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Fiat weitet Verlust in Europa aus
Sergio Marchionne: Der Chef von Fiat und Chrysler will trotz der Überkapazitäten in Europa keine Werke schließen und dort stattdessen Chrysler-Fahrzeuge für den Export bauen lassen.
(Foto: Fiat)
Autor:
Matthias Krust
mkrust@craincom.de
Mittwoch, 31. Oktober 2012, 00.03 Uhr
Das nordamerkanische Geschäft von Chrysler bleibt auch im dritten Quartal die Stütze des Fiat-Konzerns. Weil der italo-amerikanische Hersteller keine schnelle Erholung in Europa erwartet, hat er die Planungen korrigiert.

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Turin. Fiat hat im dritten Quartal die Verluste im europäischen Massengeschäft ausgedehnt und die Prognose für das Gesamtjahr vorsichtiger formuliert. Außerdem hat Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne den 2010 herausgegebenen und bis 2014 laufenden Geschäftsplan korrigiert. Trotz der sinkenden Verkäufe in Europa solle kein Werk geschlossen werden, bekräftigte der Manager. Stattdessen will Marchionne in Italien neue Modelle für Alfa Romeo, Maserati und Jeep bauen, die dann global vermarktet werden sollen. "Ich denke, das ist die beste wirtschaftliche Wahl, die wir treffen können", so Marchionne in einer Telefonkonferenz. Es wäre unsinnig, Werke in Europa zu schließen, wenn man dann neue anderswo errichten müsste, um die wachsende Nachfrage in Nordamerika, Lateinamerika und Asien zu befriedigen.
In Europa wiesen die Italiener im dritten Quartal hauptsächlich mit den Markten Fiat, Alfa Romeo und Lancia einen operativen Verlust (EBIT) von 219 Millionen Euro aus, während im Vorjahresquartal ein Minus von 136 Millionen Euro und im zweiten Quartal 2012 der Verlust 184 Millionen Euro betragen hatte. Im Konzern erweist sich wie schon in den vergangenen Quartalen der US-Hersteller Chrysler, an dem Fiat die Mehrheit hält, als große Stütze: Chrysler allein steuerte 846 Millionen Euro zum operativen Konzerngewinn (trading profit) von 951 Millionen Euro bei. Auf Fiat entfielen 105 Millionen Euro.
Aufgrund der schlechten Perspektiven für die europäischen Märkte präzisierte Fiat die Prognose für den Konzern. Während der Umsatz mit über 83 Milliarden Euro über der ursprünglichen Planung von 77 Milliarden Euro liegen soll, verabschiedeten sich die Italiener vom oberen Ende des zu Jahresbeginn herausgegebenen Zielkorridors und streben nun das untere Ende an: Dieser betrug für den Betriebsgewinn 3,8 bis 4,5 Milliarden Euro und für den Nettogewinn 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro. Die Nettoschulden dürften um 500 Millionen Euro über den früher angepeilten Maximalwert von 6,0 Milliarden Euro steigen.
Im dritten Quartal steigerte der Fiat-Konzern den Umsatz um 16 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro (Chrysler: 11,9 Milliarden Euro). Der Nettogewinn verbesserte sich von 112 Millionen auf 286 Millionen Euro. Ohne den US-Hersteller hätte Fiat einen Nettoverlust von 281 Millionen Euro ausgewiesen. Während Chrysler einen positiven Cash-flow von 100 Millionen Euro erzielte, verbrannte Fiat 1,4 Milliarden. Die Netto-Verschuldung stieg auf 5,5 Milliarden Euro. In der Gruppe beläuft sich dieser Wert auf 6,7 Milliarden Euro.
"Fiat hat im Kerngeschäft in 92 Tagen 15 Millionen Euro pro Tag verbrannt. Das ist mehr als wir in jedem anderen Unternehmen der Branche, das wir covern, festgestellt haben", schreiben die Autoexperten der Credit Suisse in Reaktion auf den Quartalsbericht. Je nach Finanzbedarf und Geschäftsentwicklung könnte Fiat ohne Chrysler in drei Quartalen ohne Liquiditätsreserven dastehen. Auch Marchionne hat in der Telefonkonferenz die angespannte Situation bei den liquiden Mittel eingeräumt. Allerdings zeigte sich der Manager zuversichtlich, genügend Cash aus dem laufenden Geschäft zu generieren.

Verluste summieren sich auf 573 Millionen Euro
Chrysler erzielte in Nordamerika ein Absatzplus von 23 Prozent auf 504.000 Einheiten und einen operativen Gewinn von 664 Millionen Euro - ein Zuwachs von 65 Prozent. In Lateinamerika, wo Fiat mit Pkw und Nutzfahrzeugen stark vertreten und auch Chrysler präsent ist, ging der Betriebsgewinn um 87 Millionen Euro auf 310 Millionen Euro zurück. Asien steuerte 74 Millionen Euro bei. Stabil zeigten sich die Luxusmarken Ferrari und Maserati, die zusammen 89 Millionen Euro verdienten.Dagegen schwächte sich der Gewinn im Zuliefergeschäft vor allem bei der Fiat-Tochter Magnti Marelli um 20 Millionen auf 38 Millionen Euro ab.
Im europäischen Volumenmarkt gingen die Verkäufe von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen um rund 15 Prozent auf 203.000 Einheiten zurück. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf 3,82 Milliarden Euro. Der operative Verlust lag bei 219 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres summierte sich das Minus auf 573 Millionen Euro. Für das restliche Jahr prognostiziert Fiat weiter schwache Märkte in Europa. Dies dürfte auch 2013 anhalten und sich mindestens bis ins Jahr 2014 hinziehen. Dagegen bekräftigte der Konzern die Erwartungen für Nordamerika, Lateinamerika und die Region Asien-Pazifik.

Plan korrigiert
Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen strich Marchionne  seine Prognosen im bis 2014 laufenden Geschäftsplan aus dem Jahr 2010 zusammen: Der Absatz im kommenden Jahr werde mit 4,3 bis 4,5 Millionen Autos um mindestens eine Million unter den ursprünglichen Zielen liegen. Für 2014 korrigierte er die Erwartungen von sechs Millionen auf 4,6 bis 4,8 Millionen Autos.
 
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