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Daimler eröffnet Entwicklungszentrum in indischer IT-Metropole
Neues Entwicklungszentrum in Bangalore: Mercedes hat bereits 1996 ein Entwicklungszentrum in Indien gestartet. Es begann damals mit 10 Mitarbeitern.
(Foto: Daimler)
Autor:
Matthias Krust
mkrust@craincom.de
Freitag, 22. Februar 2013, 00.03 Uhr
Der Standort in der indischen IT-Metropole Bangalore ist mit 1200 Mitarbeitern das größte Forschungs- und Entwicklungszentrum des Stuttgarter Autoherstellers außerhalb Deutschlands.

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Bangalore/Indien. Daimler hat in Indien das "Mercedes-Benz Forschungs- und Entwicklungszentrum" (MBRI) eröffnet. "Mit unserem neuen Kompetenzcenter in Bangalore haben wir direkten Zugang zu hoch qualifizierten Mitarbeitern und sind hervorragend mit der vor Ort ansässigen internationalen und nationalen Zulieferindustrie vernetzt", so Daimler-Forschungs- und Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Insgesamt will der Stuttgarter Autohersteller die Fahrzeugentwicklung aller Sparten schneller und effizienter machen. Gleichzeitig soll mit der Entwicklung von Fahrzeugkomponenten vor Ort auch der Einkauf bei lokalen Zulieferern gestärkt werden. Und Daimler hofft, dass der indische Pkw-Markt endlich anspringt und die seit langem prognostizierten Wachstumsraten endlich liefert. "Wir werden 2015 in Bangalore 2000 Mitarbeiter haben und ich sehe noch großes Wachstumspotenzial", so Weber weiter. Bis allerdings die Verantwortung für ein ganzes Fahrzeug nach Indien vergeben werde, ist dem Manager zufolge noch ein weiter Weg.

Der neue Standort in der IT-Metropole Bangalore, wo praktisch alle internationalen IT-Dienstleister präsent sind, beschäftigt derzeit 1200 Mitarbeiter und ist damit das größte Forschungs- und Entwicklungszentrum von Daimler außerhalb Deutschlands und dem Hersteller zufolge auch das Größte eines Autoherstellers in Indien. Mit dem neuen Zentrum hat Daimler drei Standorte in Bangalore unter dem Dach eines modernen Gebäudes vereint, auf dem sich weithin sichtbar der Mercedes-Stern dreht. Die Aufgaben von MBRDI gliedern sich in zwei grundsätzliche Bereiche: Die Entwicklung von Fahrzeugbestandteilen und Simulation für die einzelnen Sparten. Sowie klassische IT-Dienstleistungen wie das Applikation Management und die Entwicklung von Apps für mobile Anwendungen. "Wir konzentrieren uns schon längst nicht mehr nur auf die Forschung, sondern entwickeln ganze Komponenten", unterstreicht Weber mit Blick auf die Konkurrenten.

Die Pkw-Sparte von Daimler hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 den Absatz auf rund 2,6 Millionen Fahrzeuge zu verdoppeln. Außerdem will Mercedes-Benz Cars bis dann beim Verkaufsvolumen und der Profitabilität wieder die Nummer eins im weltweiten Premiumsegment sein. Derzeit liegt Mercedes mit etwas über 1,3 Millionen Fahrzeuge nur an Nummer drei und hinkt auch bei der Umsatzrendite hinterher. BMW hat 2012 mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge verkauft, Audi über 1,455 Millionen Einheiten. Um zu der Konkurrenz aufzuschließen bringt Mercedes in den nächsten Jahren 13 neue Modelle ohne Vorgänger auf den Markt. Insbesondere in der Kompaktklasse wird das Angebot stark ausgeweitet. Daimler hat 2012 wie im Vorjahr 5,6 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert und plant im Zeitraum von 2013 bis 2014 insgesamt Investitionen von 10,8 Milliarden Euro.

Know-How aus der digitalen Welt nutzen
Dass die Stuttgarter wichtige Elemente der Entwicklung nach Indien verlagern hat handfeste Gründe. "Wir wollen uns natürlich auch die Kostenpotenziale erschließen", so Weber. Laut Jens Cattarius, Leiter des Entwicklungszentrums, ist das Einkommen eines indischen Ingenieurs im Industriedurchschnitt nur ein Fünftel seines Kollegen in Sindelfingen, wo das Hauptquartier der Forschungs- und Entwicklungsorganisation von Daimler angesiedelt ist. Insgesamt spart Daimler rund ein Drittel an Personalkosten durch den Standort Indien im Vergleich zu Deutschland ein. Kosteneffekte ergeben sich aber auch durch den verstärkten Einkauf vor Ort. Insbesondere das Interieur bietet laut Cattarius große Chancen, weil nahezu alle internationalen Zulieferer wie Faurecia, Johnson Controls, Magna, Lear und Delphi aber auch die deutschen Bosch,  Continental sowie Behr in Indien Produktionsstandorte haben. Klassische Entwicklungsthemen, die aufgrund des IT-Know-hows gut nach Indien passen, sind die Elektronik/Elektrik mit embedded Software für Steuergeräte sowie die Simulation von Fertigungsverfahren, Fahrzeug-Crashs und Sicherheitssysteme.

"Wir wollen vor allem das Know-how aus der Digitalen Welt nutzen, um schneller und effizienter zu sein", so Weber. Chancen sieht er dabei vor allem in der Phase vor dem Design-Freeze rund 30 Monate vor dem Produktionsstart. Hier will Daimler mit digitalen Modellen die Entwicklung weit vorantreiben und so den bis heute üblichen Fahrzeugbau weitgehend zu vermeiden. "Wenn wir die Hardware eliminieren, sind die Kosteneffekte hoch", so der Manager. Ein weiteres Argument für das neue Zentrum ist die Auslandsexpansion der Pkw-Sparte. "Wir müssen die Trends im Ausland in unserer Entwicklung aufnehmen", betont Weber. Dazu brauche Mercedes und Daimler eine globale Entwicklungsorganisation. Auf mittlere Sicht dürfte die Mitarbeiterzahl in Deutschland stabil bleiben. In Indien und China, wo sich neben den USA, ein weiterer Standort befindet, will Daimler dagegen massiv Kapazitäten aufbauen.
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