Obwohl die Stuttgarter als erster Premiumhersteller in Indien präsent waren, verkauft die Marke weniger Autos als die Newcomer BMW und Audi. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern.
Wichtige Kennzahlen des Autobauers Daimler im ersten Quartal 2013
Pune/Indien. Mercedes bereitet sich auf einen großen Absatzschub in Indien vor und will mit der Einführung der neuen A-Klasse gegenüber den Konkurrenten BMW und Audi aufholen. "Wir werden die Produktionskapazität bis Jahresende auf 20.000 Fahrzeuge ausbauen", sagte Eberhard Kern, Chef von Mercedes-Benz India, zu Journalisten anlässlich eines Werksbesuchs am Standort Pune. Heute kann Mercedes 10.000 Einheiten jährlich produzieren. Gleichzeitig will der Manager, der erst seit dem 1. Dezember 2012 die lokalen Pkw-Aktivitäten des Daimler-Konzerns verantwortet, mit einer Reihe von Maßnahmen dem schwächelnden Mercedes-Absatz neuen Schwung verleihen. Dazu gehört unter anderem die Markteinführung der neuen A-Klasse im Juni. "Wir sind damit first mover. Ein kompaktes Luxussegment gibt es in Indien bisher nicht. Die ersten Reaktionen der Kunden sind sehr gut", so Kern. Die A-Klasse soll für umgerechnet rund 35.000 Euro in Indien angeboten werden. Zielgruppe sind junge, aufstrebende Berufstätige. Die Bilanz des Stuttgarter Premiumherstellers auf dem Subkontinent ist bislang enttäuschend: Mercedes ist seit 1995 mit einer lokalen Fertigung in Indien - lange vor den bayerischen Konkurrenten, die erst vor vier bis fünf Jahren in den Markt eintraten. Dennoch hat Mercedes im vergangenen Jahr mit einem Absatz von 7138 Fahrzeugen 23 Prozent weniger als BMW verkauft und liegt sogar hinter Audi auf Platz drei. Absolut lieferten BMW 9375 und Audi 9003 Fahrzeuge an Kunden aus. Insgesamt fahren lediglich etwas mehr als 45.000 Mercedes-Modelle auf Indiens Straßen. Marktbeobachtern zufolge bieten BMW und Audi ihre Fahrzeuge zu einem geringeren Listenpreis und höheren Rabatten an, um schnell Marktanteile zu gewinnen. Die Preisdifferenz zu Mercedes liegt zwischen 10 und 15 Prozent. Im Gegenzug dazu erzielt Mercedes die höchsten Restwerte. Die Pkw-Sparte von Daimler ist derzeit beim weltweiten Absatz drittgrößter Premiumhersteller hinter BMW und Audi. Bis 2020 hat sich Mercedes-Benz Cars zum Ziel gesetzt, das Volumen auf rund 2,6 Millionen Einheiten zu verdoppeln und wieder an die Spitze des Segments zurückzukehren. Auch bei der Profitabilität will Mercedes Spitze sein.
Pkw-Markt soll stark wachsen Gemessen an der Gesamtbevölkerung mit 1,3 Milliarden Einwohnern ist der indische Luxusfahrzeug-Markt verschwindend klein: Im vergangenen Jahr wurden 31.7000 Fahrzeuge der drei deutschen Premiummarken plus den Modellen der Konkurrenten Jaguar Land Rover, Volvo und Porsche verkauft. Das sind 1,2 Prozent des ebenfalls sehr kleinen Gesamt-Pkw-Markts, der von Kleinwagen unter 10.000 Euro dominiert wird und auf ein Volumen von 2,1 Millionen Einheiten kommt. Das sind rund eine Million Fahrzeuge weniger als in Deutschland 2012 verkauft wurden. Die optimistischen Wachstumsprognosen für Indien und den Fahrzeugmarkt haben sich schon mehrfach in Luft aufgelöst. Die Gründe dafür liegen Experten zufolge einerseits an der Zersplitterung des Landes und am politischen System: Indien ist eine Demokratie und besteht aus 29 Staaten, in denen 18 offizielle Sprachen gesprochen werden. Die allgemeine Korruption und die Trägheit der Verwaltung gehört zusammen mit der mangelhaften Infrastruktur in allen Bereichen zu den größten Wachstumsbremsen. Obwohl diese Probleme nicht im Ansatz beiseite geschafft und auch keine Lösung in Aussicht ist, prognostizieren Ökonomen und Marktforscher nun den erhofften Durchbruch. Bis 2015 soll die Pkw-Nachfrage auf 3,8 Millionen und bis 2020 auf rund sieben Millionen Fahrzeuge zulegen. Für das Luxussegment wird dem Indischen Autoherstellerverband zufolge das Wachstum noch höher ausfallen. Prognostiziert wird ein Plus von 35 Prozent auf 78.000 Einheiten bis 2015 und von 30 Prozent auf 280.000 Fahrzeuge bis 2020. Mercedes will davon stark profitieren - auch wenn Kern einräumt, dass die letzten drei Jahre "schwächer ausgefallen sind als erwartet" und die Prognosen sich mehrfach als falsch erwiesen haben. Seiner Ansicht nach gibt es aber, positive Entwicklungen: "Es findet gerade eine Generationswechsel in den Unternehmen statt und es entsteht eine Art Mittelstand."
Mercedes will kontern Die bis Jahresende installierte Kapazität von 20.000 Fahrzeugen soll je nach Nachfrage sukzessive über zusätzliche Schichten tatsächlich genutzt werden. Die Fabrik steht in Pune, rund 170 Kilometer südöstlich von Mumbai gelegen. Sie wurde 2009 mit einer Investition von 25 Millionen Euro auf der grünen Wiese neu gebaut. Dort werden die aus Deutschland versendeten Bausätze der C-, E- und S-Klasse gefertigt und lackiert. Seit dem vergangenen Jahr läuft auch die M-Klasse, deren Teile aus Tuscaloosa/USA geliefert werden, vom Band. Die GL-Klasse soll im Oktober 2013 dazukommen. Importiert wird der SKL, die B-Klasse sowie verschiedene AMG-Modelle. Dem Produktionsplan zufolge will Mercedes in diesem Jahr 6200 Fahrzeuge lokal fertigen, 2014 sollen es 8200 sein. Die Lokalisierung eines Kompaktmodells wird als Option gesehen, ist aber noch nicht entschieden. Zusätzlich zur Erweiterung des Produktportfolios investiert Mercedes India in den Ausbau und die Qualität des Händlernetzes. Die Marke arbeitet mit 20 unabhängigen Händlern zusammen und verfügt über 33 Showrooms und 42 Werkstätten. Außerdem will Kern den günstigeren Angeboten der Wettbewerber mit Leasing-, Finanzierungs- und Versicherungsangeboten entgegenhalten, die stark auf die Gesamtkosten des Fahrzeugs inklusive des Restwerts abzielen. "Wir haben ein ganzes Set um das Thema Cost of Ownership definiert", so der Manager. Der Optimismus bei Mercedes India ist groß: Läuft das Geschäft wie erhofft gut, kann die Produktionskapazität nochmal verdoppelt werden.
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