NEU: ePaper
NEU: Jobsjobs.automobilwoche.de
Benutzeranmeldung:
VW-Chefingenieur: "CO2-Ziele sind Herausforderung"
Ulrich Hackenberg: "Wir werden unsere Technologie so weiterentwickeln, dass wir die Ziele auch erreichen können."
(Foto: VW)
Autor:
Henning Krogh
hkrogh@craincom.de
Donnerstag, 19. Juli 2012, 15.31 Uhr
Der Entwicklungschef von Volkswagen will die technischen Anstrengungen seiner Teams auf breiter Front forcieren, um den Autohersteller auf die von der EU geplante Verschärfung der CO2-Grenzwerte einzustellen. "Wir werden unsere Technologie so weiterentwickeln, dass wir die Ziele auch erreichen können", sagte Ulrich Hackenberg am Rande einer VW-Erprobungsfahrt in China. Doch die damit verbundenen Projekte, räumte der Topmanager ein, "sind eine Herausforderung".

Hintergrunddaten zum Thema:
11/2013
In Europa gelten aktuell und auch in Zukunft die strengsten CO2-Grenzwerte.

01/2013
In Zukunft soll jeder zehnte Ford ein SUV sein. Auch Elektro- und Hybrid-varianten sind geplant.

11/2013
Aktueller durchschnittlicher Verbrauch der Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes in China und Ziele in den Jahren 2015 und 2015

Chengdu (China). Der Entwicklungschef von Volkswagen will den Fahrzeuganbieter schnellstmöglich auf schärfere Bestimmungen rund um das Klimagas Kohlendioxid ausrichten, wie sie die Europäische Union jüngst angeschoben hat. "Die CO2-Ziele sind eine Herausforderung", erklärte Ulrich Hackenberg bei einer Vorstandsabnahmefahrt von für den chinesischen Markt vorgesehenen Modellen. "Nicht nur für uns, sondern für alle Autobauer". Zugleich zeigte sich der Topmanager mit Blick auf das eigene Unternehmen zuversichtlich: "Wir werden unsere Technologie so weiterentwickeln, dass wir die Ziele auch erreichen können", bekräftigte Hackenberg in der Metropole Chengdu im Gespräch mit Automobilwoche.

Den Hebel ansetzen will Volkswagen dabei an mehreren neuralgischen Punkten. Motorseitig, so Hackenberg, biete etwa eine intensive Beschäftigung mit dem Verbrennungsprozess noch erhebliches Potenzial zur CO2-Reduzierung. Dies gelte ebenso für ergänzende Konzepte wie Zylinderabschaltung. "Aber auch Hybride werden eine Rolle spielen", fügte der VW-Chefingenieur an. Überdies würden sich seine Entwicklungsteams "gezielt allen wichtigen Widerstandswerten widmen", etwa der Verringerung des Luftwiderstands.

Umkehrung der Gewichtsspirale
Von hoher Bedeutung bei der Umsetzung verschärfter CO2-Richtlinien ist nach Hackenbergs Analyse zudem die Senkung des Fahrzeuggewichts. "Wir beschäftigen uns intensiv mit Leichtbau", so Hackenberg, "dabei steht die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs an erster Stelle". Der Hintergrund: Aufgrund wachsender Kundenanforderungen und immer strengerer Sicherheitsauflagen nehmen neue Pkw-Generationen im Vergleich zum Vorgänger oftmals an Gewicht zu. Hackenberg: "Denken Sie nur an den zunehmend verbreiteten Wunsch nach großflächigen und damit schweren Panoramadächern aus Glas".

Beim neuen Golf, der Ende dieses Jahres startet, wird VW laut Hackenberg eine "negative Gewichtsspirale realisieren, im positiven Sinne". Im Vergleich zum aktuellen Golf VI fällt die siebte Generation des Volumenmodells demnach "um bis zu 100 Kilogramm leichter aus" (Hackenberg). Möglich wird dies unter anderem durch den verstärkten Einsatz hochfester Stähle. Dabei werden Tiefziehbleche vor dem Pressvorgang auf rund 900 Grad Celsius erhitzt; die dann folgende Warmumformung ermöglicht vergleichsweise feste Metallstrukturen – und damit dünnere Blechstärken nebst niedrigerem Materialgewicht.



Weltstandard mit Korrekturfilter
Planspielen in der Autoindustrie, die auf einen weltweit gültigen Standard zur Verbrauchs- und Emissionsermittlung abzielen, steht Hackenberg mit gemischten Gefühlen gegenüber. "Prinzipiell wäre das eine gute Sache, da es uns nun mal allen mühsame Arbeit bereitet und viel Geld kostet, neue Motoren je nach Land auf die unterschiedlichsten Zyklen abstimmen zu müssen". Auf der anderen Seite, gibt Hackenberg zu bedenken, hätten sich VW und seine Wettbewerber über die Jahre auf die jeweiligen Zyklen und die damit verbundenen Verbrauchsergebnisse eingerichtet: "Wenn dann eine völlig andere Bemessungsgrundlage installiert würde", so der VW-Entwicklungschef, "müsste man auch einen entsprechenden Korrekturfilter einbauen".

