Der Opel-Mutterkonzern General Motors erhöht den Druck auf die Arbeitnehmer: Sollte die Belegschaft nicht zu deutlichen Zugeständnissen bereit sein, werde das Werk Bochum schon Ende nächsten Jahres geschlossen. Steve Girsky, der Chef des Aufsichtsrats von Opel, setzte den Arbeitnehmern am Dienstag eine Frist bis Ende Februar für eine Einigung bei den laufenden Verhandlungen. Der Betriebsrat sprach von einem Erpressungsversuch.
Neuzulassungen in Europa im Januar 2013 nach Marken. Copyright: Jato Dynamics
Bochum. Das Aus für die Fahrzeugfertigung im Opelwerk in Bochum könnte schon zwei Jahre früher als erwartet kommen. Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky kündigte am Dienstag in einem Brief an die Mitarbeiter an, das die Produktion von kompletten Fahrzeugen schon Ende 2014 auslaufen könnte, wenn die Belegschaft nicht zu deutlichen Zugeständnissen bei den Verhandlungen mit der Opel-Führung bereit sei.Die Arbeitnehmervertreter sprachen von einer "Kriegserklärung" und einem "Erpressungsversuch." Bislang hatte Opel angekündigt, die Produktion in Bochum 2016 einzustellen. In dem Werk könnten bis zu 3000 Stellen wegfallen. "Wir werden uns selbstverständlich an den bestehenden Standortsicherungsvertrag halten. Dieser Vertrag läuft allerdings Ende 2014 aus. Die Zafira-Produktion in Bochum würde dann auch enden und zum 1. Januar 2015 würde die Fertigung in Bochum komplett eingestellt", erklärte Girsky in dem Brief, der auch der Automobilwoche vorliegt. Die Getriebefertigung in Bochum soll nach Angaben von Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug nun schon im laufenden Jahr 2013 eingestellt werden - und zwar ohne weitere Verhandlungen darüber.
Girsky: Die Situation ist nach wie vor katastrophal Als Grund für das Aus der Fahrzeugfertigung nennt Aufsichtsratschef Girsky den Absatzeinbruch der Marke. Opel ist ganz überwiegend von dem Markt in Europa abhängig."Die Situation auf dem gesamten europäischen Markt ist nach wie vor katastrophal; das ist eine schwierige Grundlage für die anstehenden Verhandlungen", so Girsky weiter in dem Brief. Alles deute darauf hin, dass der Markt in diesem Jahr weiter schrumpfe und noch unter das äußerst niedrige Niveau von 2012 falle. "Es ist nicht nur unrealistisch, sondern auch illusorisch, zu glauben, dass sich der Markt rasch erholt und uns aus dieser Situation hilft", schreibt Girsky weiter. Die Opel-Produktion müsse "noch deutlich flexibler werden, zum Beispiel im Bereich Engineering, und wir müssen die Kosten weiter reduzieren", fordert Girsky. "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Beitrag leisten. Solange wir Verluste erzielen, können wir uns beispielsweise keine Tariferhöhungen leisten. Was wir brauchen, sind weitere beträchtliche Einsparungen." Betriebsrat und Gewerkschaft würden die Sanierungspläne des Managements blockieren, beklagt sich der Aufsichtsratschef: "Immerhin sind wir bereits seit Juni vergangenen Jahres in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern über den Plan."
IG Metall spricht von "Kriegserklärung" Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel sprach von einer "Kriegserklärung" des Opel-Management. Bei den Verhandlungen seien die Fronten verhärtet. Man werde nun die gestundeten Tariferhöhungen einfordern. Einen Streik plane man aber vorerst nicht. Auch Gesamtbetriebsratschef Schäfer-Klug wies die ultimativen Forderungen von Girsky als "inakzeptabel" zurück. "Die Ursache der langen Verhandlungen liegt nicht an einer Blockadehaltung der Arbeitnehmerseite, sondern daran, dass die Geschäftsleitung über viele Monate nicht in der Lage war, substantielle Sicherheiten und Zukunftspläne für Opel und die Beschäftigten vorzulegen", erklärte Schäfer-Klug auch im Namen der IG Metall. Die Mitarbeiter von Opel akzeptierten kein dauerhaftes Unterschreiten des Flächentarifvertrages der Metall– und Elektroindustrie, betonte der Gewerkschafter. Die Mitarbeiter fordern eine Beschäftigungsgarantie über 2016 hinaus - als mehr als zwei Jahre länger als bislang vertraglich zugesichert. Es gehe um eine langfristige Komponentenstrategie, eine Sicherung der Entwicklungskompetenzen und der Beschäftigung im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum (ITZ) sowie auch um ein Fortbestehen der Werkstätten, des Prototypen– , des Werkzeug– und des Anlagenbaus, so Schäfer-Klug weiter.
Experte: Vorzeitiges Aus der Fertigung nicht ökonomisch Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete einen vorzeitigen Stopp der Fertigung in Bochum als ökonomisch nicht sinnvoll. Allein für eine Produktionsverlagerung des Auslaufmodells Zafira müsse Opel mit Kosten von bis zu 100 Millionen Euro rechnen. Dem Industriestandort Bochum droht unterdessen ein zweiter schwerer Schlag. Ende 2016 will der finnische Konzern Outokumpu seine Edelstahl-Produktion in der so genannten Flüssigphase schließen. Davon betroffen wären knapp 500 Mitarbeiter.
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In der Europäischen Union wurden im April knapp 1,04 Millionen Neuzulassungen registriert. Dies ist ein Zuwachs um 1,7 Prozent gegenüber April 2012 - und der erste Anstieg seit September 2011.
Im Bochumer Opel-Werk ruhte am Dienstag die Arbeit für mehrere Stunden die Arbeit, während die Beschäftigten an einer Informationsveranstaltung teilnahmen.
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