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Über die deutsche Medien- und Autokrise

Autor:

greinking@craincom.de
Guido Reinking ist seit 2006 Chefredakteur der Automobilwoche. Der Diplom-Politologe und Volkswirt arbeitete zuvor bei „Bild am Sonntag“, „Welt am Sonntag“ und der „Financial Times Deutschland“. Auch sein Hobby hat mit Autos zu tun: Oldtimer.

Die Financial Times Deutschland, bei der ich sechs Jahre lang als Korrespondent für die Automobilindustrie gearbeitet habe, ist Geschichte. Sie ist mit einer sehenswerten Schlussausgabe erschienen. Um viele Freunde und Kollegen der FTD-Redaktion tut es mir leid. Die meisten von ihnen werden schwerlich schnell wieder einen Job als Journalisten finden. Denn auch andere Blätter, wie FAZ, Spiegel, Handelsblatt und Süddeutsche, haben Einstellungsstops oder arbeiten ihrerseits an Sparprogrammen, weil sie in den roten Zahlen stecken.

Bei einzelnen Kollegen bedauere ich das besonders. Die Berichterstattung über die Automobilindustrie hatte in den vergangenen Monate ein Niveau erreicht, das man nur als exzellent bezeichnen kann. Dass Karl-Thomas Neumann als Opel-Chef im Gespräch ist, konnte man zuerst in der FTD lesen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Für das redaktionelle Konzept der FTD jedoch hält sich mein Mitleid in Grenzen. Aus folgenden Gründen: Zunächst mal hat die FTD einen Journalismus mit begründet, der krampfhaft das Haar in der Suppe sucht. Die Grundtendenz der meisten Berichte war die Skandalisierung. Dass ein Unternehmen oder Manager alles richtig macht, das durfte einfach nicht wahr sein. Also wurde in der Bilanz geforscht, bei Analysten oder Professoren nachgehakt, bis sich endlich ein dunkler Fleck auf der weißen Weste fand. Viele Redaktionen in Deutschland haben diesen Ansatz kopiert, am schlimmsten die Süddeutsche. Und ich habe mich davon leider auch das eine oder andere Mal anstecken lassen.


Medien in der Krise

Die Medien stecken fraglos in einer Krise. Diese Krise erinnert an die der deutschen Automobilindustrie in den 80er und 90er Jahren. Damals ging man davon aus, dass die japanischen Autobauer ihre deutschen Konkurrenten an die Wand drücken würden. Zu überlegen waren Produktivität und Qualitätsmanagement von Toyota und Co. Bei den Medien wird vermutet, das Internet werde den Zeitungen und Zeitschriften den Garaus machen. Ersteres war falsch. Die Japaner stecken heute selbst in der Krise. Zweiteres ist falsch: Das Internet wird die Printmedien nicht zerstören, so wenig wie das Fernsehen das Kino zerstört hat, oder das Auto das Ende der Eisenbahn war.

Ausgedient hat über kurz oder lang die Tageszeitung als Überbringer von Nachrichten. Es macht einfach keinen Sinn, zwölf Stunden alte News auf bedrucktem Papier an den Frühstückstisch zu liefern, die man oft bereits am Vortag im Internet gelesen hat. Wozu man Printmedien, ob sie nur auf bedrucktem Papier oder bei E-Paper im Internet erscheinen, heute dringender denn je braucht: Die Nachrichtenflut des Internet zu sortieren, zu filtern, einzuordnen und zu kommentieren. Eine Redaktion muss sich jeden Tag aufs neue die Frage stellen: Welche der Informationen brauchen unsere Leser? Was müssen sie wissen, im ihren Job zu machen, eine Wahlentscheidung zu treffen, gut durchs Leben zu kommen. Medien, die auf solche Fragen eine Antwort geben, werden dringender denn je gebraucht.

Auch die Redaktion der Automobilwoche stellt sich diese Fragen immer wieder. Unsere Antworten lesen Sie auf dieser neuen Website, seit zwei Wochen auch per E-Paper auf ihrem iPhone oder iPad und bald vielleicht noch auf anderen Kanälen.

Sie können uns dabei helfen: Wenn Sie Fragen haben, Anregungen oder Kritik, scheuen Sie sich nicht, uns zu kontaktieren.

redaktion@automobilwoche.de

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