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Dürr baut Abluftanlagen für Kohleminen
Dürr-Finanzvorstand Ralph Heuwing: Der Manager will bis 2015 mit der neuen Sparte Umwelttechnik einen Umsatz von 200 Millionen Euro erreichen. (Foto: Dürr)
Der Lackieranlagenspezialist steigt in ein neues Wachstumsgeschäftsfeld ein. Die Sparte Umwelttechnik hat eine Abluftreinigungsanlage entwickelt, die anfallendes Methan im Bergbau verbrennt und so Strom erzeugt.
Die Werke internationaler Hersteller in China befinden sich hauptsächlich an der Ostküste des Landes.
Bietigheim-Bissingen. Die Dürr AG baut die Nicht-Automotiven Geschäftsaktivitäten weiter aus. Künftig will der Lackieranlagenspezialist Abluftreinigungsanlagen für Kohlebergwerke anbieten. Dazu hat das Unternehmen eine Anlage des Typs VAM-RTO entwickelt, die methanhaltige Abluft (Ventilation Air Methan - VAM) absaugt. Das Gas wird anschließend verbrannt. Wird eine Dampfturbine angekoppelt kann damit Strom erzeugt werden. Bisher erhielt Dürr je einen Auftrag aus China und den USA für diese Technologie. "Die zunehmende Bedeutung des Umweltschutzes und der Energieeffizienz schafft neue Märkte für bewährte Dürr-Technologien. Mit unseren VAM-RTO's können wir an diesem Trend partizipieren und weiteres Wachstum im Bereich Clean Technology Systems generieren. In den nächsten Jahren rechnen wir mit einer ganzen Reihe weiterer Aufträge für Anlagen zur Abreinigung von Methangas", so Ralph Heuwing, Finanzvorstand der Dürr AG und zuständig für die Umwelttechnik-Sparte Clean Technology Systems. Der im M-Dax notierte Konzern erzielt heute gut 80 Prozent seines Umsatzes von 1,9 Milliarden Euro mit der Autoindustrie. Zur Unternehmenstrategie gehört der Ausbau des Nicht-Automotiven-Geschäfts nicht zuletzt mit Verfahren zur Verbesserung der Energieeffizienz und der Abluftreinigung. Der Maschinen- und Anlagenbauer aus Bietigheim-Bissingen hat Anfang 2011 die Sparte Clean Technology Systems gegründet und dort bestehende Aktivitäten wie die Wärmerückgewinnung gebündelt, die aus der Abluftreinigungstechnik hervorgegangen ist. Künftig soll das Portfolio durch Akquisitionen von kleineren Unternehmen mit Know-how zum Thema Energieeffizienz ausgebaut werden. Die Spare soll bis 2015 einen Umsatz von über 200 Millionen Euro erreichen, nachdem 2011 knapp 90 Millionen Euro erzielt wurden.
Größtes Potenzial in China Beim Untertageabbau von Steinkohle wird Methangas freigesetzt, das in den Kohleflözen enthalten ist. Um Explosionen zu vermeiden, werden die Gruben kontinuierlich belüftet. Die methanhaltige Abluft, die durch das Lüftungssystem ausgetragen wird, wird in der Regel unbehandelt an die Atmosphäre abgegeben. Dies ist zwar laut Dürr in den meisten Ländern heute noch zulässig, allerdings trügen Methanemissionen ungefähr 21 Mal stärker zur globalen Erwärmung bei als die gleiche Menge CO2.
Die von Dürr entwickelte VAM-RTO-Technologie erlaubt nach eigener Aussage einen nachhaltigen und wirtschaftlichen Umgang mit dem Methan. Der regenerativ-thermische Oxidationsprozess (VAM-RTO), in dem das Gas bei rund 1000 Grad Celsius verbrannt wird, verringert die Emissionen dem Hersteller zufolge erheblich. Bei Ankopplung einer Dampfturbine kann Strom für den Minenbetrieb oder die Einspeisung in das Stromnetz gewonnen werden. In vielen Ländern lassen sich ferner Erträge aus Emissionszertifikaten erzielen. In der Provinz Shanxi, dem größten Kohlerevier Chinas, hat Dürr zuletzt einen VAM-RTO-Auftrag im Wert von über zehn Millionen Euro erhalten. Im Bergwerk Gao He wird Dürr bis März 2013 zwölf RTO-Module für die Methangasentsorgung installieren.
Einen kleineren Auftrag erhielt Dürr bereits im Vorjahr in den USA. Für eine Steinkohlemine in West Virginia lieferte der Konzern drei RTO-Module, mit denen pro Jahr rund 320.000 Tonnen CO2-Äquivalente abgereinigt werden.
Das größte Potenzial sieht das Unternehmen in China, wo Steinkohle erheblich zur Deckung des wachsenden Energiebedarfs beiträgt. Gemäß dem aktuellen Fünfjahresplan sollen die Schadstoffemissionen um 16 bis 17 Prozent gesenkt werden.
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