NEU: ePaper
NEU: Jobsjobs.automobilwoche.de
Benutzeranmeldung:
Die Grenzen des Wachstums erkennen
Autohaus: Bei den Händlern wechseln sich Expansion und Konsolidierung ab.
(Foto: BMW Fink)
Autor: Bettina John
Donnerstag, 31. Januar 2013, 11.24 Uhr
Konsolidieren oder expandieren: Wie Handelsgruppen ihre Strategie zwischen den beiden Polen ins Gleichgewicht bringen

Hintergrunddaten zum Thema:
11/2013
VW hat in Deutschland im ersten Quartal 2013 von allen Autoherstellern am meisten für Werbung ausgegeben.

04/2013
Die meistverkauften Autos in Deutschland von Januar bis März 2013

13/2013
Bewertung der neuen Verträge nach Markengruppen und Ländern

München. "Man sollte dann von Wachstum auf Konsolidierung umschalten, wenn man es noch freiwillig und aus eigener Kraft tun kann." So kündigte Roman Still jüngst den Kurswechsel bei Deutschlands umsatzstärkster Handelsgruppe AVAG an. Nicht alle Autohäuser sind in dieser komfortablen Lage. "Die Liquiditätsentwicklung ist ein sehr guter Frühindikator, wann man die Expansionskurve abflachen lassen sollte", sagt Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA). Unternehmen wie etwa Kroymans hätten die Komplexität des Mehrmarkenhandels unterschätzt und seien "durch ihre Expansionsstrategie ins Schleudern gekommen".
Mehr als einen Gang zurückgeschaltet hat die Stuttgarter Staiger-Gruppe. "Die Konsolidierung haben wir hinter uns", sagt Geschäftsführer Paul Schäfer. "Unsere alte Struktur hat sich nicht mehr gerechnet. Darum haben wir uns an das tatsächliche Volumen angepasst." Wegen des permanenten Rückgangs der Kernmarke Opel wurden 26 Betriebe verkauft oder geschlossen. Heute hat Staiger noch sechs Standorte.
Nicht selten wechseln sich Expansion und Konsolidierung ab, "oft handelt es sich um eine Wellenbewegung", erläutert Diez. Nach der Konsolidierung wieder auf Wachstum setzt zum Beispiel die Bochumer Lueg-Gruppe, einer der größten Daimler-Vertriebspartner hierzulande. Seit 2008 investierte das Unternehmen 20 Millionen Euro in seine Neuausrichtung. "Nachdem die Modernisierung abgeschlossen war, haben wir konsolidiert", sagt Vorstandschef Jürgen Tauscher, "vor allem bei Opel und Hyundai." Mit rund 24.000 Fahrzeugen lag die Lueg-Gruppe 2012 "erstmals wieder über der Steigerungsrate von 2008", so Tauscher. "Wir fühlen uns gut genug aufgestellt, um weiter zu wachsen, und halten die Augen auf." Der Fokus liege auf den Kernmarken, neue Marken seien aber "nicht ausgeschlossen".

Entwicklung geht in Richtung großer Händler
Auch die Wellergruppe will weiter wachsen, schließlich sind für das Jahr 2020 bereits 100.000 verkaufte Autos und zwei Milliarden Euro Umsatz fest eingeplant. In der Vergangenheit hatte die Handelsgruppe auch Betriebe wieder abgegeben, beispielsweise 2011 den Reutlinger VW-Standort oder 2009 ihre Toyota-Häuser in Berlin.
Dass die gegenwärtige Entwicklung eine Konzentration zu großen, starken Händlern mit sich bringt, bestätigt Dirk Bott vom Beratungsunternehmen MSX. Von den rund 7800 Händlern und Gruppen werden 2020 nur noch 4500 übrig sein, prognostiziert IFA-Direktor Diez. "Insgesamt steigt die Gruppengröße, das sehen wir auch jetzt schon."
Kommentare zum Artikel:
Weiterführende Links:
Händler zwingen Opel zum Umdenken
Die Opel-Händler haben mit ihrem massiven Widerstand gegen das neue Vertriebsprogramm des Herstellers Erfolg: Der Rüsselsheimer... » mehr lesen

