Der Stuttgarter Autozulieferer hat alle Bereiche rund um die Lithium-Ionen-Batterie unter dem Dach der hundertprozentigen Tochter Robert Bosch Battery Systems zusammengefasst und die künftige Zusammenarbeit mit dem alten Partner Samsung neu geregelt.
In Europa gelten aktuell und auch in Zukunft die strengsten CO2-Grenzwerte.
Stuttgart. Nach der Trennung vom koreanischen Partner Samsung SDI hat Bosch seine Aktivitäten rund um die Lithium-Ionen-Batterie neu ausgerichtet. Alle bestehenden Aufträge für Batteriesysteme seien von Bosch übernommen worden, teilte der Stuttgarter Automobilzulieferer am Donnerstag mit. Samsung SDI sei weiter als Lieferant für die Batteriezellen vorgesehen. Bosch könne aber auch Zellen anderer Unternehmen verwenden. Das erste Fahrzeug, das mit einer Lithium-Ionen-Batterie von Bosch und dem ehemaligen Partner in Serie geht, ist der vollelektrische Fiat 500e, der im nächsten Jahr in den USA auf den Markt gebracht wird. Weiterer Kunde ist BMW für die Elektrofahrzeuge BMW i. Das erste Fahrzeug, der i3, kommt Ende 2013. Zur Neuordnung des Geschäfts um die Lithium-Ionen-Traktionsbatterie gehört auch die Integration aller früherer Geschäftseinheiten unter dem Dach der hundertprozentigen Tochter Robert Bosch Battery Systems. Das sind die SB LiMotive Germany GmbH in Stuttgart und die Cobasys LLC mit Sitz in Orion, USA. Im Rahmen der weiteren Kooperation haben die beiden ehemaligen Joint-Venture-Partner Bosch und Samsung den gegenseitigen Zugang zu den Patenten vereinbart. Auf dieser Basis will Bosch neue Generationen von Zellen und Fertigungsverfahren für leistungsfähige und wirtschaftliche Energiespeicher entwickeln. Aktuell konzentrieren sich die Stuttgarter auf das Batteriesystem und das Batteriemanagement sowie die Abstimmung des Speichers mit dem Gesamtfahrzeug. Der Elektro-Smart von Daimler verfügt beispielsweise über ein Batteriemanagementsystem von Bosch. Die Batterie baut der Stuttgarter Autohersteller selbst: Sie wird im Joint Venture mit dem Mischkonzern Evonik im sächsischen Kamenz gefertigt. Bosch hat nach monatelangen Differenzen mit Samsung SDI die gemeinsamen Lithium-Ionen-Aktivitäten im September offiziell beendet. Auslöser waren die unterschiedlichen Produkt- und Investitionszyklen in der Konsumer- und Autobranche. Damit ist ein nach langer Suche eingefädeltes strategisches Bündnis zerbrochen. Die Koreaner produzieren Lithium-Ionen-Zellen und -Batterien für den Konsumerbereich, etwa Handys. Im Jahr 2008 war das paritätische Joint Venture SB LiMotive gegründet worden. Gestartet wurde zunächst eine Fabrik im koreanischen Ulsan, später sollte ein Fertigungsstandort in Europa dazukommen. Die Joint-Venture-Partnter wollten ursprünglich bis 2013 gemeinsam 500 Millionen US-Dollar investiert haben. Bis 2015 sollte die Kapazität in Ulsan ausreichen, um jährlich 180.000 Elektrofahrzeuge auszustatten.
Mehr Zeit für Schaffung neuer Strukturen Nachdem Elektrofahrzeuge den Durchbruch zu nennenswerte Stückzahlen bislang nicht geschafft haben und Experten aufgrund der hohen Kosten vor 2020 auch kaum mit einer rasanten Belebung der Nachfrage rechnen, will sich Bosch nun mehr Zeit nehmen, um das Batteriegeschäft neu zu entwickeln. Ziel ist es, die Forschung und Entwicklung von leistungsfähigen Speicherzellen in Deutschland zu etablieren und ein europäisches Spezialisten- und Lieferantennetzwerk zu knüpfen. Dies ist den Stuttgartern zufolge der ausdrückliche Wunsch der europäischen Fahrzeugindustrie, die unabhängiger von asiatischen Batterielieferanten werden will. Dazu strebt Bosch eine enge Kooperation mit spezialisierten Partnern aus der Industrie und den Hochschulen an. Der Zulieferer investiert 400 Millionen Euro pro Jahr in die Elektromobilität. Ingesamt beschäftigt Bosch in diesem Bereich 1100 Mitarbeiter, inklusive der 500 Batteriespezialisten in Deutschland, den USA und China.
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