Benutzeranmeldung:
Aktuelle Meinung:

Blog: ber die deutsche Medien- und Autokrise

Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Guido Reinking ist seit 2006 Chefredakteur der Automobilwoche. Der Diplom-Politologe und Volkswirt arbeitete zuvor bei „Bild am Sonntag“, „Welt am Sonntag“ und der „Financial Times Deutschland“. Auch sein Hobby hat mit Autos zu tun: Oldtimer.
Donnerstag, 13. Dezember 2012, 15.00 Uhr

Die Financial Times Deutschland, bei der ich sechs Jahre lang als Korrespondent fr die Automobilindustrie gearbeitet habe, ist Geschichte. Sie ist mit einer sehenswerten Schlussausgabe erschienen. Um viele Freunde und Kollegen der FTD-Redaktion tut es mir leid. Die meisten von ihnen werden schwerlich schnell wieder einen Job als Journalisten finden. Denn auch andere Bltter, wie FAZ, Spiegel, Handelsblatt und Sddeutsche, haben Einstellungsstops oder arbeiten ihrerseits an Sparprogrammen, weil sie in den roten Zahlen stecken.

Bei einzelnen Kollegen bedauere ich das besonders. Die Berichterstattung ber die Automobilindustrie hatte in den vergangenen Monate ein Niveau erreicht, das man nur als exzellent bezeichnen kann. Dass Karl-Thomas Neumann als Opel-Chef im Gesprch ist, konnte man zuerst in der FTD lesen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Fr das redaktionelle Konzept der FTD jedoch hlt sich mein Mitleid in Grenzen. Aus folgenden Grnden: Zunchst mal hat die FTD einen Journalismus mit begrndet, der krampfhaft das Haar in der Suppe sucht. Die Grundtendenz der meisten Berichte war die Skandalisierung. Dass ein Unternehmen oder Manager alles richtig macht, das durfte einfach nicht wahr sein. Also wurde in der Bilanz geforscht, bei Analysten oder Professoren nachgehakt, bis sich endlich ein dunkler Fleck auf der weien Weste fand. Viele Redaktionen in Deutschland haben diesen Ansatz kopiert, am schlimmsten die Sddeutsche. Und ich habe mich davon leider auch das eine oder andere Mal anstecken lassen.


Medien in der Krise

Die Medien stecken fraglos in einer Krise. Diese Krise erinnert an die der deutschen Automobilindustrie in den 80er und 90er Jahren. Damals ging man davon aus, dass die japanischen Autobauer ihre deutschen Konkurrenten an die Wand drcken wrden. Zu berlegen waren Produktivitt und Qualittsmanagement von Toyota und Co. Bei den Medien wird vermutet, das Internet werde den Zeitungen und Zeitschriften den Garaus machen. Ersteres war falsch. Die Japaner stecken heute selbst in der Krise. Zweiteres ist falsch: Das Internet wird die Printmedien nicht zerstren, so wenig wie das Fernsehen das Kino zerstrt hat, oder das Auto das Ende der Eisenbahn war.

Ausgedient hat ber kurz oder lang die Tageszeitung als berbringer von Nachrichten. Es macht einfach keinen Sinn, zwlf Stunden alte News auf bedrucktem Papier an den Frhstckstisch zu liefern, die man oft bereits am Vortag im Internet gelesen hat. Wozu man Printmedien, ob sie nur auf bedrucktem Papier oder bei E-Paper im Internet erscheinen, heute dringender denn je braucht: Die Nachrichtenflut des Internet zu sortieren, zu filtern, einzuordnen und zu kommentieren. Eine Redaktion muss sich jeden Tag aufs neue die Frage stellen: Welche der Informationen brauchen unsere Leser? Was mssen sie wissen, im ihren Job zu machen, eine Wahlentscheidung zu treffen, gut durchs Leben zu kommen. Medien, die auf solche Fragen eine Antwort geben, werden dringender denn je gebraucht.

Auch die Redaktion der Automobilwoche stellt sich diese Fragen immer wieder. Unsere Antworten lesen Sie auf dieser neuen Website, seit zwei Wochen auch per E-Paper auf ihrem iPhone oder iPad und bald vielleicht noch auf anderen Kanlen.

Sie knnen uns dabei helfen: Wenn Sie Fragen haben, Anregungen oder Kritik, scheuen Sie sich nicht, uns zu kontaktieren.

redaktion@automobilwoche.de

Kommentare zum Artikel:
Das knnte Sie auch interessieren:
Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
4255
Zugriffe
Im Juni kehrt der Entwicklungsexperte an die Spitze der Luxuslabel des Fahrzeugherstellers zurck. Der jetzige Inhaber beider mter ist fr eine neue Position bei VW vorgesehen.
3435
Zugriffe
BMW lsst mehr Exemplare des Elektroautos i3 von den Bndern rollen. Ein Grund ist der bevorstehende Verkaufsstart im potenziell wichtigsten Absatzmarkt.
3105
Zugriffe
Wegen der Rckruf-Serie entlsst GM zwei Manager. Fr einen von ihnen ist bereits ein Nachfolger gefunden.
2357
Zugriffe
Die Trendwende am europischen Neuwagenmarkt scheint nach sieben Monaten im Plus vollzogen. Doch Analysten warnen in weiten Teilen sei das Wachstum knstlich.
1819
Zugriffe
Auf der Automesse in Peking hat der Denza seine Weltpremiere. Das Elektroauto von Daimler und seinem China-Partner BYD verspricht 300 Kilometer Reichweite. Kommt die Elektromobilitt im Reich der Mitte damit in Fahrt?
1680
Zugriffe
Bei Continental steht ein Wechsel an der Spitze des Personalressorts bevor. Wie das "Manager-Magazin" berichtet, soll Elke Strathmann sptestens Anfang 2015 durch eine Bentley-Managerin ersetzt werden.
1659
Zugriffe
Das Sondermodell Polo Fresh ist Star der Kampagne, mit der Volkswagen seit dem 16. April die Markteinfhrung des neuen Polo begleitet.
1546
Zugriffe
Der 50-Jhrige Olivier Gaudefroy steht ab dem 18. April an der Spitze der Renault Deutschland AG. Zuletzt war er Generaldirektor fr sterreich und die Schweiz.
1348
Zugriffe
Die EU mchte den automatischen Notruf fr Autos ab Oktober 2015 zur Pflicht machen. Einen gemeinsamen Standard haben die Hersteller bislang nicht gefunden.
1340
Zugriffe
Die Mitarbeiter von ZF Friedrichshafen erhalten fr das Jahr 2013 eine Prmie, deren Hhe sich an zwei Faktoren orientiert.