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Dekra steigert Umsatz auf 2,15 Milliarden Euro
Dekra-Chef Stefan Kölbl: "Dekra hält Kurs, auch wenn sich das konjunkturelle Umfeld in einigen Märkten deutlich verschlechtert hat."
(Foto: Dekra)
Autor:
Matthias Krust
mkrust@craincom.de
Freitag, 07. Dezember 2012, 09.51 Uhr
Der Stuttgarter Prüfkonzern Dekra erwartet allein im deutschen Automobilgeschäft in diesem Jahr einen Umsatz von 885 Millionen Euro. Auch im kommenden Jahr will Dekra organisch und mit Zukäufen weiter wachsen. Dies kündigte Dekra-Chef Stefan Kölbl am Donnerstagabend vor Journalisten an.

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Stuttgart. Dekra wird den Umsatz in diesem Jahr um mehr als sieben Prozent auf 2,15 Milliarden Euro steigern und will auch 2013 weiter zulegen. "Wir halten Kurs, auch wenn sich das konjunkturelle Umfeld in einigen wichtigen Märkten wie zum Beispiel Frankreich deutlich verschlechtert hat", sagte Dekra-Chef Stefan Kölbl am Donnerstagabend vor Journalisten.
Im Kerngeschäft mit automobilen Dienstleistungen wächst die Prüforganisation voraussichtlichen Zahlen zufolge um rund vier Prozent auf etwa 1,2 Milliarden Euro. Allein in Deutschland erlöst Dekra Automobil 885 (2011: 870) Millionen Euro in diesem Jahr und sieht sich weiter als Marktführer. Auch für das kommende Jahr ist Kölbl für die Gruppe zuversichtlich: "In den vergangenen zwölf Monaten haben wir intensiv daran gearbeitet, die Voraussetzungen für weiteres Wachstums zu schaffen. Wir sind deshalb hervorragend positioniert, um in etwa gleichem Maß aus eigener Kraft und durch Akquisitionen weiter zu wachsen."
Die Prüf- und Sachverständigenorganisation will den Umsatz mittelfristig um jährlich zehn Prozent im Durchschnitt steigern und bis 2015 die Drei-Milliarden-Schwelle erreichen. Dabei sollen je fünf Prozent aus organischem und fünf Prozent aus Zukäufen stammen. Teil des Strategieprogramms "Dekra 2015" ist auch eine deutlich höhere Profitabilität. Konkret hat Kölbl eine Zielmarge von zehn Prozent herausgegeben. In den vergangenen Jahren ist die Rendite allerdings immer weiter abgeschmolzen. Auch die Wachstumsraten waren leicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Im Geschäftsjahr 2011 hat Dekra den Umsatz um acht Prozent auf zwei Milliarden Euro ausgebaut. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte auf 128,4 Millionen Euro zu. Die EBIT-Marge ging allerdings von 6,5 auf 6,4 Prozent zurück. Im Vorkrisenjahr 2008 hatte der Konzern eine Umsatzrendite von 7,6 Prozent geschafft.
Ein wichtiges strategisches Ziel im laufenden Jahr war deshalb die Schaffung effizienter Strukturen im weitverzweigten Konglomerat aus nationalen Einzelgesellschaften gewesen. Allein in ein einheitliches IT-Verwaltungssystem auf SAP-Basis investiert Dekra rund 30 Millionen Euro. Außerdem wurde eine neue Organisation aufgebaut. "In Wirtschaftszentren wie Paris, Mailand, Atlanta, Sao Paulo und Shanghai agieren jetzt Regional- und Länderchefs, die unsere Dienstleistungen konzentriert und aus einer Hand anbieten", so Kölbl. In Hamburg, Bratislava und Prag hat Dekra weitere Häuser eröffnet, unter deren Dach die gesamte Kompetenz gebündelt ist. Im kommenden Jahr wollen die Stuttgarter in Deutschland die Industrieprüfdienstleistungen in der Dekra Automobil GmbH bündeln, wie der Dekra-Chef ankündigte.

