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Gewinn von Daimler und Mercedes bricht ein
Mercedes-Stern: Der operative Gewinn der Pkw-Sparte des Daimler-Konzerns ging auf 975 Millionen Euro von 1,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum zurück.
(Foto: Daimler)
Autor:
Matthias Krust
mkrust@craincom.de
Donnerstag, 25. Oktober 2012, 07.44 Uhr
Der Stuttgarter Autohersteller Daimler hat im dritten Quartal in allen Sparten einen Rückgang der operativen Ergebnisse verzeichnet und rechnet auch im Gesamtjahr mit einem schwächeren Konzerngewinn. Bis Ende 2014 will die Pkw-Sparte zwei Milliarden Euro zusätzlich sparen, um den Ertrag zu stabilisieren.

Spartenprognosen und Margenziele/ "Fit for Leadership"
Die korrigierten EBIT-Prognosen der Sparten für 2012 und die Margenziele:
Mercedes-Benz Cars: rund 4,4 (Vorjahr 5,192) Milliarden Euro
Margenziel: 10 (Vj 9,0) Prozent (Vj
Daimler Trucks: rund 1,7 (Vj 1,876) Milliarden Euro
Margenziel: 8 ( Vj 6,5) Prozent
Daimler Vans: rund 650 (Vj 835) Millionen Euro
Margenziel: 9 (Vj 9,2)Prozent
Daimler Buses: minus 80 Millionen Euro (Vj plus 162 Millionen Euro)
Margenziel: 6 (Vj 3,7) Prozent
Financial Services: rund 1,3 (Vj 1,312) Milliarden Euro
Margenziel: Eigenkapitelrendite 17 (Vj 25,5) Prozent
 
Das Sparprogramm "Fit for Leadership":
Daimlers Sparprogramm «Fit for Leadership» ist als eine Art Zwei-Stufen-Modell angelegt. Kurzfristig will der Autobauer dadurch in seiner Pkw-Sparte bis 2014 rund 2 Milliarden Euro sparen, die Hälfte davon bereits im kommenden Jahr. In den darauffolgenden Jahren möchte der Konzern dann weiter von den eingeleiteten Sparmaßnahmen profitieren.
Entlassungen sind Daimler zufolge dabei vorerst kein Thema. Generell kommt die Größe der Belegschaft aber auf den Prüfstand: Nach Angaben von Finanzvorstand Bodo Uebber werden manche freiwerdende Stellen möglicherweise nicht neu besetzt. Zudem könnten Mitarbeiter über Regelungen für eine Altersteilzeit das Unternehmen verlassen.
Langfristig sollen durch «F4L» - wie das Vorhaben intern genannt wird - die Strukturen des Konzerns verbessert werden. Konkret will der Autobauer Entwicklung, Produktion und Vertrieb effizienter machen. Dazu plant der Konzern auch auf dem für ihn problematischen Wachstumsmarkt China Veränderungen. Unter anderem soll dort aus zwei Vertriebsgesellschaften eine werden.
Stuttgart. Daimler verfehlt auf breiter Front seine Gewinnziele und will mit Sparprogrammen gegensteuern. Trotz eines Umsatzzuwachses von acht Prozent auf 28,6 Milliarden Euro im Konzern ging der operative Gewinn im dritten Quartal leicht auf 1,921 Milliarden Euro zurück. Der Nettogewinn brach um elf Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein. Weil sich die Konjunktur weiter eintrübt, musste der Stuttgarter Autohersteller seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr senken und kassierte gleichzeitig die für 2013 avisierten Renditeziele ein. "Aufgrund der konjunkturellen Herausforderungen wird Daimler zwar in diesem Jahr das hohe Vorjahres-EBIT nicht erreichen, aber dennoch ein gutes Ergebnis einfahren", so Daimler-Chef Dieter Zetsche bei Bekanntgabe der Zahlen zum dritten Quartal. Im Gesamtjahr rechnet Daimler nun mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von rund acht Milliarden Euro. Ursprünglich sollte das Vorjahresniveau von 8,755 Milliarden Euro wieder erreicht werden. Insbesondere die Pkw-Sparte kam im dritten Quartal unter die Räder: Der operative Gewinn ging um elf Prozent auf 975 Millionen Euro zurück. Die Marge schwächte sich von 8,0 auf 6,4 Prozent ab. Auf Jahressicht prognostiziert Mercedes-Benz Cars ein EBIT von rund 4,4 Milliarden Euro - rund 800 Millionen Euro weniger als zu Jahresanfang in Aussicht gestellt.
Die Anleger reagierten auf die Ankündigungen mit Verkäufen: Gegen 10:00 Uhr notiert die Daimler-Aktie mit 3,5 Prozent im Minus bei 36,47 Euro, während der Dax um 0,5 Prozent zulegt.
Außerdem hat Daimler eingeräumt, dass das ursprünglich für 2013 angestrebte Margenziel von zehn Prozent nicht zu schaffen ist. "Wir können die Markteinflüsse nicht ignorieren", so Finanzchef Bodo Uebber in einer Telefonkonferenz. Nun soll das Sparprogramm "Fit for Leadership" bis Ende 2014 zwei Milliarden Euro an Kosteneinsparungen bringen. Dazu kalkuliert das Unternehmen mit einem zusätzlichen Umsatzpotenzial durch neue Modelle. "Kurzfristig geht es darum, das Ergebnis zu stabilisieren", so Uebber mit Blick auf die kommenden zwei Jahre. Dabei hat er ein Renditeniveau von rund sieben Prozent im Blick. Im vierten Quartal dürfte der Gewinn der Pkw-Sparte auf 850 Millionen Euro zurückgehen. Als Grund dafür nannte der Finanzchef Stützungszahlungen an die chinesischen Händler. Deren Profitabiltät sei Anfang des Jahres durch Engpässe bei der Fahrzeugbelieferung zurückgegangen. Dies werde nun ausgeglichen. Die Hälfte des angepeilten Sparvolumens soll schon im kommenden Jahr realisiert werden. Erreicht werden soll dies unter anderem durch den sozialverträglichen Stellenabbau mit Abfindungsprogrammen und Altersteilzeit, Effizienzsteigerungen in der Fertigung, die Senkung der Materialkosten und durch die Neuausrichtung des China-Geschäfts. Langfristig soll die Sparte verschlankt und effizienter werden.
Dabei steht auch die Verringerung der eigenen Wertschöpfung auf dem Prüfstand - laut Uebber allerdings nur im Einzelfall und nicht im Grundsatz. Mit dem Programm will Mercedes-Benz Cars bis 2020 wieder der absatzstärkste und profitabelste Premiumhersteller der Welt sein. Dazu müssen die Stuttgarter allerdings die Konkurrenten BMW und Audi überholen. Dies hält Uebber für machbar, denn der Abstand zu den Wettbewerbern ist seiner Ansicht nach in drei Punkten begründet: Mercedes hat Lücken im Produktportfolio - so fehlt etwa ein kleiner SUV wie der X1 von BMW. Die Modellpalette ist heute vergleichsweise veraltet. Und in China sind die Stuttgarter mit ihrer zweigeteilten Vertriebsorganisation für lokal produzierte und importierte Fahrzeuge schlecht aufgestellt. Im vergangenen Jahr hat Audi eine Marge von 12,1 und BMW von 11,8 Prozent erreicht. Mercedes kam auf 9,0 Prozent.
 

