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Sollte Bosch eine Mitverantwortung im Diesel-Skandal nachgewiesen werden können, wäre nicht nur der finanzielle Schaden beträchtlich.
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Bosch-Zentrale: In der Diesel-Affäre gerät der weltgrößte Zulieferer immer weiter unter Druck. (Foto: Bosch)

Stuttgart. Zu Beginn des Diesel-Skandals schien die Rollenverteilung klar. Auf der einen Seite der Volkswagen-Konzern, dessen Entwickler offenbar über Jahre mit erstaunlicher krimineller Energie darauf hinarbeiteten, die Behörden in den USA mit einer Betrugssoftware zur Abgasreinigung hinters Licht zu führen.

Auf der anderen Seite der unwissende Zulieferer Bosch, der jeglichen Verdacht bereits im Keim zu ersticken versuchte. Man habe zwar Komponenten für den Motor und die Software beigesteuert, hieß es gleich zu Beginn. Was damit passiere, liege aber allein in der Verantwortung von VW. Ganz nach dem Motto: Was kann ein Hersteller eines Pistolengriffs dafür, wenn mit der Waffe nachher geschossen wird.


Wind hat sich gedreht

Lange hat sich Bosch damit geschickt aus der Diesel-Affäre ziehen können. Inzwischen aber hat sich der Wind gedreht ­ - und er bläst dem weltweit größten Zulieferer mitten ins Gesicht.  Seit VW einem Vergleich in Höhe von rund 15 Milliarden US-Dollar zugestimmt hat, rückt die Rolle von Bosch in dem Verfahren mehr und mehr in den Blickpunkt des Interesses. Und die Anzeichen mehren sich, dass Bosch statt Biedermann auch Brandstifter gewesen sein könnte.

Dies zumindest legen die Anschuldigungen der vergangenen Tage nahe, die Anwälte von geschädigten VW-Kunden in den USA beim zuständigen Gericht vorgelegt haben. Bosch sei angeblich entscheidender Akteur in einer "jahrzehntelangen Verschwörung" gewesen, heißt es in dem Dokument.


Brisantes Schreiben an VW-Tochter

Brisant ist vor allem ein bisher unveröffentlichtes Schreiben aus dem Jahr 2008 an eine VW-Tochter. In diesem habe Bosch darum gebeten, von der Haftung für die mitentwickelte und für die Manipulationen genutzte Software freigestellt zu werden. Obwohl VW dies abgelehnt habe, sei die Zusammenarbeit weiter fortgesetzt worden. Dies belege, dass sich Bosch des Gesetzesverstoßes in den USA bewusst gewesen sei.

Noch sind all das nur Vorwürfe, gegen die sich der Stuttgarter Konzern mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen kann. So wurden die Anschuldigungen bereits als "wild und unbegründet" zurückgewiesen. Auch die bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart eingegangenen Strafanzeigen von Privatpersonen gegen Bosch-Chef Volkmar Denner haben nur begrenzte Aussagekraft, denn daraus muss sich nicht zwingend ein für ein Ermittlungsverfahren nötiger Anfangsverdacht ergeben.


Drohender Image-Verlust

Die Risiken für den Konzern sind dennoch beträchtlich. Sollte das zuständige US-Gericht tatsächlich Anzeichen für eine Mitschuld sehen, dann dürfte ein außergerichtlicher Vergleich auch für Bosch teuer werden. 650 Millionen Euro hat das Unternehmen bereits für rechtliche Streitigkeiten beiseite gelegt. Ob dies im schlimmsten Fall ausreicht, darf bezweifelt werden. Sollte die Firma zu keinem außergerichtlichen Vergleich bereit sein, droht sie in den USA sogar auf der Anklagebank zu landen.

Noch schwerer als der finanzielle Schaden wiegt aber der drohende Image-Verlust. Das Unternehmen steht für Aufrichtigkeit, Fairness und Anstand wie wohl kein zweites in Deutschland. "Ein Mensch von Charakter lügt und betrügt nicht und hält sein Wort, er hat Pflichtgefühl gegen seinen Kunden, seine Familie und sich selbst, und das macht einen Geschäftsmann angesehen und beliebt", hat Unternehmensgründer Robert Bosch einmal als Maxime seines Handelns ausgegeben.  Ob sich auch die nachfolgenden Generationen daran gehalten haben, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

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