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Kommentar: Ohne Dürr kein Lack
Lackiervorgang bei Dürr: Der Anlagen- und Maschinenbauer Dürr trotzt auch weiterhin der Euro-Schulden-Krise. Auftragseingang, Umsatz und Gewinn sind gestiegen - teils sogar deutlicher als von Experten erwartet.
(Foto: Dürr)
Autor:
Matthias Krust
mkrust@craincom.de
Mittwoch, 01. August 2012, 13.52 Uhr
Der schwäbische Lackieranlagenhersteller hat weltweit keine ernstzunehmenden Konkurrenten mehr. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der erfolgreichen Arbeit von Dürr-Chef Ralf Dieter und Finanzvorstand Ralph Heuwing.

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Stuttgart. Während die Staatsschuldenkrise die meisten europäischen Volumenhersteller in die roten Zahlen drückt, der brasilianische Pkw-Markt schwächelt und sich die Aussichten in China eintrüben, fährt die Dürr AG einem neuem Rekordjahr entgegen. Der Auftragsbestand ist so hoch, dass die Kapazitätsauslastung beim schwäbischen Lackieranlagenspezialisten und Maschinenbauer bis weit in das kommende Jahr gesichert ist. Wie kann das sein? Und warum ist Dürr-Chef Ralf Dieter so zuversichtlich, dass das Wachstum noch viele Jahre weiter geht? Was auf den ersten Blick wie eine Prognose eines tollkühnen Dotcom-Start-ups anmutet, ist auf den zweiten Blick durchaus plausibel.
Zusammen mit Finanzvorstand Ralph Heuwing hat es der Manager seit seinem Amtsantritt im Januar 2006 geschafft, aus einem hochverschuldeten Übernahmekandidaten ein innovatives, profitables und weltweit aufgestelltes Unternehmen zu formen. Frühzeitig hat Dürr umweltschonende und energieeffiziente Lackiertechnik entwickelt. Dazu baut der M-Dax-Konzern im Gegensatz zur Konkurrenz eigene Lackierroboter, die laut Dieter einen Innovationsvorsprung von mindestens zwei Jahren haben. In den Krisenjahren 2008 und 2009 investierte der Manager massiv in den Kapazitätsaufbau vor allem in China und steckte hohe Summen in eine Konzern-IT, die eine globale Auftragsbearbeitung rund um die Uhr ermöglicht. Damit werden die Auslieferungszeiten gesenkt und die Effizienz erhöht.
Ergebnis: Die seit Jahrzehnten traditionellen Konkurrenten haben weltweit betrachtet den Anschluss verloren: Der Familienkonzern Eisenmann aus Böblingen bei Stuttgart verschlief den boomenden chinesischen Markt völlig und ist dort praktisch nicht präsent. Mit dem japanischen Unternehmen Parker schloss Dürr eine strategische Partnerschaft und beteiligte sich mit zehn Prozent. Dadurch wollen die Schwaben zunehmend japanische Hersteller als Kunden gewinnen und auch im nächsten Wachstumsmarkt Südostasien Fuß fassen. Auch wenn Dürr offiziell nur einen Weltmarktanteil bei Lackieranlagen von 50 Prozent für sich reklamiert: Faktisch ist das Unternehmen Monopolist.
Entsprechend profitiert Dürr vom rasanten Kapazitätsausbau der Autoindustrie außerhalb Europas und gleichzeitig vom Ersatzbedarf in der Heimatregion, den steigende Umweltauflagen und hohe Energiepreise schaffen. Solange die mittelfristige Prognose mit einer Zunahme der Pkw-Produktion um global 27 Millionen Einheiten in den kommenden fünf Jahren nicht zusammenbricht, gibt es also keinen Grund, an den Wachstumsaussichten des Lackieranlagenherstellers zu zweifeln. Richtig betrachtet ist die Situation genau umgekehrt: Die Autoindustrie kann den Ausbau der Kapazitäten nur schaffen, wenn Dürr die Auftragsflut zeitgerecht bewältigen kann. Ohne Dürr keinen Lack. (Foto: Dürr)
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