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Schwaches Europageschäft bremst Bosch
Volkmar Denner: Der Bosch-Chef musste einige strukturelle Probleme eingestehen.
(Foto: Bosch)
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Mittwoch, 23. Januar 2013, 10.00 Uhr
Ein schwieriges zweites Halbjahr hat den Gewinn von Bosch 2012 unter das Vorjahresniveau gedrückt. Das Geschäft mit Photovoltaik hat sich erneut als Milliardengrab erwiesen. Ein ähnliches Debakel bei den Antriebsbatterien will Bosch unbedingt umgehen.

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Stuttgart. Nach dem Rekordjahr 2011 ist Bosch im vergangenen Jahr bei Umsatz und Gewinn zurückgefallen: Bereinigt um Wechselkurseffekte hat das Unternehmen mit 52,3 Milliarden Euro 0,9 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. Nominal ist der Umsatz um 1,6 Prozent gestiegen. Die Rendite vor Steuern und Zinsen ist auf rund zwei Prozent gefallen, sagte der neue Bosch-Chef Volkmar Denner gestern bei der Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen in Stuttgart.

Damit musste Denner, der den Mischkonzern seit Mitte 2012 führt, einige strukturelle Probleme eingestehen. So wurde Bosch von der Konjunkturschwäche in Europa überproportional getroffen, weil die Gruppe hier nach wie vor mehr als die Hälfte ihres Umsatzes einfährt. Auch das überraschend schwache zweite Halbjahr belastete Bosch. "Der Markt für Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge schwächte sich im zweiten Halbjahr erheblich ab", sagte Denner. Das habe man so nicht erwartet.

Zudem geht das Debakel mit der Solarenergie weiter: Ein erneuter Preisverfall von Photovoltaik-Anlagen von 40 Prozent belastete das Ergebnis um mehr als einer Milliarde Euro. Nun sucht Denner nach einer Lösung und schließt dabei keine Option aus, auch nicht den Verkauf.

Im gesamten Unternehmen will der neue Chef nun die Fixkosten senken und setzt dazu auf kreative Vorschläge der Belegschaft. Auch wenn dies "schrittweise und möglichst sozialverträglich" geschehen soll, so Denner, müssen sich die Mitarbeiter vor allem in den Hochkostenstandorten in Westeuropa auf Sparmaßnahmen einstellen. Denn von der Konjunktur rechnet er 2013 nicht mit größerem Rückenwind. Dennoch strebt er eine "deutliche Ergebnisverbesserung" an. "Wir wollen finanziell unabhängig bleiben und Wachstum aus eigener Kraft finanzieren. Dazu ist eine Ebit-Rendite von acht Prozent erforderlich", sagte der Bosch-Chef.

Umsatz in der Kfz-Technik leicht gestiegen
Bereits im zweiten Halbjahr 2012 hat Bosch gegengesteuert, die Produktion gedrosselt, 6000 der 306.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und den geplanten Belegschaftsaufbau gebremst. Um bei den Antriebsbatterien ein ähnliches Debakel wie bei der Photovoltaik zu verhindern, wo die Preise wegen Überkapazitäten seit Jahren im freien Fall sind, hat sich Bosch aus dem Joint-Venture mit Samsung verabschiedet. "Ich bin froh, dass wir derzeit keine größere Produktion von Zellen für Antriebsbatterien haben", sagte Bernd Bohr, Chef der Autosparte. Derzeit gebe es Überkapazitäten von 100 Prozent, weil sich der anfängliche Elektro-Hype deutlich abgekühlt hat. Anders als von vielen Fachleuten und auch von Medien vorausgesagt, ist die Nachfrage nach Elektroautos sehr schleppend. Erst nach 2020 rechnet Bohr mit einem Boom bei Elektro- und Hybrid-Antrieben. Ab 2018 will der weltweit größte Auto-Zulieferer bei der Batterieproduktion wieder dabei sein.

In der Kfz-Technik, die mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht, stieg der Umsatz um 1,7 Prozent auf 30,9 Milliarden Euro. Das Industriegeschäft stagnierte bei acht Milliarden Euro, Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik wuchsen um 2,3 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Für Forschung und Entwicklung gab die Gruppe rund 4,5 Milliarden aus, nach 4,2 Milliarden Euro im Vorjahr.

Wachstumstreiber im Kfz-Bereich war die Benzindirekteinspritzung, mit der Bosch 1,2 Milliarden Euro umgesetzt hat. Der Rückgang bei den Dieseleinspritzungen für Nutzfahrzeuge, vor allem in China, erwies sich hingegen als Belastung.
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