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Opel baut in Bochum bis Ende 2016 Autos
Opel in Bochum Nach monatelangen Verhandlungen einigten sich Arbeitnehmer und Gewerkschaft am Donnerstag vorläufig auf einen Sparplan, der auch die Auslastung der Werke Rüsselsheim, Kaiserslautern, Eisenach und Bochum regelt.
(Foto: Opel)
Autor:
Michael Knauer
mknauer@craincom.de
Donnerstag, 28. Februar 2013, 11.07 Uhr
Opel baut bis mindestens 2016 weiter Autos im Werk Bochum. Auch danach bleibe dort mindestens eine vierstellige Zahl von Industriearbeitsplätzen erhalten, teilten am Donnerstag das Unternehmen und die Arbeitnehmervertreter einvernehmlich mit.

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Bochum. Opel baut bis mindestens 2016 weiter Autos im Werk Bochum. Auch danach bleibt dort mindestens eine vierstellige Zahl von qualifizierten Industriearbeitsplätzen erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen wird es bis Ende 2016 in keinem der vier deutschen Opel-Werke geben. Das sind im Kern die Vereinbarung eines bis Ende 2022 laufenden Masterplanes namens "Drive! 2022", auf den sich am Donnerstag nach monatelangen zähen Verhandlungen das Unternehmen und die Arbeitnehmervertreter einigten.
700 Jobs fallen allerdings weg, für sie ist ein freiwilliges Abfindungsprogramm vorgesehen. Das Bochumer Werk soll wie schon zu Beginn der Verhandlungen geplant über 2016 hinaus in einen Komponenten- und Logistikstandort umgebaut werden.
Im Gegenzug verzichten die Beschäftigten weiter auf die Auszahlung der Tariferhöhungen bis 2015 so lange, bis die jeweils nächste Tariferhöhung in Kraft tritt. Übertarifliche Gehaltsanteile, wie zum Beispiel der übertarifliche Anteil des Weihnachtsgeldes, fallen weg.
"General Motors steht voll hinter Opel und sichert die notwendige Finanzierung für die kommenden Jahre zu, bis wir wieder zu eigener Profitabilität kommen werden", sagte der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Steve Girsky zum Abschluss der Verhandlungen. Girsky hatte Anfang Februar mit einem Ende der Fahrzeugfertigung in Bochum schon im nächsten Jahr gedroht, falls es bis Ende Februar nicht zu einer Verständigung mit den Arbeitnehmern kommen sollte.
"Dieser Deutschlandplan ist ein wichtiger Meilenstein für Opel, um Mitte der Dekade wieder die Gewinnschwelle zu erreichen. Wir werden damit unsere Kosten in den Griff bekommen. Der Schlüssel zu nachhaltiger Beschäftigung ist Wachstum. Der Schlüssel zu Wachstum sind Investitionen. Wir werden den Deutschlandplan mit einer milliardenschweren Modelloffensive unterstützen", erklärte Girsky weiter in einer Mitteilung des Unternehmens.

Entscheidungen auch zu Kaiserlautern, Eisenach und Rüsselsheim
Am schwierigsten waren die Verhandlungen zum Schicksal des Werkes in Bochum. Dort soll nun die Produktion kompletter Fahrzeuge nicht bereits Anfang 2015 enden. Vielmehr kann die Zafira Tourer-Produktion bis zu ihrem Auslaufen Ende 2016 verbleiben.
"Opel will in Bochum bleiben. Wir wollen unser Warenverteilzentrum in Bochum behalten. Wir wollen insgesamt rund 1.200 tarifgebundene Opel-Arbeitsplätze in Bochum sichern – und den Standort zum Komponentenwerk umwandeln", sagte Girsky dazu. Rund 600 Arbeitsplätze können im Lagerbereich verbleiben, etwa 600 weitere in einer noch abschließend festzulegenden Komponentenfertigung.
Auch die stark gefährdete Fertigung des F13-Getriebes in Bochum kann nun bleiben und soll nicht wie geplant bereits Ende dieses Jahres eingestellt werden. Ab dem zweiten Quartal 2013 wird die Produktion in Bochum von Drei- auf Zweischichtbetrieb umgestellt.
Ergebnisse erzielten die verhandelnden Parteien auch in Bezug auf die Standorte Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim. So sollen in Eisenach, wo der Corsa und der Adam gefertigt werden, auch nach 2015 zwei Modelle gebaut werden.
In Kaiserslautern wird das Komponentenwerk ebenfalls über 2016 hinaus gesichert. Opel plant nach eigenen Angaben auch in Zukunft mit rund 1.800 Mitarbeitern in dem pfälzischen Werk.
Im Stammwerk Rüsselsheim wird Opel auch nach 2015 ein zweites Modell fertigen. Auch die nächste Generation des Mittelklassemodells Insignia soll exklusiv in Rüsselsheim gebaut werden. Zudem bleibt die Fertigung des F40-Getriebes in Rüsselsheim. Das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum bleibt integraler Bestandteil im internationalen GM-Entwicklungsverbund.

Gesamtbetriebsratschef: Durchbruch auf dem Weg in eine Zukunft
Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sprach von einem Durchbruch. "Wir haben die Geschäftsleitung dazu gebracht, sich klar zu den deutschen Standorten und Beschäftigten und zu einem langfristig angelegten Zukunfts- und Wachstumsplan für die Marke Opel/Vauxhall zu bekennen und das auch vertraglich festzuschreiben."
Mit den jetzt erreichten Vereinbarungen habe die Schließung des Standortes verhindert werden können. "Bochum bleibt ein Opel-Produktionsstandort." Die Opelaner hätten nun fünf Jahre Zeit gewonnen, um bestmögliche Lösungen für eine dauerhafte Zukunft zu finden.
Zu den Zugeständnissen der Arbeitnehmer erklärte Schäfer-Klug, das Opel-Management sei mit seinem Plan gescheitert, die Opel-Beschäftigten aus dem Flächentarifvertrag zu drängen. "Die Opel-Beschäftigten werden weiterhin von den Tariferhöhungen in der Metall- und Elektroindustrie profitieren, die Tariferhöhungen gehen in die Entgelttabellen ein - wenn auch mit einer zeitlichen Verzögerung."
IG-Metall-Chef Berthold Huber zeigte sich deutlich skeptischer, er sprach von einem Zwischenschritt. "Über entscheidende Details des Zukunftsprogramms wird ab Montag weiter verhandelt. Erst wenn das ganze Paket vorliegt, können wir es unseren Mitgliedern zur Abstimmung stellen", sagte er. Die Gewerkschaft fordere, den nun erreichten Verhandlungsstand in einen Tarifvertrag zu überführen. "Über den Tarifvertrag entscheiden dann unsere Mitglieder", so der Metall-Chef.
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