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Peugeot: Schluss mit der Ära des Ärgerns
Neues Klima bei Peugeot-Deutschland: Der neue Deutschlandchef Marcel de Rycker will sich bei seinem Dialog-Versprechen beim Wort nehmen lassen.
(Foto: Peugeot)
Autor:
Michael Knauer
mknauer@craincom.de
Freitag, 07. Dezember 2012, 09.10 Uhr
Bei Peugeot in Deutschland hing zuletzt der Haussegen kräftig schief. Doch bei der jüngsten Händlertagung des Herstellers in Brühl bei Köln rückten die anwesenden 400 Händler und der seit Oktober amtierende Deutschlandchef Marcel de Rycker die Stühle wieder eng aneinander.

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Brühl. Peugeot kämpft nicht nur in Frankreich und auf den globalen Märkten um seine Stellung, sondern auch in Deutschland. Denn auch hierzulande laufen die Geschäfte schlecht. Per Ende November verkaufte die Löwenmarke 67.400 Pkw, ein Minus von 13,3 Prozent. Unter den großen Herstellern hat sich in Deutschland allein Opel noch ein wenig schwächer entwickelt.
Da wundert es nicht, dass der Haussegen zwischen Herstellern und Händlern zuletzt kräftig schief hing. Doch bei der jüngsten Händlertagung des Herstellers in Brühl bei Köln rückten die anwesenden 400 Händler und der seit Oktober amtierende Deutschlandchef Marcel de Rycker die Stühle wieder eng aneinander.
"Herr de Rycker hat uns in einer Weise zugehört, die wir im Handel bislang nicht kannten", freut sich der Präsident des Verbandes der Peugeot-Partner Deutschlands (VPPD), Gerhard Stach. "Und was er uns bisher versprochen hat, hat er auch 1:1 eingehalten", lobt Stach.
Die neue Dialog-Kultur hat Peugeot dringend nötig. Denn der wirtschaftliche Erfolg kann sich nur einstellen, wenn beide Seiten am gleichen Strang in die gleiche Richtung ziehen.
Im Oktober hatte sich das allerdings noch ganz anders angehört. Der Händlerverband hatte sich über eine "äußerst schlechte" Stimmung  im Handel beklagt, und zwar nicht nur wegen der miserablen Zulassungszahlen, sondern auch wegen "übermäßiger Abnahmeverpflichtungen."
De Rycker weist diese Kritik nicht zurück, sondern nimmt sie ernst: "Wir müssen uns bei Peugeot Deutschland verbessern und viele Punkte abstellen, die den Händlern das Leben unnötig schwer machen", räumt der Nachfolger von Thomas Bauch ein. Neben dem schwierigen Marktumfeld habe Peugeot auch eigene Fehler gemacht. So habe der neue 208 "keinen Superstart" gehabt, der Umzug von Saarbrücken nach Köln sorge für Reibungsverluste und viele der aktuellen Vertriebsprogramme seien zu komplex.  Auch in der Garantieabwicklung, bei der Abwicklung der Boni und in vielen anderen Bereichen gebe es Verbesserungsmöglichkeiten. "Ich habe mir eine Liste mit 300 Punkten gemacht, an den wir arbeiten müssen."
Um die abzuarbeiten, sind wohl noch viele Round-Table-Runden notwendig. Dieses Instrument hat de Rycker eingeführt, um mit den Händlern möglichst in allen Regionen Deutschlands ins Gespäch zu kommen. "Wir wollen auch 2013 mindestens zwei solcher Gesprächsrunden pro Monat organisieren", verspricht de Rycker. "Und da habe ich mir vorgenommen, jede Frage zu beantworten."
Eines steht für den neuen Deutschlandchef schon jetzt fest: "Wir werden wieder mehr Verantwortung an den Handel zurückgeben und auch an unseren Außendienst."

Ziel in Deutschland: 90.000 Zulassungen in 2013
Bei den wirtschaftlichen Zielen lässt de Rycker indes nicht die Zügel schleifen. Für das laufende Jahr hat er sich 80.000 Zulassungen inklusive Nutzfahrzeuge und somit einen Marktanteil von 2,65 Prozent vorgenommen - da müsste Peugeot im schwachen Dezember noch einiges verkaufen - oder zumindest zulassen.
Doch auf das alte Spiel Eigenzulassungen will sich de Rycker nicht über das unbedingt notwendige Maß hinaus einlassen. "Eine hohe Verkaufsförderung tut uns weh. Sie belastet die Restwerte und dadurch langfristig auch die Marke. Deshalb wollen wir die Kanäle, die die Restwerte kaputt machen, so weit wie möglich einengen." Sein Ziel sei es, auf einen Anteil von weniger als 30 Prozent bei den Tageszulassungen zu kommen. Peugeot sei da schon gut unterwegs, wenn man bedenke, dass es andere Volumenmarken in Deutschland gebe, die eine Quote von bis zu 42 Prozent Tageszulassungen hätten. Gemeint ohne es auszusprechen hat der Peugeot-Chef damit Hyundai. "Das ist eine Droge, von der man nur schlecht wieder wegkommt," ermahnt de Rycker sich selbst und die Branche.
Für 2013 peilt der neue Peugeot-Chef 90.000 Zulassungen (Pkw und LCV) an. Bei angenommenen 3,2 Millionen Zulassungen im Gesamtmarkt (PKW und LCV) würde dies einen Marktanteil von 2,79 Prozent bedeuten. Den leichten Optimismus begründet de Rycker mit dem ersten vollen Verkaufsjahr für den 208. Für das höchst bedeutende Volumenmodell steht seit Oktober endlich auch der neue Dreizylinder-Einstiegs-Benzinmotor zur Verfügung.
Großen Erfolg erhofft der Peugeot-Handel auch vom ganz neuen Mini-SUV 2008, der im Sommer auf den Markt kommt. Hinzu kommt ab Ende des Jahres der neue 308, außerdem bereits zuvor der aktuelle 208 im GTi-Kleid, Facelifts des RCZ und der neue RCZ-R mit 260 PS.

Händlerrendite soll mindestens wieder 1,5 Prozent betragen
De Rycker hat auch ein Einsehen mit der mickrigen Rendite der Peugeot-Händler in Deutschland, die per Ende Juli bei 0,9 Prozent lag. "Unser Ziel lautet mindestens 1,5 Prozent." 2013 sollte wenigstens die Prozentmarke wieder überschritten werden, hofft er.
"Wenn wir eine vernünftige Rendite haben, dann investiert der Handel auch wieder in die Marke", sagt dazu Verbandspräsident Stach. Allerdings seien 1,5 Prozent immer noch meilenweit von einer attraktiven Rendite entfernt, fügt er hinzu.
Zum Abschluss verspricht Peugeot seinen Händlern noch verstärkte Marketingbemühungen. Das Marketingbudget von Peugeot in Deutschland werde 2013 immerhin um rund zehn Prozent über dem Vorjahr liegen, so Marketing- und Kommunikationschef Thomas Schalberger.
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