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VW-Chef zeigt Topmanagern neue Herausforderungen auf
VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn: Im Rahmen der Managementkonferenz zu Dresden ließ der Chefstratege des Wolfsburger Autoherstellers den Führungskräften unter anderem die elektrisch betriebene Version des Kleinwagens Up vorführen, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll. (Foto: Volkswagen)
Martin Winterkorn hat seine Führungskräfte über Schlüsselaufgaben bei der Umsetzung der Wachstumsstrategie von Volkswagen informiert. Auf der diesjährigen Managementkonferenz in Dresden mahnte der Konzernlenker unter anderem forcierte Anstrengungen rund um die Internationalisierung im Automobilgeschäft an. Zudem ließ "Wiko" den Teilnehmern künftige Modelle präsentieren, darunter die neue Passat-Reihe.
In Europa gelten aktuell und auch in Zukunft die strengsten CO2-Grenzwerte.
Hamburg. Wenige Tage vor Weihnachten hat VW-Konzernchef Martin Winterkorn die Führungskräfte der Kernmarke Volkswagen auf das kommende Jahr eingestimmt. Bei der Managementkonferenz in Dresden dankte Winterkorn am heutigen Donnerstag (20. 12.) überdies seinen Teams für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2012. An der Veranstaltung, die sich von 11.00 Uhr bis kurz nach 18.30 Uhr hinzog, hatten mehr als 2000 Angehörige des Top- und oberen Managements teilgenommen, darunter rund 200 Frauen. Zugegen waren auch rund 100 Meister sowie knapp 200 meist jüngere Vertreter des sogenannten Managementkreises. Nach der Begrüßung durch Gastgeber Horst Neumann, den Personalchef von VW, hatte Winterkorn im Rahmen seines ersten von zwei Auftritten zunächst das Jahr 2012 als hervorragend beschrieben und die Anstrengungen der VW-Mannschaft gelobt. Doch ließ "Wiko" zugleich wissen, dass 2013 seiner Einschätzung nach große Herausforderungen bringen werde. Im Anschluss sprach Vertriebsvorstand Christian Klingler über das Geschehen auf wichtigen VW-Absatzmärkten; Finanzexperte Arno Antlitz nahm Stellung zur gesamtwirtschaftlichen Lage, dem Geschäftsklimaindex und der Euro-Krise. Dabei wies Antlitz auch auf "verschobene Zyklen" hin: Trotz eines eigentlich prognostizierten Aufschwungs zeigten sich vielerorten plötzlich erhebliche Einbrüche der Nachfrage.
Interne Premiere für den nächsten Passat Im weiteren Verlauf brachte Volkswagen-Produktionschef Hubert Waltl die Teilnehmer unter anderem in Sachen Qualitätssicherung auf den neuesten Stand; Beschaffungsexperte Francisco Javier Garcia Sanz referierte etwa über Rohstoffpreise bei Kunststoffen und seltenen Erden. Personaler Horst Neumann wiederum rückte in seinem Vortrag das Top-100-Programm in den Mittelpunkt, bei dem VW erfahrene Manager gezielt und frühzeitig an die Seite ihrer designierten Nachfolger stellt, um etwa die Vermittlung von betrieblichem Wissen an künftige Ingenieurs-Generationen zu gewährleisten. Als ein Highlight des Managementtreffens beschreiben Augen- und Ohrenzeugen die Vorstellung kommender VW-Modelle. Zu diesem Zweck hatte das Unternehmen in der Mitte der Konferenzrunde eine Bühne montiert, die mit einer Fahrstrecke verbunden war. Auf dieser ließen Winterkorn und seine Kollegen aus der VW-Spitze unter anderem speziell für Märkte wie Indien und China entwickelte Autos zeigen, den kommenden E-Up und den E-Golf, Sondermodelle wie den Cross Caddy und den Scirocco mit großer Produktaufwertung. Für hohe Aufmerksamkeit sorgten zudem die Golf-VII-Derivate GTD, Plus und Variant. Auch die völlig neue Generation des für VW immens bedeutsamen Mittelklassewagens Passat als Limousine und Kombi wurde unter strengster Geheimhaltung bereits intern präsentiert.
Starke Abhängigkeit von Europa und China In seinem mit Spannung erwarteten Schlussvortrag erläuterte Chefstratege Martin Winterkorn drei seiner Ansicht nach zentrale Herausforderungen für VW. Zum einen müsse das Unternehmen die Internationalisierung weiter vorantreiben. Noch sei VW zu stark vom Geschäft in Europa und China abhängig. Dies gelte sowohl mit Blick auf die operativen Margen als auch beim verkauften Volumen. In verheißungsvollen Märkten wie den USA, Indien und Russland sei VW noch nicht prägnant genug aufgestellt. Als zweite wichtige Aufgabe nannte Winterkorn den Ausbau der Flexibilisierung. Mit dem modularen Querbaukasten habe VW nun die Grundlage für mehr Derivate geschaffen, die inskünftig auf wichtigen Einzelmärkten wie China angeboten werden können. Als drittes Top-Thema lag dem VW-Chef der Wissenstransfer am Herzen: Für den weiteren Erfolg des Fahrzeugherstellers sei es unerlässlich, vorhandenes Know-how zu erhalten und verlässlich an künftige Entscheider weiterzuleiten.
Spiel um das runde Leder als Lehrexempel In seinem Fazit blickte Winterkorn auf die erste Hälfte der Wegstrecke zurück, die VW bei seiner Wachstumsstrategie "Mach 18" bereits erfolgreich absolviert habe. Der zweite Teil bis 2018 werde sich alllerdings schwieriger gestalten. So müsse VW jetzt in zwei Richtungen achtgeben. Einerseits sei ein Angriff von schwachen Marken zu erwarten, die aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen in ihrer Not zu Dumping-Maßnahmen greifen und damit die Marktpreise für Autos allgemein unter Druck setzen könnten. Konferenzteilnehmer verstanden dies vor allem als Hinweis auf PSA, Fiat und Opel. Andererseits, so Winterkorn weiter, sei der japanische VW-Rivale Toyota wiedererstarkt; auch der koreanische Konkurrent Hyundai/ Kia zeige sich in guter Verfassung. Hier sei mithin höchste Wachsamkeit geboten. Zur Veranschaulichung seiner Mahnungen ließ "Wiko" in Dresden eigens Ausschnitte aus der jüngsten Fußball-Länderspielbegegnung Deutschland – Schweden einblenden. Zur Halbzeit hatte die Elf von Bundestrainer Joachim Löw Mitte Oktober im Berliner Olympiastadion mit 3:0 geführt – und wähnte sich spätestens nach einem weiteren Trefffer zum 4:0 schon als Sieger der Partie. Am Ende jedoch, nach einer fulminanten Aufholjagd der Skandinavier, musste sich die Mannschaft mit einem 4:4 begnügen. "Diesen unterhaltsamen Hinweis", so ein VW-Manager über den Video-Wink von Winterkorn, "konnte man wirklich nicht missverstehen".
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