Aufgrund der hohen Verluste und schlechten Perspektiven in Europa hat der Chef des italo-amerikanischen Autobauers Fiat-Chrysler die strategische Ausrichtung erneut geändert: Die Marken Alfa Romeo und Maserati sollen im Premiumsegment angreifen. Die Marke Fiat soll sich auf die Modelle 500 und Panda konzentrieren.
Um auf 400.000 verkaufte Autos im Jahr zu kommen, weitet die edle Fiat-Tochter ihr Modellportfolio deutlich aus.
Turin. Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne hat die Erwartungen an die italienische Traditionsmarke Lancia reduziert und will die stark unterausgelasteten europäischen Werke im Konzern nutzen, um den Marken Alfa Romeo, Maserati und Jeep weltweit einen Schub zu verleihen. "Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass wir Lancia neu aufbauen können", sagte der Manager auf einer Telekonferenz. Das einzige ökonomisch lebensfähige Modell der Marke in Europa sei der "Ypsilon" gewesen. Dieses Fahrzeug, das über einen hohen Marktanteil in Italien verfüge, gelte es zu schützen. Nun soll Lancia vorübergehend mit Fahrzeugen aus US-Produktion, die auf Chrysler-Modellen basieren, die Zeit bis zu einer Erholung in Europa überbrücken. Die Neuausrichtung von Lancia ist Teil einer größeren strategischen Korrektur, die Marchionne nun aufgrund der hohen Verluste in Europa und den anhaltend schlechten Marktperspektiven vorgenommen hat. Gleichzeitig unterstrich der Manager die großen Erfolge nach dem Einstieg bei Chrysler im Jahr 2009 und hob die Erfüllung der Planziele aus dem Jahr 2010 für den US-Autohersteller und alle Regionen außer Europa hervorhob. "Das Problem von Fiat ist Europa. Wir haben nun vor der Alternative gestanden, im Volumengeschäft zu bleiben und ein bis zwei Werke in Europa zu schließen", so Marchionne. Stattdessen will Fiat-Chrysler nun die Marken Alfa Romeo und Maserati weltweit industrialisieren und ins untere Ende des Premiumsegments rücken. Diesen Plan haben die Italiener schon seit über einem Jahr ins Auge gefasst.
Fiat nicht mehr Vollanbieter Neu ist, dass sich Marchionne nun davon verabschiedet hat, Marke Fiat mit Hilfe von Chrysler zu einem Vollanbieter über alle Fahrzeugsegmente ausbauen zu wollen. "Obwohl wir über die Plattformen und die Volumina von Chrysler verfügen, müssen wir zugegen, dass uns das nicht gelungen ist. Das hat mit der DNA in unserem Haus zu tun", räumt der Manager ein. Nun will er ähnlich wie Mini von BMW, die Modellreihe Fiat 500 zu einer Familie mit vielen Derivaten ausbauen und diese welteit anbieten. Die Fiat-500-Familie sei eine eigene Marke innerhalb der Marke, so Marchionne. Ein ähnliches Potenzial bescheinigt der Manager dem Fiat Panda, der eine "Säule" in Produktportfolio bleiben soll. Auch der Chrysler-Marke Jeep bescheinigt Marchionne ein viel größeres Potenzial. Der neue Plan sieht vor, dass Jeep mit seinen SUV und Geländewagen in kleinere Fahrzeugsegemente eindringen soll. Die neuen Modelle sollen in Europa, aber auch in den USA und der Welt angeboten werden. Teil der strategischen Neuausrichtung ist die Nutzung der europäischen Kapazitäten für die Produktoffensive und als Exportbasis für die Marken der Zukunft. Derzeit beträgt die Auslastung in Europa (inklusive der Werke in Polen und der Türkei) rund 45 Prozent der technischen Kapazität. Im Gegensatz dazu produziert Chrysler in den USA und Mexiko weit über der üblichen Kapazitätsauslastung.
Nichts für schwache Nerven Im laufenden Jahr dürfte Fiat-Chrysler in Europa einen operativen Verlust von 700 Millionen Euro einfahren. Für das kommende Jahr prognostiziert das Unternehmen eine ähnliche Größenordnung. Die Gewinnschwelle dürfte laut Marchionne erst im Jahr 2015 oder 2016 erreicht werden. Die Umsetzung des neuen Plans wird dem Manager zufolge zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Entsprechend korrigierte der italo-amerikanische Konzern den 2010 herausgegebenen Fünfjahres-Plan. Anstatt des für 2014 prognostizierten Absatzvolumens von und sechs Millionen Fahrzeugen, werden nun nur noch 4,6 bis 4,8 Millionen Einheiten in Aussicht gestellt. Der Umsatz dürfte dann 94 bis 98 (urpsrünglich rund 104) Milliarden Euro betragen. Im Jahr 2014 peilt Fiat-Chrysler einen operativen Gewinn von 4,7 bis 5,2 (alt: rund 7,5) Milliarden Euro und eine Marge zwischen 5,0 und 5,3 (alt: rund 7,2) Prozent an. Europa wird Marchionne zufolge auch in den nächsten Jahren noch für große Herausforderungen sorgen: Dies sei nichts für schwache Nerven, berge aber die Chance auf eine aufregende Zukunft.
Kaum neue Modelle, wenig Geld für Investitionen und ein härter werdender Wettbewerb: Nur ein anhaltender globaler Aufschwung kann die Fiat-Chrysler-Allianz über die Zeit retten.... » mehr lesen
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