NEU: ePaper
Benutzeranmeldung:
Mobilität für die Generation i
Autorin:
Pia Krix
pkrix@craincom.de
Montag, 26. November 2012, 00.03 Uhr
Der Kies knirscht unter den Reifen der schweren BMW-Limousinen, die acht Spitzenmanager im November 2007 zu einem geheimen Treffen in der Nähe von München bringen. Das Team unter der Führung von Ulrich Kranz soll nichts weniger als die Zukunft des Premiumherstellers planen. Klar ist den Mitgliedern des exklusiven Zirkels zu diesem Zeitpunkt schon eins: Die schweren Karossen, in denen sie zum Meeting fahren, sind es nicht. Die Zukunft muss leicht sein.

Hintergrunddaten zum Thema:
11/2013
VW hat in Deutschland im ersten Quartal 2013 von allen Autoherstellern am meisten für Werbung ausgegeben.

11/2013
Die Rangliste der in Deutschland verbrauchten Biokraftstoffe führt seit Jahren mit deutlichem Abstand Biodiesel an.

10/2013
Absatzzahlen der japanischen Hersteller Toyota, Nissan, Honda, Suzuki, Mazda, Mitsubishi, Daihatsu und Subaru in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2012 sowie im ersten Quartal 2013

München. Der Kies knirscht unter den Reifen der schweren BMW-Limousinen, die acht Spitzenmanager im November 2007 zu einem geheimen Treffen in der Nähe von München bringen. Das Team unter der Führung von Ulrich Kranz soll nichts weniger als die Zukunft des Premiumherstellers planen. Klar ist den Mitgliedern des exklusiven Zirkels zu diesem Zeitpunkt schon eins: Die schweren Karossen, in denen sie zum Meeting fahren, sind es nicht. Die Zukunft muss leicht sein. Es ist das Gründungsmeeting eines Thinktanks – dem Project i. Ein wichtiges Ergebnis des Brainstormings rollt im kommenden Jahr auf den Markt: ein elektrisches Citycar. Für BMW bricht 2013 das i-Zeitalter an. Im Februar 2011 verkündeten die Münchner den Namen einer neuen Öko-Submarke – BMW i.
Der Hersteller Apple, der mit iPod, iPhone und iPad die Infotainment-Branche revolutionierte, ist offenbar Vorbild. BMW-Chef Norbert Reithofer schiebt eine Revolution im Fahrzeugbau an. Unter dem i-Label schickt er ein emissionsfreies Auto auf die Straße, das nicht mehr auf einer Stahl- und Aluminiumkarosse, sondern auf einer erheblich leichteren, aber teureren Carbonkarosserie basiert – der i3. Wie der Kompaktwagen aussehen soll, der optional mit Range Extender angeboten wird, zeigt das Unternehmen Ende November mit einer seriennahen Version auf der Auto Show in Los Angeles. Marktstart des E-Modells ist im November 2013, erfuhr Automobilwoche aus Händlerkreisen. Ab Juni dürfen die Vertriebspartner mit dem Preis werben, der bei rund 40.000 Euro liegen soll. Das Elektromobil ist nur der Beginn der i-Revolution.
BMW plant eine komplette Leichtbau-Familie. 2014 folgt der Sportwagen i8 mit Plug-in-Hybrid. "BMW i3 und i8 werden technisch absolute Spitzenklasse sein", verkündet Reithofer. Unter großem Trommelwirbel will er die Serienmodelle i3 und i8 im September 2013 auf der IAA präsentieren. Je leichter das Auto, desto geringer der Verbrauch und umso höher der Fahrspaß. Aber zu welchem Preis? Die Kosten des Carbon- Einsatzes in der Serie sind ein gut gehütetes Konzern-Geheimnis. Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht davon aus, dass BMW in das gesamte Project i bislang rund zwei Milliarden Euro investiert hat. "Ob sich die Pionierrolle auszahlt, kann heute keiner sagen." Es bleibe abzuwarten, ob nicht günstigere Werkstoffe im Automobilbau das Rennen machen. "Aber wenn sich die Carbonfaser durchsetzt, ist BMW der King." Das finanzielle Risiko sei "überschaubar". Nach Einschätzung des Analysten hat BMW 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro der Investitionen schon wieder abgeschrieben. Rechnen werde sich das i-Vorhaben frühestens 2020. "Erheblich schlimmer als der finanzielle Verlust wäre der Imageschaden, sollte das Vorhaben misslingen", sagt Pieper. BMW gibt sich siegessicher, mit den Elektroautos eine neue, jüngere Zielgruppe anzusprechen – die Generation iPhone.
Eine Million Fans verfolgen das i-Vorhaben auf Facebook. "Eine fundamentale Neuerfindung des Autobauers", urteilt Christoph Stürmer vom Marktforschungsunternehmen IHS Automotive. BMW habe sich als Technologieführer und Leichtbauvorreiter positioniert. Stürmers Prognose zufolge werden im BMW-Werk Leipzig im ersten vollen Produktionsjahr 2014 rund 30.000 i3 vom Band laufen. "Wir gehen davon aus, dass der i3 mit optionalem Range Extender bis zu 50 Prozent des Volumens ausmachen kann." BMWs Ansatz umfasst nicht nur Technik und Produktion. Der Hersteller geht auch beim Vertrieb neue Wege. Der i3 ist das erste BMW-Fahrzeug, das im Internet verkauft wird. Der Weg zum Händler sei "altbacken", sagt Stürmer von IHS. "Ich halte es für wichtig, den Online-Vertrieb – zunächst in der Nische – für den Normalkunden zur Verfügung zu stellen." Der Web-Handel ist Teil eines groß angelegten Vertriebsprogramms, das auf verschiedene Absatzkanäle setzt. Trotz des Direktvertriebs bleiben die Händler im Spiel. Ausgesuchte Partner, in Deutschland sind es 46­‑, sollen die Elektroautos zusätzlich zu den Marken BMW und Mini anbieten.
BMW-Händlersprecher Werner Entenmann rechnet "mit Investitionen für Vertrieb und Service in Höhe von 100.000 Euro pro i-Händler". Mit welcher Summe sich der Hersteller beteiligt, werde derzeit noch diskutiert. Getreu dem Vorbild Apple eröffnete BMW im Juli dieses Jahres in London den ersten i-Store, weitere sollen folgen. Mit den Elektroautos möchte der Hersteller moderne Städter ansprechen und wendet sich direkt an sie. So will er i-Berater zu Interessenten nach Hause schicken. Sie können online oder mithilfe eines erweiterten Callcenter-Angebots einen Vertrag abschließen. Wer kein Auto erwerben möchte, aber gelegentlich eines benötigt, für den haben die mittlerweile 300 Mitarbeiter im Project i eine andere Lösung parat – DriveNow. Unter diesem Namen führten BMW und Mini gemeinsam mit dem Autovermieter Sixt im Juni 2011 ein Carsharing-Konzept ein. Allerdings hatte bei diesem Thema Wettbewerber Daimler die Nase vorn, der die Idee mit Car2go schon früher umsetzte. BMW bietet DriveNow in München, Berlin, Düsseldorf, Köln und San Francisco an. Nutzer können dort via Smartphone das nächstgeparkte Auto reservieren. Die Expansion in internationalen Metropolen ist in vollem Gang.
Parallel investiert die Beteiligungsgesellschaft BMW i Ventures in vielversprechende Mobilitätskonzepte junger Unternehmer. So in den Online-Marktplatz ParkatmyHouse, der in Großstädten Großbritanniens Parkplatzbesitzer und -suchende zusammenführt. Auch mit den Erfindern der App Embark arbeitet BMW zusammen. Diese App informiert über Ankunftszeiten und Verspätungen von Zügen und Bussen in Großbritannien und den USA. Das Umsteigen auf ö entliche Verkehrsmittel gilt als wichtiger Bestandteil des BMW-Mobilitätskonzepts – auch der Wechsel auf das neue i-Bike. Ob auch BMWs Spitzenmanager ihre schweren Karossen gegen das Öko-Rad eintauschen, muss die Zukunft zeigen.
Kommentare zum Artikel:
Weiterführende Links:
DriveNow will 2013 Mitgliederzahl verdoppeln
Der Carsharing-Anbieter DriveNow plant, die Zahl seiner Mitglieder in diesem Jahr zu verdoppeln. Ende Januar verzeichnete das... » mehr lesen

Daimler bündelt Mobilitätsangebote
Der Stuttgarter Autokonzern Daimler hat eine Tochtergesellschaft für seine Mobilitätsdienstleistungen gegündet.... » mehr lesen

Carsharer DriveNow setzt Elektroautos ein
DriveNow, ein Jointventure von BMW und Sixt, zieht positive Bilanz: 2012 warb der Carsharer 60.000 neue Kunden an und... » mehr lesen

BMW und Boeing vereinbaren Carbon-Kooperation
BMW und Boeing werden beim Recycling von Carbonfasern zusammenarbeiten. Die Hersteller wollen das Know-how aus Auto- und... » mehr lesen

Per App zur passenden Batterie
Nach der Wischblatt-App bietet Zulieferer Bosch jetzt eine weitere kostenlose App an, die bei der Suche nach der passenden... » mehr lesen

Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
7803
Leser
Überraschend schnell und geräuschlos haben IG Metall und Arbeitgeber sich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt: Die Beschäftigten bekommen eine Lohnerhöhung in zwei Stufen.
4214
Leser
Nach dem Aus für das Bochumer Opel-Werk im Jahr 2014 ringt der deutsche Autobauer mit der britischen Schwester Vauxhall um den künftigen Produktionsstandort für den Zafira Tourer. Die besten Chancen haben nach Angaben aus dem Aufsichtsrat das Stammwerk in Rüsselsheim und das britische Werk in Ellesmere Port.
3883
Leser
Der Zulieferer Mahle übernimmt die Mehrheit am Klimaanlagenspezialisten Behr. Dies teilte Mahle am Donnerstag mit.
3769
Leser
Der Stuttgarter Autobauer Daimler hat einem Bericht des Fernsehsenders ARD widersprochen, wonach Mitarbeiter mit Werksverträgen die gleichen Tätigkeiten ausführen wie festangestellte Mitarbeiter, dafür aber erheblich schlechter bezahlt werden.
3109
Leser
Der Kompaktvan Opel Zafira Tourer wird ab 2015 im Werk Rüsselsheim gebaut. Bisher wird das Modell in Bochum gefertigt. Der Betriebsrat protestierte und sprach von einer "unglaublichen Provokation".
3069
Leser
Einem Medienbericht zufolge wird der bayerische Premiumhersteller insgesamt mehr als drei Milliarden Euro in die neue Submarke BMW i investieren. Das Unternehmen will von Anfang an mit jedem Auto Geld verdienen.
2921
Leser
Daimler hat am Mittwochabend seine neue S-Klasse präsentiert. Die Luxus-Limousine strotzt vor Superlativen. Der Stuttgarter Autobauer spricht vom "besten Auto der Welt".
2359
Leser
Der VW-Konzern muss mehrere Zehntausend Fahrzeuge seiner New Small Family, zu der neben dem VW Up auch die weitgehend baugleichen Modelle Seat Mii und Skoda Citigo gehören, wegen Airbagproblemen in die Werkstätten zurückrufen.
2154
Leser
In der Europäischen Union wurden im April knapp 1,04 Millionen Neuzulassungen registriert. Dies ist ein Zuwachs um 1,7 Prozent gegenüber April 2012 - und der erste Anstieg seit September 2011.
2105
Leser
An den Fließbändern des Premiumherstellers Daimler arbeiten einem Medienbericht zufolge Menschen, deren Lohn vom Staat aufgestockt werden muss. Dabei soll es sich um Leiharbeiter handeln.