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Daimler will Finanzdienstleistungs-Volumen verdoppeln
Klaus Entenmann: "Wir wollen auch in Zeiten schwacher gesamtwirtschaftlicher Entwicklung stark zulegen."
(Foto: Daimler)
Autor:
Matthias Krust
mkrust@craincom.de
Montag, 19. November 2012, 11.47 Uhr
Die Financial-Services-Sparte des Stuttgarter Autoherstellers rechnet in diesem und im kommenden Jahr mit einem stabilen Gewinn - trotz schwieriger Rahmenbedingungen vor allem in Europa. Bis 2020 will Daimler Financial Services stark von der Wachstumoffensive der Pkw-Sparte profitieren.

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Stuttgart. Daimler Financial Services (DFS) will das Vertragsvolumen bis 2020 stark ausbauen und dabei das hohe Profitabilitätsniveau halten. "Bis Ende des Jahrzehnts wollen wir unser Portfolio verdoppeln und zwar rund um den Globus", kündigte Klaus Entenmann, Chef der Finanzierungssparte des Stuttgarter Autoherstellers, auf einer Pressekonferenz an. Im Rahmen der Strategie "DFS 2020" sollen dann mehr als sechs Millionen Fahrzeuge im Bestand sein. Die geplante Ausweitung des Geschäfts basiert zum einen auf den Wachstumsannahmen der Daimler-Pkw-Sparte, dem Erschließen neuer Märkte und Regionen sowie zusätzlichen Aktivitäten rund um Mobilitätsdienstleisungen. An der heute geltenden Zielrendite hält Entenmann auch mit Blick auf das Jahr 2020 fest: "Das ist Basis für unsere Annahmen in der Zukunft."
Mercedes-Benz Cars will im Rahmen der Wachstumsstrategie "MB 2020" den Absatz bis im Jahr 2020 auf rund 2,6 Millionen Einheiten verdoppeln und damit nicht nur absatzstärkster Premiumhersteller der Welt werden, sondern auch die höchste Profitabilität erreichen. Heute liegt Mercedes hinter den Konkurrenten BMW und Audi.
Für die Daimler Financial Services AG hat der Konzern eine Eigenkapital-Rendite von mindestens 17 Prozent festgelegt. Im vergangenen Jahr erreichte die Sparte 25,5 Prozent. Im laufenden Jahr dürfte sich die Profitabilität allerdings abschwächen: "Der Return on Invest geht ewas zurück", räumte Entenmann ein. Er führt dies unter anderem auf einen Sondereffekt im Jahr 2011 zurück als DFS aufgrund geringerer Risikokosten Rückstellungen auflöste. Nun legen die Risikokosten in Folge der schwachen Märkte in Europa eher zu. Dennoch zeigte sich der Manager mit der Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten "sehr zufrieden". Der Umsatz der Sparte legte um elf Prozent auf 9,9 Milliarden Euro zu. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) wuchs um ein Prozent auf etwas über eine Milliarde Euro. Im Gesamtjahr könnte laut Entenmann der Gewinn aus 2011 mit 1,312 Milliarden Euro übertroffen werden: "Wir sind auf Rekordkurs." Im kommenden Geschäftsjahr will der Manager auf dem Niveau des Vorjahres bleiben - trotz der schwachen Märkte vor allem in Europa.

Wachstumstreiber Asien
DFS bietet für alle Fahrzeugsparten des Daimler-Konzerns Finanzierungs- und Leasing-Verträge an. Vier von zehn Fahrzeugen der Stuttgarter werden heute weltweit finanziert oder geleast. Im Bestand befinden sich 2,7 Millionen Fahrzeuge. Das Vertragsvolumen liegt bei 77,7 Milliarden Euro in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres, im Jahr 2011 betrug es 71,7 Milliarden Euro. Wachstumsfeld ist das Versicherungsgeschäft, das die Fahrzeuge im eigenen Werkstattnetz halten und so dem Händler zusätzliche Umsätze sichern sowie das Geschäft mit Originalersatzteilen ankurbeln soll. Drittes Standbein sind Händlerfinanzierungen. Noch im Aufbau befinden sich die Aktivitäten um Mobilitätsdienstleistungen wie das CarSharing "Car2go", die ebenfalls in der Sparte angesiedelt sind.
Noch entfällt rund die Hälfte des Neugeschäfts (2011: 33,5 Milliarden Euro) auf Europa, dicht gefolgt von Nord- und Südamerika. Vergleichsweise gering ist dagegen der Anteil von Asien. Bis 2020 werden sich die Gewichte laut Entenmann deutlich verschieben: Dann wird je ein Drittel des Neugeschäfts auf eine dieser Regionen entfallen. Wachstumstreiber sind die Schwellenländer China und Indien, aber auch Korea und Japan haben dem Manager zufolge noch gutes Potenzial für Finanzierungsdienstleistungen. In China werden heute 70 Prozent der Fahrzeuge bar bezahlt, 30 Prozent werden finanziert. Das Leasinggeschäft ist ganz am Anfang. Seit August bietet DFS dort entsprechende Verträge an.
Bei den Pkw will DFS vor allem mit den neuen Kompaktmodellen von Mercedes wachsen. Die Stuttgarter planen Eroberungsraten von mehr als 50 Prozent und wollen besonders jüngere Kunden gewinnen, die grundsätzlich aufgeschlossener für Finanzierungsangebote sind. Auch das Geschäft mit Nutzfahrzeugen soll ausgebaut werden. In China will Daimler Lkw aus der Joint-Venture-Produktion mit Beiqi Foton finanzieren. In Indien gibt es bereits entsprechende Angebote für die lokale Marke BharatBenz. Erst vor kurzem hat DFS in Malaysia, den Geschäftsbetrieb aufgenommen. "In unseren traditionellen Kernmärkten wollen wir im Zuge der laufenden Produktoffensiven von Daimler ebenfalls zulegen", betont Entenmann.

Car2go soll 2014 Gewinn abwerfen
Wachstumschanchen sieht Entenmann auch bei den Mobilitätsdienstleistungen. Das CarSharing "Car2go" ist heute in 15 Städten etabliert und verfügt in Europa sowie Nordamerika über 220.000 Kunden. "Wir wollen mit Car2go bis Mitte des Jahrzehnts in über 50 Städten vertreten sein", so der DFS-Chef. Ende 2014 solle der Dienst wie geplant die Gewinnschwelle erreichen. Weitere Mobiltätsangebote könnten dazu kommen und kommerzialisiert werden.
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