Alle Sparten unter Druck
Auch die anderen Sparten des Daimler-Konzerns wiesen im dritten Quartal rückläufige Gewinne aus. Das EBIT der Trucks sank um neun Prozent auf 507 Millionen Euro und die Rendite somit von 7,3 auf 6,3 Prozent. Auch die Lkw-Sparte hat nun ein Programm zur Kostenseinsparung und Umsatzsteigerung aufgelegt: Bis Ende 2014 soll ein Effekt von 1,6 Milliarden Euro erzielt werden - davon entfallen 70 Prozent auf Einsparungen. Auch hier will Daimler schon 2013 erhebliche Teile realisieren. Bei den Transportern brach der Gewinn um 63 Prozent auf 75 Millionen Euro ein (Rendite 3,6 nach 9,0 Prozent). Die Bus-Sparte - ohnehin ein Sanierungsfall - rutschte mit 45 Millionen Euro ins Minus. Die Finanzdienstleistungen wiesen ein Minus von vier Prozent auf 322 Millionen Euro aus. Aufgrund der "deutlichen Eintrübung des Marktumfelds" korrigierte Daimler die Gewinnziele aller Divisionen mit Ausnahme der Financial Services nach unten. Die Renditeziele, die alle 2013 erreicht werden sollten, wurden kassiert, ein neuer Zeitpunkt nicht genannt. "Die Erreichung der Ziele ist sehr viel herausfordender geworden. Wir gehen aber davon aus, dass wir sie zu einem späteren Zeitpunkt erreichen. Die Weichen dafür haben wir bereits gestellt", so Uebber.
Im Konzern peilen die Stuttgarter im laufenden Jahr einen Umsatz von deutlich über 110 Milliarden Euro an. Zum Nettogewinn wollte sich Uebber nicht äußern. Im dritten Quartal hat Daimler 200 Millionen Euro Cash verbrannt, was unter anderem mit dem Aufbau von Beständen für die neue A-Klasse begründet wurde. In den ersten neun Monaten summiert sich der Mittelabfluss auf 1,2 Milliarden Euro. Uebber betonte aber, dass der Konzern mit einer Nettoliquidität von 8,2 Milliarden Euro "solide" aufgestellt sei. An der Dividendenpolitik will er festhalten. Im vergangenen Jahr hat Daimler einen Umsatz von 106 Milliarden Euro und ein EBIT von 8,755 Milliarden Euro eingefahren. Der Nettogewinn lag bei 6,0 Milliarden Euro. Es wurde eine Dividende von 2,20 Euro pro Aktie gezahlt. "Wir sind heute noch nicht da, wo wir mit Daimler mittel- und langfristig hinwollen. Wir haben aber einen klaren Plan über den ganzen Konzern hinweg. Daran arbeiten wir mit Hochdruck", so Uebber.
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