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Die große Elektroauto-Wette
Autor: Lindsay Chappel
Montag, 29. Oktober 2012, 00.03 Uhr
In Kürze beginnt Nissan in den USA mit der Produktion von Elektroautos im großen Stil. Doch während das neue 1,6-Milliarden-Dollar-Werk in Smyrna/Tennessee fast fertig ist, bleibt der Markt für E-Autos deutlich hinter den Erwartungen zurück. Manche Unternehmen überdenken ihre Elektro-Strategie.

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München. In Kürze beginnt Nissan in den USA mit der Produktion von Elektroautos im großen Stil. Doch während das neue 1,6-Milliarden-Dollar-Werk in Smyrna/Tennessee fast fertig ist, bleibt der Markt für E-Autos deutlich hinter den Erwartungen zurück. Manche Unternehmen überdenken ihre Elektro-Strategie. So hat Toyota Ende September seine Pläne zum Verkauf des elektrischen Scion eQ verschoben. Batterielieferant A123 Systems kündigte an, seine Lithium-Ionen- Akkus künftig für weitere Einsatzzwecke wie Start-Stopp-Systeme anbieten zu wollen, weil sich die Perspektiven geändert hätten. Der Plug-in-Day auf dem Gelände der Nissan-Zentrale in der Nähe von Nashville spiegelte die enttäuschende Marktentwicklung eindrucksvoll wider: Bei der Parade durch die Stadt fuhren nur rund 50 Elektroautos mit. Leaf- Fahrer schwärmten zwar von ihrem Auto, aber es gibt von ihnen einfach nicht besonders viele.
Unterdessen laufen in Smyrna letzte Vorbereitungen für den Produktionsstart des Leaf. Nissan will hier 150.000 Leaf und 200.000 Lithium-Ionen-Batteriemodule pro Jahr herstellen. Experten erscheint dies unrealistisch. „Die Nachfrage nach Elektroautos wird vor Ende dieses Jahrzehnts nicht einmal in die Nähe von 200.000 Einheiten kommen", sagt etwa Michael Holman, Forschungsdirektor bei Lux Research in Boston. Auf dem Pariser Autosalon verteidigte Nissan-Chef Carlos Ghosn seinen Optimismus: „Die Kapazität in Smyrna ist dem Potenzial in den USA angemessen. Unsere Entscheidung fiel auf Grundlage einer langfristigen, nicht einer kurzfristigen Perspektive."
Doch der Absatz des Leaf läuft mau. Bis September hat Nissan nur 5212 E-Autos verkauft – weniger als in den ersten neun Monaten des Vorjahrs. Das Ziel von 20.000 Einheiten dürfte deutlich verfehlt werden. Beim Chevrolet Volt mit Plug-in-Hybridantrieb sieht es nicht besser aus. Statt der 45.000 für 2012 geplanten Einheiten hat General Motors bisher erst 16.348 Fahrzeuge abgesetzt. GM hat die Prognose inzwischen zurückgeschraubt und die Produktion im September ausgesetzt. Für die schwache Nachfrage sorgen vor allem die hohen Preise für Elektroautos, die nicht ganz so steil wie befürchtet gestiegenen Benzinpreise, der gesunkene Verbrauch konventioneller Autos und Qualitätsprobleme beim Volt und beim Fisker Karma. Ghosn hingegen macht fehlende Ladestationen für die Kaufzurückhaltung verantwortlich: „Die Kunden machen sich Sorgen wegen der Infrastruktur." Dass der Absatz von Elektroautos und Plug-in-Fahrzeugen steigen wird, ist unstrittig. Doch geschehe dies langsamer, als die Automobilindustrie hofft, sagt Mike Omotoso vom britischen Marktbeobachter LMC Automotive. Zumal erst jetzt die eigentliche Überzeugungsarbeit beginne: „Den ersten Leaf- und Volt- Käufern war der Preis egal, sie wollten die Technologie. Dies ist bei der nächsten Kundenwelle nicht der Fall."
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