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Die USA sind wieder das Gelobte Land
Ford Pickup F-150 Es geht wieder flott voran auf dem nordamerikanischen Automarkt. 2013 könnte die 16-Millionen-Marke bei den Neuzulassungen geknackt werden.
(Foto: Ford)
Autor:
Michael Knauer
mknauer@craincom.de
Donnerstag, 13. Dezember 2012, 09.10 Uhr
Gerade einmal drei Jahre nach der schwersten Krise ihrer Geschichte läuft die Automobilindustrie in den USA, Kanada und in Mexiko auf Hochtouren. 2013 könnte im Hauptmarkt USA wieder die magische Grenze von 16 Millionen Neufahrzeugen überschritten werden - ein Volumen, bei dem die alten Haudegen der Branche feuchte Augen bekommen. Viele Hersteller beklagen sich bereits über zu geringe Produktionskapazitäten - und die Zulieferer freuen sich über nachlassenden Preisdruck.

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Detroit. Während sich die Autobranche in Europa auf ein knüppelhartes Jahr 2013 einstimmt, raufen sich die Manager der Autohersteller in den USA aus anderen Gründen die Haare: Ihre Produktionskapazitäten reichen zum Teil schon nicht mehr aus, um die rasant steigende Nachfrage zu befriedigen.
Gerade einmal drei Jahre nach der Insolvenz von General Motors und Chrysler und dem Absturz der US-Autoindustrie auf 8,7 Millionen Neuzulassungen im Jahr 2009 steht die Branche wieder unter Dampf. Im laufenden Jahr 2012 dürfte die Produktion in Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko) 15,3 Millionen Einheiten erreichen. Manche Branchenexperten erwarten für 2013 sogar die Durchbrechung der magischen Grenze von 16 Millionen Fahrzeugen. Das letzte Mal vor der großen Krise hatte die Branche diese Schwelle im Jahr 2007 überschritten, mit 16,1 Millionen Verkäufen.
Die Experten des Prognoseunternehmens Edmunds.com rechnen mit einem Verkaufsvolumen von knapp über 16 Millionen.  "Die Verbraucherstimmung ist gut", stellt Edmunds-Analyst Lacey Plache. fest - und damit ist das mit Abstand wichtigste Kriterium für ein gutes Autojahr in Nordamerika auch schon benannt. Das Beratungsunternehmen LMC Automotive aus Detroit erwartet für 2013 immerhin ein Produktionsvolumen von 15,8 Millionen Einheiten in Nordamerika.

Alles hängt vom Kampf gegen die Überschuldung des US-Budgets ab
Die Erholung der gesamten Branche könnte sogar noch stärker ausfallen, wenn die massive Verschuldung des US-Haushaltes zumindest eingedämmt werden könne, erwartet man bei Edmunds. "Fast alle Unternehmen sitzen auf Tonnen von Geld und warten ab. Sie stellen noch nicht neu ein und investieren noch nicht, weil sie nicht wissen, was die Regierung unternimmt," sagt Analyst Plache.
Wenn es aber klare Signale in Richtung Haushaltssanierung gebe, dann werde es mehr neue Jobs geben und die bestehenden Jobs würden sicherer - gute Voraussetzungen für das Automobilgeschäft.
Für die Branche sind selbst die aktuell 15,3 Millionen Verkäufe ein Segen - denn anders als noch vor drei Jahren ist die durchschnittliche Gewinnschwelle in der US-Autoindustrie durch den massiven Kapazitätsabbau der vergangenen Jahre deutlich nach unten gerutscht. Während die Branche 2007 noch mindestens 14 Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkaufen musste, um zumindest kein Geld zu verlieren, ist dieser Break-Even-Punkt inzwischen auf elf bis zwölf Millionen Neuzulassungen gefallen, schätzt Mark Reuss, Chef von General Motors im Hauptmarkt Nordamerika. Jedes Auto, das darüber hinaus verkauft wird, sorgt inzwischen für mehr Cash Flow und mehr Möglichkeiten, in neue Technolgien und Modelle zu investieren. Die Autobranche in den USA wird derzeit mit jedem Monat stärker.

