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Erfolge und Pleiten
Screenshot der Automobilwoche-Website: Im vergangenen Jahr ist viel passiert.
(Foto: Automobilwoche)
Autor:
Stefan Wimmelbücker
swimmelbuecker@craincom.de
Montag, 10. Dezember 2012, 00.03 Uhr
Im Jahr 2012 ist viel passiert in der automobilen Welt. Rückblick auf ein turbulentes Jahr.

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München. Das vergangene Jahr war ein Jahr der Extreme: Immer neue Rekordmeldungen einiger Hersteller wechselten sich ab mit Schreckensnachrichten von anderen Größen der Branche. Während einige Konzerne, wie Volkswagen und BMW, ihre Erfolge feierten, kämpften Konkurrenten wie Opel, PSA und Fiat mit Überkapazitäten und Schulden.
Auch Streit gab es mehr als genug: Sergio Marchionne warf Volkswagen vor, seine Marktanteile durch aggressive Rabattpolitik ausbauen zu wollen und ein "Blutbad" anzurichten. Ferdinand Piech schaffte es mit bisher selten gezeigtem Humor, eine Gruppe von Umweltschützern von der VW-Hauptsammlung zu verbannen, und Burkhard Weller, Gründer und Chef der gleichnamigen Autohandelsgruppe, stritt sich in aller Öffentlichkeit mit dem bekannten Autowirtschafts-Professor Ferdinand Dudenhöffer über dessen Rabattstudien.
Über all das und noch viel mehr hat automobilwoche.de in diesem Jahr berichtet. Unsere zahlreichen Leser haben die lustigen Werbefilme zum Super Bowl genossen und mit Schrecken die Meldung über den Schlaganfall von Stefan Jacoby gelesen. Hier haben wir die Artikel aus dem vergangenen Jahr zusammengestellt, die in den jeweiligen Monaten die meisten Leser gefunden haben. Besonders begehrt waren immer die Personalmeldungen, und auch davon hatte 2012 einige zu bieten: Den überraschenden Rücktritt von Karl-Friedrich Stracke, die langen Spekulationen um seine Nachfolge, die Kündigung von Thomas Bauch als Peugeot-Deutschland-Chef, die Ablösung von Stefan Jacoby als Volvo-CEO und natürlich das große Personalkarussell bei Volkswagen im Sommer, das Jochem Heizmann zum China-Vorstand erhob, Wolfgang Dürheimer das Amt des Entwicklungsvorstands von Audi einbrachte und Karl-Thomas Neumann, der schon als potenzieller Nachfolger für Konzernchef Winterkorn gehandelt worden war, den Job als China-Chef kostete.
Die Autobranche befindet sich nach wie vor im Umbruch und auf den europäischen Märkten ist in den kommenden Jahren keine Besserung in Sicht – wohl denen, die rechtzeitig weitere Standbeine aufgebaut haben und jetzt von sprudelnden Gewinnen in Wachstumsmärkten wie China profitieren können. Doch auch eine internationale Aufstellung schützt nicht vor Verlusten und Werksschließungen: Ford hat als erster, aber wohl nicht letzter Hersteller den radikalen Schnitt in Europa gewagt und das Aus für drei Werke verkündet. Bisher sind keine Konkurrenten diesem Beispiel gefolgt – aber wenn, wird automobilwoche.de selbstverständlich sofort darüber berichten. Auch im kommenden Jahr werden wir wieder aktuell, kompetent und sachlich über alles berichten, was die Autobranche bewegt.



Januar
Im Januar kündigte Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt an, dass BMW in den USA einen X4 bauen wird. 900 Millionen Euro sollten in den Ausbau des Werks Spartanburg investiert werden, 300 neue Arbeitsplätze sollten bis Endes des Jahres entstehen.
PSA-Markenchef Jean-Marc Gales muss seinen Platz für Frederic Saint-Geours, den bisherigen Finanzchef, räumen. Gales übernahm den Vorsitz des Europäischen Automobil-Zuliefererverbands CLEPA. Saint-Geours war bereits von 1997 bis 2007 CEO von Peugeot.
Der damalige Bosch-Chef Franz Fehrenbach konnte im Januar zwar eine Umsatzsteigerung um 8,8 Prozent im Jahr 2011 verkünden, musste aber einräumen, dass sein Konzern die Zielrendite verfehlt hatte.

