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RAN an die Logistikkosten mit RFID und Vernetzung
RAN-Gesamtprojektleiter Oliver Czech: Bauteile und Komponenten sollen zwischen Lieferabruf und Eingang dank der neuen Technik nicht mehr in "schwarzen Löchern“ verschwinden. (Foto: Scholz)
Autor: Gerd Scholz
Freitag, 14. Dezember 2012, 15.04 Uhr
Erhebliche Einsparungen in Logistik und Produktion kann sich die Automobilindustrie von den Erkenntnissen des Forschungsprojekts RFID-based Automotive Network (RAN) erhoffen. Durch stabilere und transparentere Lieferketten könnten auf allen Stufen Sicherheitsbestände sowie die Zahl der Transportbehälter abgeschmolzen werden. Daimler etwa, einer von 18 RAN-Teilnehmern, will im ersten Schritt die Zahl seiner Ladungsträger von derzeit 20.000 um zehn Prozent reduzieren und allein damit Millioneneinsparungen erzielen.
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München. Bislang befanden sich Zulieferteile zwischen dem Lieferabruf und dem Eintreffen in einer Art "schwarzem Loch". Künftig ist eine sehr detaillierte Verfolgung möglich: Ladungsträger oder Teile werden mit RFID-Labels, den sogenannten RFID-Tags, versehen. Die darauf gespeicherten Informationen lassen sich berührungslos und automatisch über eine Distanz von mehreren Metern auslesen. Jedes Mal, wenn das Teil eine der automatischen Lesestationen passiert, wird es registriert. Die Daten fließen in einen sogenannten Infobroker, aus dem Kunde, Zulieferer oder Logistiker die Information bekommen, wo sich das Teil aktuell befindet. Wenn beispielsweise Motoren das Werk Untertürkheim Richtung USA verlassen, verlor Mercedes-Benz bislang die teuren Komponenten aus den Augen, bis sie im US-Werk Tuscaloosa auftauchen, erläutert Oliver Czech, RAN-Gesamtprojektleiter und Manager RFID-based Processes bei Daimler. Mit den im Rahmen von RAN entwickelten Lösungen ist das nun anders: Die Ladungsträger, in denen sich die Motoren befinden, sind mit RFID-Tags versehen. Und an jeder Station des Transports – beteiligt sind bis zu zehn Logistikstufen – werden die RFID-Labels automatisch und berührungslos ausgelesen. Die Daten werden dann in das IT-Herzstück des RAN-Projekts, den Infobroker, eingespeist – und Daimler ist stets aktuell informiert, wo die Motoren sich befinden. So wird es möglich, Sicherheitsbestände zu reduzieren, weil man sicher sein kann, beim Auftreten von Problemen auf dem Transportweg schneller gegensteuern zu können. Auch die Zahl der Ladungsträger im Umlauf soll durch mehr Transparenz sinken. Wird der Weg jedes Ladungsträgers nun per RFID und Infobroker genau nachverfolgbar, kann Daimler den Logistikpartnern "klar vorgeben, wie lange ein voller oder leerer Ladungsträger an einem bestimmten Ort stehen darf", erläutert Czech. Das erste Ziel ist hier die Reduzierung der Umlaufzeit um zehn Prozent auf 95 Tage, wodurch 2000 der 600 Euro teuren Ladungsträger eingespart werden könnten. Dieser Ansatz lässt sich natürlich auch auf kürzere Lieferketten von Tier-n-Zulieferern bis zum Automobilhersteller übertragen. Umgesetzt wurde das in sieben sogenannten Use Cases des RAN-Projekts mit verschiedenen Automobilherstellern, Zulieferern, Logistikern, IT-Unternehmen und Instituten. Beendet wird das insgesamt 46 Millionen Euro umfassende Projekt Ende 2012. Die Hälfte der Summe kam als Förderung von Bundeswirtschaftsministerium. Daher werden die Ergebnisse des Projekts 2013 veröffentlicht. Und ein neuer Arbeitskreis des VDA wird die im Rahmen des Projekts entwickelten RAN-Standards mit den VDA-Mitgliedern abstimmen. Daraus sollen dann VDA-Standards entstehen. Die Hoffnung ist, damit auch einen internationalen Standard setzen zu können.
