Logo automobilwoche
Automotive News: Flag US Flag EU Flag CN

Blog:

Kann mir jemand Daimler erklären?

Automobilwoche-Chefredakteur Guido Reinking wundert sich über die Nachrichten aus dem Stuttgarter Konzern.

Immer wenn ich denke, ich hätte dieses Unternehmen verstanden, kommt eine Nachricht wie diese: Der Vertrag von Daimler-Chef Dieter Zetsche, 59, wird nur um drei Jahre verlängert. Und Wolfgang Bernhard, 52, muss offenbar auf Druck von Gewerkschaft und Betriebsrat sein Produktionsressort abgeben und die Nutzfahrzeugsparte übernehmen. Damit ist die Nachfolgesuche von Zetsche voll entbrannt.

Es siehst so aus, als ob es Bernhard nach seinem Abgang bei Volkswagen erneut nicht gelungen ist, das Vertrauen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat zu erlangen. Bei VW war er wie ein Bulldozer durch die Werkshallen gegangen, hatte den Verkauf von Komponenten-Werken betrieben und die Arbeiter zu mehr Leistung angetrieben. So geht das aber nicht bei VW. Beim Daimler offenbar auch nicht. Der Mann kann wohl nicht aus seiner Haut. Wenn das Gerücht um seine Rochade mit Nutzfahrzeug-Chef Andreas Renschler stimmt, ist er als Zetsche-Nachfolger kaum mehr durchsetzbar. Schade: Bernhard ist ein guter Manager.

Das Vertrauen des Aufsichtsrats in die derzeitige Konzernführung ist offenbar nicht mehr groß genug, um Zetsche und Entwicklungschef Thomas Weber einen Fünf-Jahres-Vertrag zu geben. "Ein Vertrag wie eine Abmahnung", schreibt "Spiegel-Online". Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff muss nun innerhalb von drei Jahren einen Nachfolger für Zetsche finden. Im Unternehmen ist aber niemand in Sicht, wenn Bernhard nun verbrannt ist. Der neue Daimler-Chef muss nicht unbedingt ein Car Guy sein. Das Beispiel Alan Mulally bei Ford zeigt, wie ein branchenfremder Manager - in diesem Fall aus der Flugzeugindustrie - einen Autohersteller sanieren und richtig aufstellen kann.

Daimler ist in keiner einfachen Situation: Das Unternehmen mit seiner Markenikone Mercedes ist im Wettbewerb zwischen Audi und BMW geradezu an den Rand gedrängt worden und droht abgehängt zu werden. Wie es Zetsche schaffen wollte, wie angekündigt bis 2020 wieder die Nummer eins im Premiumgeschäft zu werden, muss er nun nicht mehr beweisen. Er ist ja nur noch bis 2016 im Amt.

Ich hoffe, der ehemalige Luftfahrt-Manager Bischoff hat einen Plan, wie es in den nächsten Jahren bei Daimler weitergehen soll. Erkennbar ist ein solcher im Moment jedenfalls nicht. 

comments powered by Disqus
Das könnte Sie auch interessieren:
Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
4810
Zugriffe
VW, Daimler, BMW und weitere sieben Autobauer müssen sich in den USA vor Gericht verantworten. Es geht um moderne Startsysteme - und um 13 Todesfälle.
4107
Zugriffe
Schuler plant drei seiner sieben Fertigungen in Deutschland zu schließen. Betroffen sind rund 450 Arbeitsplätze.
3561
Zugriffe
Wegen einer Ausfahrt auf der Regnitz in Bamberg droht Brose-Gesellschafter Michael Stoschek ein Bußgeld. Doch das ist nur der billige Teil seines Ärgers mit der Staatsgewalt.
3519
Zugriffe
General Motors hat den Bemühungen von Fiat Chrysler schon vor Monaten eine Abfuhr erteilt. Aber Sergio Marchionne lässt nicht locker - und erhöht den Druck.
3344
Zugriffe
BMW will mit dem neuen Siebener zeigen, was derzeit technisch machbar ist.
2691
Zugriffe
Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats will den Vertrag mit Vorstandschef Martin Winterkorn bis Ende 2018 verlängern.
2571
Zugriffe
Update: Ein internationales Schiedsgericht hat den jahrelangen Streit zwischen Volkswagen und Suzuki beendet. Wie von den Japanern gewünscht verkauft VW seine Anteile an Suzuki. Die Wolfsburger haben aber auch Anspruch auf Schadenersatz.
2486
Zugriffe
Daimlers chinesischer Partner BAIC macht Ernst mit den Einstiegsplänen beim deutschen Autobauer. Der Chef des Unternehmens gab in einem Interview nun Einblicke in die Planungen.
2225
Zugriffe
Der Elektroautobauer Tesla muss sich einen neuen Deutschland-Chef suchen: Philipp Schröder geht zurück zu seinem alten Arbeitgeber.
2163
Zugriffe
Anfangs klang alles nach Liebesheirat, doch die Zusammenarbeit von Suzuki und Volkswagen endete schnell und in Unfrieden. Jetzt hat ein Schiedsgericht entschieden. VW muss seine Suzuki-Anteile verkaufen. Hier gibt es die Hintergründe: