden Euro investiert der VW-Konzern in den kommenden Jahren allein in die Bereiche E-Mobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung. Die Gesamtinvestitionen sind Insidern zufolge mehr als doppelt so hoch.
4544
Zugriffe
Der Absatz von BMW ist im Oktober zwar weiter gestiegen, der Rückstand auf Mercedes-Benz ist aber trotzdem gewachsen. Einen Trost gibt es allerdings.
4456
Zugriffe
Kleine Dieselmotoren haben keine Zukunft mehr? BMW sieht das anders und überarbeitet die Selbstzünder mit drei und vier Zylindern.