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Die Autohersteller nehmen den Aufbau eines Schnellladenetzes selbst in die Hand. Ein richtiger Schritt, soll die Elektromobilität massentauglich werden.
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Mission E: Das Elektroauto von Porsche ist nicht für die Stadt gedacht. Deshalb wird ein Schnellladenetz an Autobahnen benötigt. (Foto: Porsche)

Stuttgart. Wer davon träumt, dass einmal alle Autos in Deutschland elektrisch und emissionsfrei durch die Gegend fahren, der möge bitte an folgende Situation denken. Es ist Sommerferienbeginn und auf den deutschen Autobahnen in Richtung Süden bilden sich lange Staus. Auf den Raststätten und an den Tankstellen der A 8 und A 9 spielen sich chaotische Szenen ab. Was schon jetzt extrem an den Nerven zerrt, ist mit Elektroautos einfach unvorstellbar. Wie sollen Zehntausende Urlauber für ihre Autos Strom organisieren, wenn nur wenige Ladepunkte vorhanden sind und das Laden mehrere Stunden dauert?

Die Voraussetzung für die massenhafte Verbreitung der Elektromobilität ist eine ausreichende Infrastruktur mit kurzen Ladezeiten. Nur so lässt sich die Angst vor dem Liegenbleiben, eines der Haupt-Kaufhemmnisse, beseitigen. Gerne hätten die Hersteller diese Aufgabe der Politik überlassen. Doch die will über die Rolle des finanziellen Förderers und Koordinators nicht hinaus. Die Stromtankstellen sollen privatwirtschaftlich betrieben werden, lautet der Tenor - auch wenn bisher keiner ein Geschäftsmodell dafür hat und mögliche private Investoren wie etwa die Mineralölkonzerne daher zögern, im großen Stil einzusteigen.


Kein Nebeneinander von Technologien

Es ist deshalb der richtige Schritt, dass Daimler, BMW, VW, Porsche und Audi nun selbst die Initiative ergreifen. Die Kosten dafür mögen hoch sein, doch angesichts der guten Geschäfte der Premiumhersteller sicher zu stemmen. Die Vorteile liegen auf der Hand. So lässt sich ein allzu großes Nebeneinander verschiedener Technologien und Abrechnungssysteme in Europa verhindern. Diese können auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt werden. Die Akzeptanz von Elektromodellen dürfte so deutlich steigen. Außerdem können die deutsche Hersteller damit den Zeitplan bestimmen. Schließlich wollen sie bis Ende des Jahrzehnts neue Modelle mit großen Batterien und Reichweiten von rund 500 Kilometer auf den Markt bringen. Wer viel Geld für einen Mission E oder einen EQ von Mercedes zahlt, für den soll die bevorstehende Urlaubsreise nicht zum Horrortrip werden.

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