Logo automobilwoche
Automotive News: Flag US Flag EU Flag CN

Blog:

Allianz gegen Volkswagen

Autor:

greinking@craincom.de
Guido Reinking ist seit 2006 Chefredakteur der Automobilwoche. Der Diplom-Politologe und Volkswirt arbeitete zuvor bei „Bild am Sonntag“, „Welt am Sonntag“ und der „Financial Times Deutschland“. Auch sein Hobby hat mit Autos zu tun: Oldtimer.

Es ist ganz klar, in welche Richtung die neue Allianz zwischen BMW und Toyota zielt. Es ist Volkswagen. Denn der VW-Konzern mit seiner Premiummarke Audi hat im Wettbewerb mit BMW einen schwer aufzuholenden Vorteil: Innovationen können dort über Stückzahlen amortisiert werden, die fünfmal so hoch sind wie bei BMW. Mit dem gleichen Nachteil muss auch Daimler leben. Die Stuttgarter machen zwar wegen ihres Lkw-Geschäfts deutlich mehr Umsatz als BMW. Doch bei den Stückzahlen im Pkw-Bereich spielen sie in der gleichen Liga wie BMW.

Deshalb ist die Allianz zwischen Toyota und BMW ein kluger Schachzug von Norbert Reithofer. So können die Kosten für Leichtbau und alternative Antriebe künftig nicht nur auf die 1,6 Millionen BMWs umgelegt werden, sondern auch auf acht Millionen Toyotas. Weiterer Vorteil für Reithofer: Er kann sich so von Allianzen mit PSA und General Motors verabschieden. Denn die Vielfalt der Gemeinschaftsprojekte, die BMW mittlerweile betreibt, wird langsam unübersichtlich und ist für die Entwickler im FIZ sicher kaum mehr zu handhaben. Zudem ist Peugeot finanziell so angeschlagen, dass man sich in der Automobilindustrie schon Sorgen macht, wie lange die Franzosen den Abfluss von Liquidität noch aushalten können.
 
Für Volkswagen birgt die vertiefte Zusammenarbeit zwischen BMW und Toyota gleich mehrere Gefahren: Toyota kann sich so mit der modernsten Diesel-Technologie ausstatten, um in Europa erfolgreicher als bisher gegen VW zu bestehen. Hier, wo jedes zweite Auto mit einem Diesel verkauft wird, waren die Japaner stets im Nachteil. Denn nur für den für sie wenig bedeutenden europäischen Markt mochten sie keine wettbewerbsfähigen Diesel-Motoren entwickeln. Die Strategie, stattdessen Hybrid-Modelle anzubieten, ist bisher aber nicht aufgegangen.


Höhere Stückzahlen reduzieren Verluste beim Leichtbau

Hier wiederum kann BMW sich bedienen. Denn die Japaner haben beim Thema Hybrid nach wie vor einen jahrelangen Entwicklungsvorsprung. Und die deutschen Wettbewerber stecken im gleichen Dilemma wie Toyota beim Diesel: Für den überschaubaren Hybrid-Markt in den USA eigene Antriebe zu entwickeln, rechnet sich einfach nicht. Und auf dem einzigen Markt, wo Hybrid ein Massenphänomen ist, in Japan, sind die deutschen Marken kaum vertreten.

Die Allianz mit Toyota auf das Thema Leichtbau auszuweiten macht ebenfalls Sinn: Die teure Karbon-Technik wird sich auf absehbare Zeit kaum amortisieren lassen. BMW wird mit den paar tausend i-Modellen, die das Unternehmen produzieren will, kaum in die schwarzen Zahlen kommen. Hier Toyota mit ins Boot zu holen, wird zumindest die Verluste reduzieren. Und für den Toyota-Rivalen VW ist es sicher schmerzlich, beim Leichtbau ausgerechnet von den - bis auf das Thema Hybrid - technologisch recht konservativen Japanern attackiert zu werden. Man darf gespannt sein, welchen Zug VW als nächstes macht.

comments powered by Disqus
Das könnte Sie auch interessieren:
Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
5798
Zugriffe
Eine so hohe Geldbuße haben Chinas Preiswächter noch nie verhängt. Diesmal trifft es japanische Autozulieferer. Aber auch gegen deutsche Autobauer wird ermittelt. Wann sind Audi und Daimler dran?
4018
Zugriffe
Die Kernmarke des VW-Konzerns liegt bei der Ertragskraft im internationalen Vergleich deutlich hinter Herstellern wie BMW, Toyota und Hyundai zurück. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Performance-Studie des Center of Automotive Management (CAM).
3155
Zugriffe
Die Bereitschaft für Ausbildung oder Job weit wegzuziehen ist bei den Deutschen sehr begrenzt.
3102
Zugriffe
Die Ingolstädter Ingenieure haben ein zweites Teilbordnetz mit einer Spannnung von 48 Volt entwickelt. Leistung und Effizienz der Fahrzeuge sollen damit erheblich gesteigert werden.
2846
Zugriffe
Fast durfte er schon aufatmen, nun kommt Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aber doch vor Gericht. Das Stuttgarter Oberlandesgericht meint, dass der Manager anders als vom Landgericht entschieden, doch auf die Anklagebank gehört.
2753
Zugriffe
Es ist ein prestigeträchtiger Titel: Größter Autokonzern der Welt. 2014 könnte er an VW gehen - laut einer Prognose. Der VW-Konzern profitiert vor allem von seiner Stärke auf dem Wachstumsmarkt China.
2230
Zugriffe
Spektakuläre Fahrszenen verspricht VW zur Markteinführung seines Sportwagens. Für den Scirocco haben die Wolfsburger ein interaktives Video entwickelt.
2119
Zugriffe
Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen ehemalige Verantwortliche der insolventen und inzwischen zerschlagenen Autowelt König erhoben.
1959
Zugriffe
Die achte Generation des Kompaktwagens VW Golf startet einem Bericht zufolge im Jahr 2017. Volkswagen wollte keine Stellungnahme zu dem Thema abgeben.
1912
Zugriffe
Die beiden ersten Modelle, die bei Opel mit Montagewerkzeugen aus dem 3-D-Drucker gefertigt werden, sind der Adam und der Adam Rocks. Es sollen in Zukunft noch mehr Modelle werden.