Marktführer bei Automobildienstleistungen
Im Kerngeschäft Automobil mit Fahrzeugprüfungen, Gutachten und Dienstleistungen sowie dem Gebrauchtwagenmanagement sehen sich die Stuttgarter auch 2012 mit weltweit rund 22 Millionen Fahrzeugprüfungen als Marktführer. Das gilt ebenso für Deutschland, wo Dekra einen Marktanteil im Prüfwesen von 34 Prozent und bei den Gutachten von rund 25 Prozent für sich reklamiert. Auch im Gebrauchtwagenmanagement zieht Dekra eine positive Bilanz: Das 2011 übernommene französische Unternehmen AutoContact, das mittlerweile als Dekra Automotive Solutions firmiert, bleibe trotz der schwierigen Märkte in Frankreich und Südeuropa Marktführer. Mit dem Gebrauchtwagenmanagement ist Dekra in den 14 Ländern Europas und in den USA, Brasilien und China tätig.
Als "Ritterschlag" bezeichnete Kölbl den Umstand, dass Dekra als einziger Anbieter in Deutschland passive Sicherheit von Fahrzeugen prüfen darf, die auf dem japanischen Markt auf den Markt kommen: "Ein Dekra-Crash-Test des Hybridfahrzeugs Toyota Prius hat der japanischen Behörde gezeigt, dass wir über das erforderliche Know-how rund um die Batterietechnik und elektrische Fahrzeugkomponenten verfügen." Dies stärke die Position im wichtigen Markt der Hybrid- und Elektromobilität.
 

Sparte Industrial wächst am Stärksten
Den höchsten Zuwachs in der Dekra-Gruppe wird in diesem Jahr die Sparte Industrial ausweisen: Der Umsatz des Industrieprüfgeschäfts steigt um 15 Prozent auf rund 630 Millionen Euro. Neben dem starken organischen Wachstum haben dem Unternehmen zufolge vor allem strategische Übernahmen dazu beigetragen. Von insgesamt zehn Zukäufen, die Dekra 2012 getätigt hat, erfolgten fünf Akquisitionen in diesem Geschäftsfeld. "Eine Akquisition in Australien/Ozeanien im Industrieprüfgeschäft steht kurz vor dem Abschluss", kündigte Kölbl an. Damit werde Dekra in allen Kontinenten der Welt vertreten sein.
Die Erlöse der dritten Division Personell, wo der Verleih von Zeitarbeitern und die Akademie gebündelt sind, legen um zwei Prozent auf 340 Millionen Euro zu. Insgesamt verfügt das Geschäftsfeld Dekra Arbeit über 1500 aktive Kunden. Neu hinzu kamen der Luft-und Raumfahrtkonzern Airbus, Lkw-Anhängerhersteller Schmitz-Cargobull und Konsumgüterriese Henkel. Allerdings ist laut Kölbl die Boomphase der Vorjahre beendet. Dazu hätten Konkunkturängste und der Mangel an qualifizierten Zeitarbeitnehmern beigetragen. Die Perspektiven der Branche sind ungewiss, das sich die Rahmenbedingungen der Zeitarbeitsvermittlung durch neue Gesetze fundamental ändert: Seit dem 1. November gilt der Grundsatz gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit (Equal Pay) sowie neue Branchenzuschläge. "Die Arbeitnehmerüberlassung verteuert sich teilweise um 50 Prozent. Die Politik und die Gewerkschaften haben sich damit einen Bärendienst erwiesen", so der Dekra-Chef mit Blick auf die hohe Flexibilität durch Zeitarbeit, die den Unternehmen in den vergangenen Jahren geholfen habe, durch die Krise zu kommen und schnell vom Aufschwung zu profitieren.
Insgesamt zeigte sich Kölbl mit dem Abschneiden der Dekra-Gruppe in diesem Jahr zufrieden. Obwohl das wirtschaftliche und regulatorische Umfeld in vielen Märkten herausfordernd sei, sei er zuversichtlich für 2013: "Ich bin heute sogar noch optimitistischer als noch vor ein paar Wochen."
 
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