Wirbelsturm Sandy sorgt für Nachholbedarf
Ironischerweise hat auch der Super-Wirbelsturm Sandy, der im Oktober über weite Gebiete im Osten der USA fegte, die Verbraucherstimmung angeheizt. Denn rund 100.000 Fahrzeuge wurden durch den Sturm zerstört oder stark beschädigt - und diese Fahrzeuge werden derzeit meist durch neue Autos ersetzt.
Hinzu kommt die Tatsache, dass das Durchschnittsalter des US-Fahrzeugbestand inzwischen auf elf Jahre und damit auf das höchste jemals verzeichnete Alter geklettert ist - der Ersatzbedarf steigt somit jeden Monat.
Darüber hinaus stehen derzeit besonders viele Neuheiten zahlreicher Hersteller in den Showrooms, außerdem treiben rund 50 Neuvorstellungen bei der jüngsten Motorshow in Los Angeles und noch ein paar mehr bei der bevorstehenden Messe im Januar in Detroit die Begehrlichkeiten voran.
Dies alles sorgte im November für einen regelrechten Boom in den Autohäusern. Der Gesamtabsatz stieg auf 570.668 Einheiten nach 467.206 Fahrzeugen im Vorjahresmonat. Aufsummiert ergibt sich damit per Ende November ein Verkaufsvolumen von 6,82 Millionen Fahrzeugen im Vergleich zu 5,77 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Die Hersteller profitieren von diesem Plus doppelt, da sie die zuletzt deutlich gestiegenen Rabatte wieder abbremsen konnten. Im November stieg das Rabattniveau im Vergleich zum Vorjahresmonat nur noch um 4,4 Prozent nach 19,3 Prozent im Oktober. Chrysler gelang es sogar, die Incentives um satte 22 Prozent zu drücken. Der einst schwer angeschlagene Autobauer steigerte in den vergangenen zweieinhalb Jahren sein Verkaufsvolumen von Monat zu Monat.
Blendend läuft es aber auch für andere Hersteller: So verzeichnete Volkswagen im November seinen besten Monat seit 40 Jahren, für Porsche war es der beste Monat seit dem Verkaufsstart in Nordamerika überhaupt. Ebenfalls Spitzenwerte führen Infiniti und Nissan ein. Selbst die koreanischen Autobauer, die im Oktober noch unter ihren falschen Angaben über einen angeblich besonders niedrigen Spritverbrauch gelitten hatten, verzeichneten ein Plus von acht Prozent.

VW-Fertigung im Werk Chattanooga Der Monat November war der beste für VW in Nordamerika seit 40 Jahren. Auf dem Foto vom Februar 2012 wird die Auslieferung des 50.000sten US-Passat gefeiert.
(Foto: Volkswagen)
VW-Werke produzieren mit 145 Prozent Auslastung
Wegen der hohen Nachfrage und der bislang noch nicht umfassend gesteigerten Kapazitäten sorgen sich die Hersteller inzwischen um die Teileversorgung. Vor allem Reifen, Schmiedeteile und präzisionsgefertigte Komponenten gelten derzeit als knappe Güter.
Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung in der Fertigung der Autohersteller lag nach Angaben des Analyseunternehmens WardsAuto im dritten Quartal des Jahres bei sagenhaften 93,5 Prozent - dem höchsten Wert seit dem Beginn der Aufzeichnung dieses Indikators im Jahr 2005. Die Produktion von Ford in den USA läuft derzeit mit 112 Prozent und die Volkswagen-Werke in Chattanooga, und im mexikanischen Puebla liegen WardsAuto zufolge mit 145 Prozent am absoluten Anschlag. Chrysler kommt demnach immerhin noch auf beachtliche 94,4 Prozent Kapazitätsauslastung, Toyota auf 88,7 Prozent.
Viele Zulieferer haben ihre Fertigungslinien inzwischen zwar auf drei Schichten ausgeweitet - doch in neue Linien haben sie bisher von wenigen Ausnahmen abgesehen noch nicht und wer genau hinsieht entdeckt, dass vielfach die dritten Schichten mit Zeitarbeitern gefüllt wurden und nicht mit regulär beschäftigten Mitarbeitern.
Zum einen ist die Krise von 2009 noch vielen in Erinnerung, zum anderen trauen die meisten Führungskräfte dem Konjunkturaufschwung noch nicht ganz. Während der Branchenkrise zwischen 2009 und 2011 mussten in Nordamerika 62 große Zulieferer Insolvenz anmelden, rund 40 Prozent der Belegschaften der Zuliefererbranche wurden damals entlassen. Und trotz der guten Nachfragesituation liegt die Kapaziätsauslastung der Zulieferer mit 80 Prozent noch deutlich unter der der Hersteller.
Da wundert die aktuelle Vorsicht der Lieferanten nicht. "Unsere Leute bereiten sich auf inkrementielle Zuwächse vor, aber zugleich müssen sie sich auch auf leichte Rückschläge vorbereiten", sagt Dave Andrea, Chefvolkswirt beim US-Verband der Automobilzuliefer von Originalteilen (OESA). Wirklich eng könne es aber ab 2014 werden, wenn eine historisch noch nie dagewese Anzahl neuer Automodelle auf den nordamerikanischen Markt komme. Dann sei wohl der Zeitpunkt für Investitionen auch bei den Zulieferern gekommen.
Die Hersteller bauen dagegen ihre Kapazitäten deutlich schneller aus - allerdings mit dem klaren Schwerpunkt Mexiko. Dort dürfte nach Prognosen von WardsAuto die aktuelle Jahreskapazität von 2,6 Millionen Einheiten auf 3,2 Millionen im Jahr 2015 und auf 3,5 Millionen 2017 steigen. Viele Hersteller planen neue Werke in Mexiko neben Audi in San José Chiapa haben jüngst auch Honda, Nissan und Mazda Neubaupläne bekanntgegeben.
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