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Klartext - Wie eigenständig darf Audi noch sein?
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 03. September 2012, 00.03 Uhr
Zum Selbstverständnis der Marke Audi gehörte schon immer ein hohes Maß an Eigenständigkeit gegenüber der Konzernzentrale in Wolfsburg. Legendär ist die Geschichte des ersten Audi, der insgeheim entwickelt wurde und das Überleben der Marke sicherte. Aber auch in der neueren Geschichte, von der vollverzinkten Karosserie bis zum Zwölfzylinder- Diesel, waren es immer wieder "Schwarzbauten“, mit denen sich Audi gegen die Wolfsburger abgrenzen konnte. Offenbar ging der Zentrale die Eigenständigkeit in jüngster Zeit zu weit. Wie viel davon wird sich Audi künftig noch erlauben können?

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Im VW-Konzern macht derzeit folgender Scherz die Runde: Erwähnt jemand das Wort "Audi-Führungskrä­fte", sagt ein anderer: "Gibt es denn noch Audi-Führungskrä­fte?" – und hat die Lacher auf seiner Seite. Tatsächlich sitzt im siebenköpfigen Audi-Vorstand ab sofort nur noch ein Mitglied, das man als waschechten Audianer bezeichnen könnte: Produktionsvorstand Frank Dreves gehört dem Unternehmen – mit kurzem Zwischenstopp bei Seat – seit Jahren an. Die anderen haben sich ihre Meriten in den Weiten des VW-Konzerns oder außerhalb erworben. Heute ist der erste Arbeitstag für drei neue Audi-Vorstände. Das Wort von VW-Patriarch Ferdinand Piëch, man habe "auswärts keine besseren gefunden", um die Führungspositionen im VW-Konzern neu zu besetzen, mag für die Gruppe insgesamt gelten.
Die neuen Audi-Vorstände jedoch, Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer, Vertriebsvorstand Luca de Meo und Einkaufschef Bernd Martens, sind aus Sicht von Audi externe, von VW entsandte Manager. Ein hohes Maß an Eigenständigkeit gegenüber der Konzernzentrale in Wolfsburg, das gehörte immer zum Selbstverständnis der Marke. Legendär ist die Geschichte des ersten Audi, der insgeheim entwickelt wurde und das Überleben der Marke sicherte. Aber auch in der neueren Geschichte, von der vollverzinkten Karosserie bis zum Zwölfzylinder- Diesel, waren es immer wieder "Schwarzbauten", mit denen sich Audi gegen die Wolfsburger abgrenzen konnte. Offenbar ging der Zentrale die Eigenständigkeit in jüngster Zeit zu weit. Wie viel davon wird sich Audi künftig noch erlauben können?
Vor allem auf Dürheimer lastet diesbezüglich ein großer Erwartungsdruck seitens seiner neuen Mitarbeiter im Audi-Forschungs- und Entwicklungszentrum. Wird er es schaffen, der Marke auch in Zeiten konzernweit genutzter Baukästen ein hohes Maß an technischer Exklusivität zu erkämpfen? Das ist die entscheidende Frage, nicht nur für die Stimmung in Ingolstadt und Neckarsulm, sondern auch für den Erfolg der Premiummarke. In Zweifelsfällen könnte es helfen, Piëch daran zu erinnern, wie er selbst als Audi-Chefentwickler ein ums andere Mal die Grenzen der Konzernräson ausgereizt und überschritten hat. Audi hat es nicht geschadet.
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