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Rückrufe 2012 auf Rekordniveau
Rückrufquoten nach Marken in den USA: Japanische Hersteller waren 2012 erneut am stärksten von Rückrufen betroffen.
(Foto: CAM)
Autor: Bettina John
Donnerstag, 21. Februar 2013, 12.38 Uhr
Die Rückruf-Trends der globalen Automobilhersteller im Jahr 2012 hat das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach untersucht. Besonders betroffen sind weiterhin die japanischen Hersteller, allen voran Toyota. Unter den deutschen Produzenten musste BMW die meisten Fahrzeuge zurückrufen.

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Bergisch Gladbach. Weltweit 750.000 Autos ruft BMW derzeit in die Werkstätten zurück. Von dem zweitgrößten Rückruf des bayerischen Autobauers sind vier Modelle betroffen, bei denen Probleme bei der Stromversorgung auftreten können. Europäische Kunden sind nicht betroffen, der Schwerpunkt der Rückrufe liegt mit einer halben Million Autos in den USA.
Schon 2012 war BMW unter den deutschen Herstellern auf dem US-Markt mit einer Rückrufquote von 160 Prozent überdurchschnittlich betroffen. Der bayerische Premiumhersteller musste in den USA mehr als 550.000 Fahrzeuge zurückrufen, unter anderem wegen Kurzschlussgefahren bei Batteriekabeln. Die anderen deutschen Hersteller blieben mit ihrer Mängelquote unter dem Durchschnitt, so eine aktuelle Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Die wenigsten Nachbesserungen gab es bei VW/Audi (drei Prozent) und Daimler (sechs Prozent). Dagegen verschlechterte sich Porsche nach sehr guten Werten in den Vorjahren 2012 auf 64 Prozent.
Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Rückrufe von Fahrzeugen auf dem US-Markt auf Rekordniveau, so die CAM-Studie. Demnach wurden 2012 in den USA insgesamt 15,6 (Vorjahr: 14,5) Millionen Pkw in die Werkstätten zurückgerufen. Insgesamt summierte sich damit die Zahl der Rückrufe auf dem US-Markt von 2009 bis 2012 auf mehr als 63 Millionen Fahrzeuge. Das entspricht einer jährlichen Quote von 129 Prozent. Es wurden also 29 Prozent mehr Fahrzeuge in die Werkstätten zurückbeordert als im gleichen Zeitraum verkauft, da auch Modelle zurückliegender Baujahre betroffen waren.

Japaner mit den meisten Rückrufen
Japanische Hersteller waren 2012 erneut am stärksten von Rückrufen betroffen, die höchsten Quoten wiesen Toyota, Suzuki, Subaru und Honda auf. Negativ-Spitzenreiter war der ohnehin schwache Suzuki-Konzern mit einer Rückrufquote von 412 Prozent. Mittlerweile hat das Unternehmen angekündigt, sich vom US-Markt ganz zurückzuziehen.
Toyota musste 2012 mehr als 5,3 Millionen Autos in die Werkstätten rufen, das waren mehr als 2,5 mal so viele Fahrzeuge wie der Autobauer in den USA verkaufen konnte (Rückrufquote: 255 Prozent). Auch im laufenden Jahr haben die Japaner auf dem US-Markt bereits wieder eine Million Autos wegen möglicher Defekte an der Steuerungselektronik zurückgerufen.

Die Rückrufquoten der amerikanischen Autobauer bewegten sich 2012 dagegen im Mittelfeld, Chrysler lag bei 81 Prozent, Ford bei 62 und GM bei 57 Prozent. Konkret lag das Rückrufvolumen pro Hersteller im Heimatmarkt zwischen 1,39 und 1,47 Millionen Pkw.

US-Markt als aussagekräftiger Indikator
Das CAM konzentriert sich bei seine Analyse, die bereits im achten Jahr durchgeführt wurde, auf den US-Markt, weil dieser aufgrund seiner Absatzgröße, der scharfen Sicherheitsrichtlinien und des hohen Klagerisikos als aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der globalen Automobilkonzerne gilt. "In den USA sind sie ein bisschen nervöser", sagte Stefan Bratzel, Leiter des CAM. Eine Rückruf-Analyse speziell für den deutschen Markt folgt im Sommer, da die Basisdaten des statistischen Bundesamtes hierzulande erst im Juni vorliegen.
Auslöser der US-Rückrufe waren vor allem Elektrik- und Elektronikprobleme: Knapp die Hälfte (47 Prozent) aller Rückrufaktionen beruhten auf Mängeln an elektrischen Bauteilen, die das Risiko von Kurzschluss und Brandgefahr bergen. In jeweils elf Prozent der Fälle gab es Probleme im Insassenschutz sowie Mängel an Motor und Antriebsstrang, gefolgt von Störungen an Lenkanlage, Fahrwerk und Bremsanlage.

Als wesentliche Ursachen für wachsende Qualitätsprobleme nennt CAM-Leiter Bratzel vier Faktoren: Erstens die steigende technische Komplexität des Fahrzeugs aufgrund von Innovationen im Bereich der Sicherheit und des Komforts. Zweitens die Zunahme der Entwicklungsgeschwindigkeit aufgrund des steigenden Wettbewerbsdrucks. Drittens die Globalisierung der Entwicklung und Produktion sowie die Verlagerung großer Teile der Wertschöpfung auf die Zulieferer. Viertes Risiko für die Produktqualität ist der steigende Kostendruck. Daher, so das Fazit der CAM-Untersuchung, bleibe das Verwundbarkeitsrisiko der Automobilhersteller auch in Zukunft hoch.
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