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Autoindustrie sieht kein erhöhtes Risiko durch neues Kältemittel
Crash-Test bei Mercedes: Daimler hat das neue, umweltfreundlichere Kältemittel R1234yf einem im eigenen Haus entwickelten Test unterzogen.
(Foto: Euro NCAP)
Autor:
Matthias Krust
mkrust@craincom.de
Freitag, 14. Dezember 2012, 16.38 Uhr
Der weltweite Verband der Autoingenieure (SAE) hat das Kältemittel R1234yf einer erneuten Sicherheitsüberprüfung unterzogen: Die Mehrheit der 13 involvierten Hersteller halten die Chemikalie weiter für sicher. Daimler warnt dagegen vor einer erhöhten Brandgefahr und will das Mittel nicht mehr verwenden.

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Warrendale. Führende Autohersteller sehen keine erhöhtes Brandrisiko durch die Verwendung des neuen Klima-Kältemittels R-1234yf und gehen damit auf Distanz zur Daimler AG. Dies geht aus einer ersten Stellungnahme des weltweiten Verbands der Automobilingenieure (SAE) hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach sehe die Mehrheit der mit einer aktuellen Prüfung befassten Autohersteller kein Notwendigkeit, die Risikoeinschätzung zu ändern. Mit Ausnahme von Daimler habe kein Mitglied der Arbeitsgruppe Informationen eingebracht, die Sicherheitsbedenken aufwerfen würden, hieß es in der Pressemitteilung. In der SAE-Arbeitsgruppe haben 13 Autohersteller mitgewirkt. Neben Daimler waren das Audi, BMW, Fiat/Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Hyundai, Jaguar Land Rover, Mazda, PSA, Renault und Toyota.
"Diese vorläufige Einschätzung aus einer noch andauernden Untersuchung der SAE basiert hauptsächlich auf Annahmen und spiegelt nicht wieder, was unsere Tests reproduzierbar gezeigt haben. Hier hat sich R1234yf entflammt und es ist hochgiftiger Fluorwasserstoff entstanden", so ein Daimler-Sprecher auf Nachfrage der Automobilwoche. "Wir gehen deshalb von zusätzlichen Fahrzeugbränden mit schwersten Folgen für Insassen und Ersthelfer aus. Ein Einsatz dieses Mittels kommt daher auch weiterhin nicht für uns in Frage."
Daimler hat das neue, umweltfreundlichere Kältemittel R1234yf einem im eigenen Haus entwickelten Test unterzogen. Das sogenannte Real-Life-Prüfverfahren geht dem Unternehmen zufolge weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Dabei zeigte sich, das sich das bislang international als sicher eingestufte Mittel unter bestimmten Bedingungen entzünden kann. Zum Beispiel bei einem sehr schweren Frontalaufprall in Verbindung mit dem Bruch der Kältemittelleitung. Bei dem Test tritt das Kältemittel unter Hochdruck in der Nähe von heißen Teilen der Abgasanlage eines Versuchsfahrzeugs dynamisch aus. Während das Kältemittel unter vergleichbaren Laborbedingungen schwer zu entflammen ist, kann es sich laut Daimler in einem heißen Motorraum als zündfähig erweisen. Dagegen hätten vergleichbare Tests mit dem aktuell verwendeten Kältemittel R134a keine Entflammung ergeben.

Neuer Bericht im Februar
Nachdem die Stuttgarter diese Ergebnisse der Autoindustrie und den zuständigen Behörden im Oktober vorgelegt haben, hat die SAE eine Arbeitsgruppe (Cooperative Research Project CRP1234-4) zur neuen Bewertung der Faktenlage gebildet. Dazu ist der Pressemitteilung zufolge die existierende Fehlerbaumanalyse (FTA) erweitert worden, so dass alle neuen Erkenntnisse der Hersteller abgeprüft werden können. Mehrere Hersteller haben der SAE zufolge Testergebnisse zu ihren eigenen Fahrzeugen beigesteuert. Vor kurzem hat VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech dem Kältemittel indirekt eine Absage erteilt. "Das richtige Kältemittel ist CO2", sagte er in einem Interview. Offiziell hat sich VW noch nicht konkret zu dem Thema geäußert.
Die weltweiten Sicherheitsüberprüfungen und Zulassungen für das Kältemittel sind bereits 2009 abgeschlossen worden. Die als schwer entflammbar kategorisierte Chemikale hat alle gesetzlichen Hürden bestanden.
Die SAE-Arbeitsgruppe will sich in regelmäßigen Treffen und Konferenzschaltungen weiter mit dem Thema befassen und neue Erkenntnisse einarbeiten. Der nächste Bericht ist für Mitte Februar 2013 geplant. Die nun angestoßene neue Risikoabschätzung soll im zweiten Quartal 2013 abgeschlossen sein.

Altes Kältemittel ab 1. Januar 2013 in EU verboten
Die Europäische Union hat im Jahr 2006 eine Direktive erlassen, die in neuen Fahrzeug-Typen ab dem 1. Januar 2011 ein klimafreundlicheres Kältemittel vorschreibt als das bisher verwendete R134a. Konkret muss das Kältemittel ein Global Warming Potential (GWP) von unter 150 haben. R1234yf hat ein GWP von vier, während R134a auf 1430 kommt. Nach langem Gezerre und der Prüfung vieler Alternativen hat sich die internationale Autoindustrie schließlich auf die Fluorchemikalie R1234yf geeinigt. Sie erfüllt nicht nur die gesetzlichen Klimaauflagen, sondern kann als so genannte Drop-In-Lösung in bestehenden Klimanlagen eingesetzt werden, ohne dass diese sehr verändert werden müssten. Im Gegensatz dazu erfordert CO2 als Kältemittel die Entwicklung komplett neuer Anlagen.
Das neue Kältemittel R1234yf wird von den Chemieriesen DuPont und Honeywell exklusiv angeboten. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten hat die EU ein Moratorium für die Klimadirektive bis zum 1. Januar 2013 erlassen. Ab dann ist R134a verboten. Aufgrund der Sicherheitsbedenken lehnt Daimler R1234yf ab und will mangels Alternativen weiter das alte Mittel verwenden.
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