Ob mit herkömmlichen Messverfahren begleitet oder von völlig neuen Standards – die absehbar strengeren CO2-Vorgaben der EU halten Hackenbergs Mannschaft fraglos unter Dampf, stellen den Chefingenieur und seine Experten aber keinesfalls vor unlösbare Probleme. "Die stetige Senkung von Verbrauch und CO2-Emissionen sind eine Herausforderung, mit der wir uns schon lange beschäftigen", sagt das Mitglied des Volkswagen-Markenvorstands. "Wir intensivieren unsere Bemühungen", fügt Ulrich Hackenberg an. "Und wir sind auf einem guten Weg". (Foto: Volkswagen)




Kommentare zum Artikel:
Weiterführende Links:
VW stößt groß auf kleinen "Motor des Jahres" an
Beim diesjährigen "Engine of the Year Award“ hat eine TSI-Maschine im Sektor 1,0 bis 1,4 Liter Hubraum erneut gewonnen. Die ... » mehr lesen

VW prüft Erdgas-Option für China
Das Reich der Mitte ist der wichtigste Absatzmarkt des Wolfsburger Konzerns – und der Betrieb von Verbrennungsmotoren mit... » mehr lesen

VW lüftet Geheimnisse um den XL 1
Der Start des seit Jahren mit Spannung erwarteten Ein-Liter-Autos von Volkswagen rückt in greifbare Nähe. Das windschnittige... » mehr lesen

"Nutzfahrzeuge bei klassischen Schadstoffen schon 'nahe Null'"
VDA-Präsident Matthias Wissmann hebt im Vorfeld der Nutzfahrzeug-IAA große Fortschritte bei der Umweltverträglichkeit von Trucks... » mehr lesen

Gros der Autofahrer für niedrigere Besteuerung von Kraftstoffen
Spritpreise auf Rekordniveau machen den Nutzern von Kraftfahrzeugen zunehmend zu schaffen. Eine Mehrheit der Deutschen plädiert... » mehr lesen

Deutsche Autohersteller wollen CO2 ansparen
Nach Informationen der Automobilwoche schlagen die deutschen Autohersteller ein Gutschrift-System für CO2-Emissionen vor, mit dem ... » mehr lesen

VW eröffnet neues Werk in China
Der VW-Konzern setzt seine Offensive in China fort und erweitert die Produktionskapazitäten, um die künftige Nachfrage bedienen... » mehr lesen

"Chinesische Kunden gewinnen an Einfluss"
Gerrit Marx, Chef der tschechischen VW-Marke Skoda in China, erwartet eine weiter rasch steigende Bedeutung des Reichs der Mitte... » mehr lesen

Rußfilter-Förderung soll weitergehen
Der für die Nachrüstung von Partikelfiltern in älteren Diesel-Fahrzeugen vorgesehene Fördertopf ist nach Angaben des ADAC-Angaben ... » mehr lesen

VW zeichnet Lieferanten aus
Seine besten Lieferanten hat der Volkswagen Konzern am Mittwoch mit dem "Volkswagen Group Award 2012" ausgezeichnet. Der Vorstand ... » mehr lesen

Volkswagen im Großkundengeschäft erfolgreich
Im ersten Halbjahr wurden 93.635 Fahrzeuge der Volkswagen-Konzernmarken VW, Audi, Skoda und Seat im deutschen Großkundenmarkt neu ... » mehr lesen

Volkswagen weiter auf Wachstumskurs
Volkswagen fährt mit seiner Kernmarke Volkswagen Pkw weiterhin auf Erfolgskurs. Im ersten Halbjahr stieg der weltweite Absatz um... » mehr lesen

Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
9902
Leser
Das Automatikgetriebe macht Volkswagen Probleme: Nach Rückrufaktionen im großen Stil in China und Japan müssen nun auch in Australien Autos wieder in die Werkstatt. Der Konzern sieht keine Alternative zum Werkstattbesuch. Auslöser der Probleme sind verstopfte, heiße Großstadtdschungel.
8653
Leser
Werkstätten und Kunden des Premiumherstellers BMW müssen derzeit teilweise wochenlang auf Ersatzteile warten. Grund ist eine Software-Umstellung.
5177
Leser
Die Porsche Holding ist wieder ganz im Familienbesitz: Der Staatsfonds des Emirats Katar hat seinen Anteil von zehn Prozent an der Porsche SE an die beiden Familien Porsche und Piech verkauft.
5147
Leser
Neuer Vorstand für Produktion bei Jaguar Land Rover wird Wolfgang Stadler. Der 55-Jährige ist bisher Leiter des BMW-Werks in Dingolfing.
2714
Leser
Der Chef der weltweiten Marketing-Kommunikation bei Volkswagen, Giovanni Perosino, wechselt zur Konzerntochter Audi nach Ingolstadt.
2434
Leser
Die Europäische Union hat Deutschland eine Frist gesetzt: Zehn Wochen hat die Bundesregierung einem Medienbericht zufolge Zeit, die Einhaltung der Richtlinie zum Kältemittel in Klimaanlagen sicherzustellen – danach droht ein Verfahren.
2181
Leser
Etwa 100.000 Personen haben sich weltweit bereits für eine Probefahrt mit dem Elektroauto BMW i3 angemeldet, wie Vertriebsvorstand Ian Robertson auf dem Kongress der Automotive News Europe in Paris bekanntgab.
2089
Leser
Beim Stuttgarter Automobilhersteller ist die erste Limousine der neuen S-Klasse-Baureihe vom Band gelaufen. Zum Produktionsstart zeigte sich Daimler- und Mercedes-Chef Dieter Zetsche zuversichtlich, das Absatzvolumen ausweiten zu können. Der neue Produktionsvorstand Andreas Renschler will das Werk Sindelfingen zu einem der effizientesten Standorte im Mercedes-Verbund machen.
2022
Leser
Fondsmanager Michael Muders von Union Investment hat sich in einem Interview vehement gegen ein weiteres Engagement von Mercedes ausgesprochen: "Mercedes muss raus aus der Formel 1."
1905
Leser
Der ZDK-Präsident will sich im kommenden Jahr nicht mehr zur Wahl stellen