RFID-Lesestation in der Stoßfängerfertigung: Werden die Bauteile frühzeitig mit RFID-Tags markiert, lässt sich nicht nur die Logistikkette, sondern auch die interne Produktionssteuerung optimieren. (Foto: Rehau)
System soll sich schrittweise etablieren Kernstück des RAN-Ansatzes ist der sogenannte Infobroker – ein Software-Gerüst, welches die Daten der RFID-Labels sammelt und auswertet. Die RFID-Technik dient lediglich als Werkzeug zur effizienten Datensammlung. Festgelegt wurden Standards für diesen Infobroker, auf deren Basis Unternehmen konkrete Software-Lösungen erarbeiten können. Die Standardisierung ist hierbei der entscheidende Punkt, damit alle Zulieferer und Hersteller beispielsweise die gleichen Datenstrukturen und Kennzeichnungen für bestimmte Objekte verwenden. Bosch beispielsweise hatte bereits seit 2008 eine Inhouse-RFID-Lösung zur Produktionssteuerung und -verfolgung, die allerdings nicht über das Werkstor hinausreichte, weil es keine Regeln für die unternehmensübergreifende Kommunikation gab. Mit den neuen Standards realisierte Bosch eine Informationskette, die vom Werk Homburg bis ans Band des Herstellers reicht. Mit dieser Lösung, so erläutert Andreas Müller, Projektleiter für RFID-Anwendungen in der Logistik bei Bosch, könne man genau erkennen, wann beispielsweise die gelieferten Dieselinjektoren am Band verbaut werden. Auch werde registriert, welches Bauteil sich in welchem Motor befindet. Etablieren soll sich die neue Logistik-Welt nun schrittweise. Daimler, Bosch und andere Projektpartner werden das neue System sukzessive in den eigenen Unternehmen einführen und sich damit fit machen für die Vernetzung mit Kunden, Zulieferern und Logistikern. Früher oder später werden sich die meisten Zulieferer in den ersten Stufen der Lieferkette mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Weil der RAN-Ansatz seine Vorteile nur entfalten kann, wenn sich möglichst viele Unternehmen der Lieferkette beteiligen, dürften die Automobilhersteller und Tier-1-Zulieferer Wert darauf legen, dass sich ihre Lieferanten in das System integrieren.
Kostengünstige Lösungen gefunden Was die Kosten angeht, bemühen sich RAN-Projektpartner aber um Entwarnung: Im Projekt sei es gelungen, die Standards so zu definieren, dass man in Gesprächen mit Hardware-Herstellern zu "kostengünstigen Lösungen" gekommen sein, betont Bosch-Manager Andreas Müller, die manchmal sogar günstiger seine als Barcode-Leser. Marzell Bandur, Direktor Supply Chain Planning des Projektpartners Opel, betont einen anderen Aspekt: In vielen Fällen seien für Zulieferer mit dem Einstieg in die Welt von RFID und Infobroker nicht nur Kosten verbunden. Wenn der Zulieferer das RFID-Tag nicht erst am Ende der Produktion auf seine Teile klebe, sondern direkt zu Beginn, könne er das System oft auch zu Verbesserungen in seiner Produktionssteuerung nutzen. Als Hürde für die breite Einführung der RAN-Ideen sieht Bandur eher den Aufwand für den Infobroker. Etwas günstiger dürfte es werden, wenn der Zulieferer diesen Service nach Art des Cloud Computing bei einem Dienstleister einkauft oder sich in den Infobroker eines Kunden oder Logistikers einklinkt.
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