Februar
Mit einem lustigen Spot über einen Hund, der abnimmt, um durch die Katzenklappen zu passen und hinter einem Beetle herlaufen zu können, punktete VW beim Super Bowl, dem Endspiel um die amerikanische Football-Meisterschaft.
Chevrolet hingegen verärgerte beim Super Bowl seinen Konkurrenten Ford, denn "Dave" hatte den im Spot dargestellten Weltuntergang leider nicht überlebt, wie einer der Überlebenden mit traurigem Gesicht mitteilte: "Dave fuhr einen Ford". Ford fand das gar nicht lustig. Ebenso wenig begeistert zeigte sich der deutsche Bauernverband über die Mercedes-Anzeige für die neue M-Klasse mit dem Text "Mehr als 200 Pferde und weniger Emissionen als eine Kuh".
GM-Finanzchef Dan Ammann stellte klar, dass Opel überall auf der Welt Autos verkaufen dürfe - "wenn es sich rechnet". Berichte, die Konzernmutter behindere die Expansionspläne der deutschen Tochter, wies Ammann zurück.

März
Audi erzielte 2011 nicht nur Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Ertrag, sondern legte 2011 auch so stark zu wie noch in keinem anderen  Jahr. 1,3 Millionen Auslieferungen bedeuteten ein Plus von 19,2 Prozent.
Eine Frau als Personalchefin, ein neues Ressort für Mini, Rolls-Royce und Motorrad sowie ein Postentasuch zwischen Einkaufs- und Entwicklungschef – das alles verkündete BMW überraschend kurz vor seiner Bilanz-PK.
Ende des Monats mussten die Bayern dann weltweit mehr als eine Million Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. Grund war eine Kabelabdeckung, die zu einem Brand führen konnte.

April
Auf der Hauptversammlung des VW-Konzerns zeigte sich Aufsichtsratschef Ferdinand Piech von einer unbekannten Seite: Bei der Diskussion mit Greenpeace-Aktivisten bewies der Patriarch Humor und Schlagfertigkeit und brachte die versammelten Aktionäre mehrfach zum Lachen.
Die deutschen Autobauer haben im März hervorragende Ergebnisse erzielt. Für Daimler war es gar der erfolgreichste Verkaufsmonat seiner Geschichte.
Nachdem Gerüchte über den Ausstieg des Großaktionärs Abu Dhabi aufkamen (die sich im Jahresverlauf bestätigten) bereitete Mercedes sich auf die Schwaben die Abwehr einer denkbaren feindlichen Übernahme vor.

Mai
Mazda und Fiat haben die Absicht, gemeinsam Roadster zu bauen. Die Modelle sollen auf dem kommenden MX-5 basieren, also Hinterradantrieb haben. Auch die Alfa-Modelle sollen ab 2015 bei Mazda in Hiroshima vom Band laufen, sich aber optisch klar von seinem japanischen Konkurrenten unterscheiden.
Mercedes strukturiert das Vorstandressort Forschung und Entwicklung um und will sich stärker als vorher in den Themen Alternative Antriebe und Anschlußmöglichkeiten für Infotainment-Systeme auseinander setzen.
Der Preiskampf auf dem deutschen Automarkt ist im Mai erneut gestiegen und hat seinen Rekordstand aus dem März wieder erreicht. Das erklärte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vor allem mit den hohen Nachlässen auf VW-Modelle. Diese Meldung gewinnt vor allem mit Blick auf spätere Entwicklungen ("Blutbad"-Vorwurf, Weller-Brief) an Brisanz.

Juni
VW-Chef Winterkorn hat in einer groß angelegten Personalrochade wichtige Schaltstellen neu besetzt. Wichtigste Veränderung war die Schaffung eines Vorstandsressorts für China, die mit Jochem Heizmann besetzt wurde, was dann später den Abgang von VW-China-Chef Karl-Thomas Neumann zur Folge haben sollte. Diese Meldung war übrigens nicht nur die meistgelesene Geschichte im Juni, sondern auch mit Abstand der am häufigsten angeklickte Artikel des ganzen Jahres.
Wenige Monate nach dem Start scheiterte das zur Entwicklung von Elektrofahrzeugen gegründete Joint Venture, wegen der neuen, weitreichenden Allianz zwischen PSA und dem amerikanischen GM-Konzern.
Mit der neuen Sparte Energie- und Gebäudetechnik will der weltgrößte Zulieferer Bosch seine Abhängigkeit vom Automobilgeschäft weiter verringern.