Weilbacher gegen Daimler: Nächste Runde
Der Brandenburger Autohändler Michael Weilbacher hat einen Mitarbeiter des Finanzamts Stuttgart angezeigt, weil dieser sensible... » mehr lesen

Porsche will Hochburg Hamburg stärken
Die Marke will direkt am Autobahndreieck Hamburg Nordwest bauen.... » mehr lesen

Hyundai will Flottengeschäft ausbauen
Der koreanische Importeur will in diesem Jahr die Zahl der gewerblichen Zulassungen steigern. Um den Absatz weiter anzukurbeln,... » mehr lesen

Weilbacher unterliegt erneut vor Gericht
Die Mercedes-Benz Bank hat innerhalb weniger Monate bereits zum zweiten Mal vor Gericht gegen die Automobilgesellschaft... » mehr lesen

Bochums Aus und die Folgen
Nach dem erwarteten Beschluss von General Motors, Ende 2016 die Fahrzeugfertigung im Opel-Werk in Bochum endgültig einzustellen, kämpfen die Belegschaft, Opel-Händler der Region... » mehr lesen

Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
9902
Leser
Das Automatikgetriebe macht Volkswagen Probleme: Nach Rückrufaktionen im großen Stil in China und Japan müssen nun auch in Australien Autos wieder in die Werkstatt. Der Konzern sieht keine Alternative zum Werkstattbesuch. Auslöser der Probleme sind verstopfte, heiße Großstadtdschungel.
8653
Leser
Werkstätten und Kunden des Premiumherstellers BMW müssen derzeit teilweise wochenlang auf Ersatzteile warten. Grund ist eine Software-Umstellung.
5177
Leser
Die Porsche Holding ist wieder ganz im Familienbesitz: Der Staatsfonds des Emirats Katar hat seinen Anteil von zehn Prozent an der Porsche SE an die beiden Familien Porsche und Piech verkauft.
5147
Leser
Neuer Vorstand für Produktion bei Jaguar Land Rover wird Wolfgang Stadler. Der 55-Jährige ist bisher Leiter des BMW-Werks in Dingolfing.
2714
Leser
Der Chef der weltweiten Marketing-Kommunikation bei Volkswagen, Giovanni Perosino, wechselt zur Konzerntochter Audi nach Ingolstadt.
2434
Leser
Die Europäische Union hat Deutschland eine Frist gesetzt: Zehn Wochen hat die Bundesregierung einem Medienbericht zufolge Zeit, die Einhaltung der Richtlinie zum Kältemittel in Klimaanlagen sicherzustellen – danach droht ein Verfahren.
2181
Leser
Etwa 100.000 Personen haben sich weltweit bereits für eine Probefahrt mit dem Elektroauto BMW i3 angemeldet, wie Vertriebsvorstand Ian Robertson auf dem Kongress der Automotive News Europe in Paris bekanntgab.
2089
Leser
Beim Stuttgarter Automobilhersteller ist die erste Limousine der neuen S-Klasse-Baureihe vom Band gelaufen. Zum Produktionsstart zeigte sich Daimler- und Mercedes-Chef Dieter Zetsche zuversichtlich, das Absatzvolumen ausweiten zu können. Der neue Produktionsvorstand Andreas Renschler will das Werk Sindelfingen zu einem der effizientesten Standorte im Mercedes-Verbund machen.
2022
Leser
Fondsmanager Michael Muders von Union Investment hat sich in einem Interview vehement gegen ein weiteres Engagement von Mercedes ausgesprochen: "Mercedes muss raus aus der Formel 1."
1905
Leser
Der ZDK-Präsident will sich im kommenden Jahr nicht mehr zur Wahl stellen