Logo automobilwoche
Automotive News: Flag US Flag EU Flag CN

Es ist ganz klar, in welche Richtung die neue Allianz zwischen BMW und Toyota zielt. Es ist Volkswagen. Denn der VW-Konzern mit seiner Premiummarke Audi hat im Wettbewerb mit BMW einen schwer aufzuholenden Vorteil: Innovationen können dort über Stückzahlen amortisiert werden, die fünfmal so hoch sind wie bei BMW. Mit dem gleichen Nachteil muss auch Daimler leben. Die Stuttgarter machen zwar wegen ihres Lkw-Geschäfts deutlich mehr Umsatz als BMW. Doch bei den Stückzahlen im Pkw-Bereich spielen sie in der gleichen Liga wie BMW.

Deshalb ist die Allianz zwischen Toyota und BMW ein kluger Schachzug von Norbert Reithofer. So können die Kosten für Leichtbau und alternative Antriebe künftig nicht nur auf die 1,6 Millionen BMWs umgelegt werden, sondern auch auf acht Millionen Toyotas. Weiterer Vorteil für Reithofer: Er kann sich so von Allianzen mit PSA und General Motors verabschieden. Denn die Vielfalt der Gemeinschaftsprojekte, die BMW mittlerweile betreibt, wird langsam unübersichtlich und ist für die Entwickler im FIZ sicher kaum mehr zu handhaben. Zudem ist Peugeot finanziell so angeschlagen, dass man sich in der Automobilindustrie schon Sorgen macht, wie lange die Franzosen den Abfluss von Liquidität noch aushalten können.
 
Für Volkswagen birgt die vertiefte Zusammenarbeit zwischen BMW und Toyota gleich mehrere Gefahren: Toyota kann sich so mit der modernsten Diesel-Technologie ausstatten, um in Europa erfolgreicher als bisher gegen VW zu bestehen. Hier, wo jedes zweite Auto mit einem Diesel verkauft wird, waren die Japaner stets im Nachteil. Denn nur für den für sie wenig bedeutenden europäischen Markt mochten sie keine wettbewerbsfähigen Diesel-Motoren entwickeln. Die Strategie, stattdessen Hybrid-Modelle anzubieten, ist bisher aber nicht aufgegangen.


Höhere Stückzahlen reduzieren Verluste beim Leichtbau

Hier wiederum kann BMW sich bedienen. Denn die Japaner haben beim Thema Hybrid nach wie vor einen jahrelangen Entwicklungsvorsprung. Und die deutschen Wettbewerber stecken im gleichen Dilemma wie Toyota beim Diesel: Für den überschaubaren Hybrid-Markt in den USA eigene Antriebe zu entwickeln, rechnet sich einfach nicht. Und auf dem einzigen Markt, wo Hybrid ein Massenphänomen ist, in Japan, sind die deutschen Marken kaum vertreten.

Die Allianz mit Toyota auf das Thema Leichtbau auszuweiten macht ebenfalls Sinn: Die teure Karbon-Technik wird sich auf absehbare Zeit kaum amortisieren lassen. BMW wird mit den paar tausend i-Modellen, die das Unternehmen produzieren will, kaum in die schwarzen Zahlen kommen. Hier Toyota mit ins Boot zu holen, wird zumindest die Verluste reduzieren. Und für den Toyota-Rivalen VW ist es sicher schmerzlich, beim Leichtbau ausgerechnet von den - bis auf das Thema Hybrid - technologisch recht konservativen Japanern attackiert zu werden. Man darf gespannt sein, welchen Zug VW als nächstes macht.

comments powered by Disqus
Das könnte Sie auch interessieren:
Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
63064
Zugriffe
Klaus Franz war über viele Jahre Gesamtbetriebsratschef von Opel. Die Fusion mit PSA hätte nach seiner Meinung für Opel fatale Konsequenzen.
21202
Zugriffe
Ein Tesla-Fahrer hat einen anderen Wagen, dessen Fahrer bewusstlos geworden war, mit einem halsbrecherischen Manöver zum Stehen gebracht. Jetzt meldet sich Elon Musk.
17153
Zugriffe
Im Konflikt um die Zukunft von Leiharbeitern bei Volkswagen macht der Konzern anscheinend Zugeständnisse. Einem Bericht zufolge sollen 2000 Leiharbeiter bei VW eingestellt werden.
11680
Zugriffe
Er hat auf Wiedereinstellung geklagt und hat angeblich Beweise dafür, dass Audi-Chef Rupert Stadler schon 2012 und nicht erst 2015 vom Abgasbetrug wusste.
11318
Zugriffe
Der amerikanische Konzern General Motors denkt über einen Verkauf der deutschen Tochter Opel nach.
9394
Zugriffe
Die Führung von GM will Opel an PSA verkaufen. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte eigentlich einen fertigen Plan, wie es weitergehen sollte.
8343
Zugriffe
VW in Emden hat ein massives Problem: Bis zu 20.000 neue Passat können nicht fertig ausgestattet werden und müssen zwischengeparkt werden. Bloß wo?
7485
Zugriffe
Diese Woche hat Personal Air and Land Vehicle (PAL-V) offziell den Verkauf ihrer "fliegenden Autos" begonnen. Nur ein PR-Gag? Mitnichten.
6948
Zugriffe
Unter Mary Barra hat sich das Ziel von General Motors verändert. Statt schierer Größe zählt nun der Gewinn - und da war Opel in den vergangenen Jahren keine große Hilfe.
6739
Zugriffe
GM-Chefin Mary Barra hat sich in einem Brief an die Opel-Mitarbeiter gewandt und die Vorteile eines Verkaufs der Marke an PSA hervorgehoben.