Logo automobilwoche
Automotive News: Flag US Flag EU Flag CN

"Wir wollen den Neuwagenkauf ins Internet bringen"

Player wird geladen...
bugge.flv (78136 KB)
Autor:

Alexander Bugge: Der Neuwagenvermittler will kein Preisbrecher im Internet werden. (Klick auf das Foto startet das Video) (Foto: W. Schuering)
Mittwoch, 07. November 2012, 14.20 Uhr
Die von Teilen der Branche skeptisch beäugten Neuwagenvermittler im Internet sind nicht mehr aufzuhalten. Alexander Bugge, Chef des Portals Meinauto, ist davon überzeugt, dass der Kunde über den Beschaffungsweg der Zukunft entscheiden wird.

Berlin. Alexander Bugge kennt die Vorbehalte gegen das Geschäftsmodell der Internetvermittler zur Genüge: Der Händler berät, das Internet verkauft, im Netz geht es nur um Preise, Rabatte beschädigen die Marke, und Händler, die mit solchen Börsen kooperieren, gelten als unkollegial, so der Geschäftsführer von Meinauto.de beim Automobilwoche-Kongress. Kritik von höchster Stelle kam jüngst von ZDK-Präsident Robert Rademacher, der bei der Bundestagung des Kfz-Gewerbes klarstellte: "Der Handel braucht keine von Dritten betriebenen Internetportale". Aber der Kunde braucht sie, davon ist Bugge überzeugt. "Wer im Internet verkaufen will, muss den Prozess vom Kunden her denken", sagte der Meinauto-Chef, denn "der Kunde wird über den Beschaffungsweg der Zukunft entscheiden – nicht Handel oder Hersteller". Eine Marke müsse da präsent sein, wo der Kunde sie suche.

Immerhin könnten sich hierzulande potenzielle Käufer mehrheitlich vorstellen, ihr Auto direkt über das Netz zu kaufen, sagte Bugge unter Verweis auf aktuelle Studien. Getrieben wird diese Bereitschaft vom Preis und der Bequemlichkeit ("Convenience") des Onlinekaufs. Die Auswahl des Fahrzeugs, der markenübergreifende Vergleich, die unabhängige Beratung und schließlich der Kauf selbst seien ortsunabhängig über das Netz zu gestalten. Zunehmend etabliere sich das Internet in den Schlüsselphasen des Neuwagen-Kaufprozesses – insbesondere bei der jungen Generation. So gaben bei einer Deloitte-Untersuchung kürzlich 40 Prozent der Befragten zwischen 19 und 31 Jahren an, ihr nächstes Auto online kaufen zu wollen – ohne zuvor einen stationären Händler zu besuchen.

"Unsere Vision war nie, wir wollen Preisbrecher beim Autokauf sein, sondern wir wollen den Neuwagenkauf ins Internet bringen", umriss Bugge seinen Ansatz. Die Kunden seien "weit weniger markenloyal" als es sich der Hersteller wünsche. "Wir treffen die Kunden in einer sehr frühen Phase der Orientierung und helfen ihnen dabei, angesichts einer großen Vielfalt am Markt ihre Entscheidung zu treffen". Der Meinauto-Konfigurator funktioniere für alle Marken, denn "der Kunde soll es möglichst einfach haben". Natürlich spiele der günstige Preis eine Rolle, aber ebenso wichtig seien die Faktoren, die den Kauf für den Kunden besonders einfach und angenehm gestalten: "Convenience und Preis stehen in einer Wechselwirkung. Je mehr Convenience wir den Kunden bieten können, umso weniger wichtig ist der Preis."


Zwölf Millionen Besucher

Im Jahr 2012 wurden bei Meinauto rund zwölf Millionen Besucher gezählt, mehr als 160.000 Anfragen bearbeitet und 15.000 Neuwagen vermittelt. Insgesamt 80 Mitarbeiter kümmern sich mittlerweile um die Belange der Kunden. Das Vertriebsmodell wird ständig weiterentwickelt, kürzlich wurde die Liveberatung per Video gestartet. Zudem will der Vermittler bald auch Lagerwagen vermarkten, die Bestandsfahrzeuge der kooperierenden Händler sollen dazu in den Konfigurator integriert werden, derzeit läuft ein entsprechender Test.

Dem Handel biete Meinauto die Chance auf positive Ergebnisbeiträge, so Bugge: "Händler, die mit uns arbeiten, verdienen Geld mit den Einheiten, die über uns vermittelt werden." Je länger die Zusammenarbeit bestehe, umso größer sei zudem die Planungssicherheit für den Handel. "Wir wissen, dass die Entwicklung teilweise schmerzhaft ist, aber deshalb darf man nicht versuchen, diesen Vertriebskanal künstlich klein zu halten", appellierte Bugge an die Branche. "Ich glaube, wir werden einander noch brauchen".

Kommentare zum Video:
Das könnte Sie auch interessieren:
Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
5680
Zugriffe
Beim Entgelt kann die IG Metall nach den Tarifverhandlungen ein deutliches Reallohnplus auf der Habenseite verbuchen. Die Metall-Arbeitgeber freuen sich dagegen darüber, dass sie Ansprüche auf geförderte Weiterbildung abschmettern konnten.
4118
Zugriffe
Die Modellvielfalt auf dem Automarkt wächst stetig. Für die Hersteller und auch die Kunden hat diese Entwicklung nicht nur positive Folgen.
3474
Zugriffe
Auf dem deutschen Markt wollen die Wolfsburger das Geschäft mit Gebrauchtwagen stärken – etwa über eine Sonderprämie für ihre Händler. Ein wichtiges Steuerungsressort wird personell aufgestockt.
3159
Zugriffe
Deutschland hat die mit Abstand höchsten Arbeitskosten in der Automobilindustrie. Die Zuwachsraten liegen aber unter denen des Wirtschaftswachstums.
2959
Zugriffe
Nach neun Jahren geben die Wolfsburger den Bau ihres Autos mit Coupé-, Schiebe- und Cabriolet-Dach (CSC) auf. Zwei kompakte Bestseller hingegen bleiben in offenen Versionen erhältlich.
2090
Zugriffe
Europas größter Autobauer will im Jahr 2018 drei Mal so viele Neuwagen wie heute auf der sogenannten MQB-Basis herstellen.
2034
Zugriffe
Herbert Diess wird schon im Juli den Chefposten der Marke VW Pkw übernehmen. Darüber hinaus gibt es eine Veränderung im Konzernvorstand.
1890
Zugriffe
Europas größter Autobauer Volkswagen sponsert 16 deutsche Fußball-Proficlubs. Unternehmenschef Martin Winterkorn betont, dies geschehe generell "mit Blick auf den Autoabsatz in den Regionen".
1845
Zugriffe
Honda wechselt nach einer Kette von Qualitätsmängeln seinen Vorstandschef aus und kehrt mit eisernem Besen durch den gesamten Vorstand.
1806
Zugriffe
Der Verkehrsclub hat Strafanzeige gegen einen Geschäftsführer der ADAC Service GmbH und eine Mitarbeiterin gestellt. Es geht um den Verdacht auf Untreue und Betrug.