Juli
Der Kleinserienhersteller Artega musste Insolvenzantrag stellen, nachdem der geplante Verkauf an einen Investor in letzter Minute gescheitert war. Gründer Klaus Dieter Drers erhob schwere Vorwürfe gegen die Eigentümer.
Überraschend trat Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke zurück. Seine Amtszeit war damit noch kürzer als die von Bundespräsident Wulff. Zugleich gab er sein Amt als Präsident von GM Europe auf. Da Stracke unmittelbar nach einem Gespräch mit GM-Chef Akerson zurücktrat, wirkte es skurril, dass ihn dieser in den höchsten Tönen lobte. Stracke war erst im April 2011, also seit 14 Monaten, Chef des angeschlagenen Autobauers.
Der designierte Designchef der Rüsselsheimer, Dave Lyon, trat seinen Posten gar nicht erst an. Gründe wurde zwar offiziell nicht bekannt, die Umstände deuten aber auf eine Entlassung des seit zwölf Jahren für GM tätigen Designers hin.

August
Im Zuge des Umzug Von Peugeot Deutschland von Saarbrücken nach Köln verlässt auch Thomas Bauch das Unternehmen. Er stand drei Jahre an der Spitze. Anfang Oktober trat Marcel de Rycker seine Nachfolge an.
Die Angestellten des erfolgreichen koreanischen Autobauers Hyundai legte Ende August die Arbeit nieder. Se forderten höhere Löhne und die Abschaffung der Nachtarbeit. Auch Mitarbeiter der Tochterfirma Kia traten in den Ausstand.
Der frühere Opel-Vertriebschef Alain Visser wechselt Anfang September zu Volvo. Im März hatte er Opel verlassen und sollte ursprünglich zur amerikanischen Schwestermarke Chevrolet wechseln. Aus persönlichen Gründen hat er sich dann aber entschieden, GM zu verlassen.

September
Im September hat VW seine Zulieferer darauf hingewiesen, dass die Produktion im Herbst um etwa zehn Prozent sinken könnte. Grund war die Sorge vor einem Konjuktureinbruch.
Nach internen Tests hat sich der Premiumhersteller Daimler entschieden, das neue Kältemittel R1234yf nicht zu verwenden. Stattdessen wollen die Stuttgarter weiter das alte, klimaschädliche Mittel R134a einsetzen. Das wiederum ist eigentlich ab Januar EU-weit verboten.

Oktober
Um die Milliardenverluste in Europa einzudämmen, entschlißet sich der US-Autobauer Ford zu einem drastischen Schritt: Er schließt neben dem Werk in Genk auch zwei Standorte in England, das Fahrzeugwerk in Southampton und das Presswerk in Dagenham. 1400 Arbeitsplätze sind betroffen.

Nach einer kurzen Pause verschärfte sich die Rabattschlacht auf dem deutschen Automarkt im Oktober erneut. Die Nachlässe erreichten laut Automobilwirtschaft-Professor Ferdinand Dudenhöffer neue Höchststände. Allerdings wurde Dudenhöffer wenige Wochen später heftig für seine Forschungen kritisiert.
Im dritten Quartal gingen bei Daimler die operativen Ergebnisse in allen Sparten zurück. Obwohl der Umsatz um acht Prozent stieg, ging der Gewinn zurück. Der Hersteller senkte seine Gewinnprognose für das laufende Jahr und kündigte Sparprogramme an.



November
Im November meldete sich Ferdinand Piech, der mächtige VW-Aufsichtsratschef, im Streit um die Kältmittel zu Wort: "Das richtige Kältemittel ist CO2", sagte er und distanzerte sich damit ebenso wie Daimler von der umstrittenen Substanz R1243yf.
Für das Modell 4x4 bietet der russische Importeur Lada ein erweitertes Garantiepaket. Es beinhaltet eine Anschlussgarantie für das dritte Jahr und drei Jahre Mobilitätsgarantie.
Der Premiumhersteller Mercedes-Benz hat mit seinen Händlern ein neues Vergütungsmodell vereinbart, das diesen auch in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten eine Mindestrendite garantiert. Es gilt ab dem kommenden Jahr.

Dezember
Matthias Seidl ist ab Dezember neuer Opel-Vertriebschef für Deutschland. Seine Vorgängerin Imelda Labbe betreut die Integration des Finanzdienstleisters Ally.

Der Ingolstädter Premiumhersteller Audi will bis 2020 der führende deutsche Premiumhersteller werden. Das kündigte Vorstandschef Rupert Stadler in einem Interview an.

Die Rabattschlacht auf dem deutschen Neuwagenmarkt hat im Dezember etwas nachgelassen. Dennoch bleiben die Nachlässe auf hohem Niveau.
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