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Neue Halbleiter-Generation erobert Infotainmentsysteme
Autor: Axel Schmidt
Montag, 25. Juni 2012, 00.03 Uhr
Viele Jahre dümpelte die Nachfrage nach Halbleitern für Navigations- und Infotainmentsysteme dahin. Das wird sich schnell ändern: Mit dem Einzug des Internets im Auto werden die Infotainment-Chips ihr Nischendasein verlassen – es entsteht ein Volumenmarkt. „Wir erwarten ein Wachstum von etwa vier Milliarden Dollar im Jahr 2011 auf sechs Milliarden bis 2018“, prognostiziert Ben Scott, Marktanalyst von IMS Research.

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Bad Vilbel. Viele Jahre dümpelte die Nachfrage nach Halbleitern für Navigations- und Infotainmentsysteme dahin. Das wird sich schnell ändern: Mit dem Einzug des Internets im Auto werden die Infotainment-Chips ihr Nischendasein verlassen – es entsteht ein Volumenmarkt. „Wir erwarten ein Wachstum von etwa vier Milliarden Dollar im Jahr 2011 auf sechs Milliarden bis 2018", prognostiziert Ben Scott, Marktanalyst von IMS Research. Die Mikroprozessoren in einem Infotainmentsystem schlagen laut Scott mit 15 bis 30 Dollar zu Buche. Jetzt komme es zu einer „Demokratisierung des Infotainments", so Richard Robinson, Director Automotive Multimedia and Communications bei Strategy Analytics. Heute wird der Infotainment-Chipmarkt von wenigen Anbietern dominiert. An der Spitze steht NXP, es folgen Konkurrenten wie STMicroelectronics, Panasonic, Renesas, Texas Instruments und Freescale.
Die globalen Marktanteile sind vergleichsweise breit gestreut: Selbst in der Spitzengruppe kommt kein Produzent auf über 20 Prozent. Für Chiphersteller, die den Konsumentenmarkt mit schnellen Produktzyklen und hohen Volumen beliefern, war die Infotainment- Nische bisher eher unattraktiv. Zudem sind die Einstiegshürden hoch. „Der Infotainmentmarkt ist sehr schwer zu durchdringen, weil die Automobilhersteller nur Komponenten, Halbleiter und Systeme akzeptieren, die strenge Design-, Test- und Compliance-Spezifikationen bestehen", so Robinson. Bilden heute häufig noch überalterte Prozess-Geometrien die technische Basis im Auto, müssen die Hersteller künftig stark aufrüsten, damit sie mit der schnelllebigen Consumer-Industrie mithalten können. Mehr Rechenpower und andere Architekturen sind gefordert. Im vernetzten Auto wird zudem die Zahl der Displays in die Höhe schnellen. „Bislang werden vor allen Dingen 32-Bit-Mikroprozessoren verbaut", so Scott.
Bei den Mikro-Controllern würde man sich frühestens in fünf Jahren in Richtung einer 64-Bit-Architektur bewegen, um Herausforderungen wie zunehmende Software- Komplexität zu meistern. In der Zwischenzeit gebe es einen ähnlichen Trend wie bei Endkunden- PCs, hin zu Architekturen mit mehreren Prozessorkernen. Obwohl die Nachfrage nach Chips für Infotainmentlösungen stark steigen wird, gewinnt der Wettbewerb an Schärfe. Die Autohersteller und Systemlieferanten entwickeln nicht mehr proprietäre Lösungen für verschiedene Baureihen und Marktsegmente. Sie setzen stattdessen zunehmend auf skalierbare Plattformen. Verschärft wird der Druck durch den modularen Aufbau von Hard- und Software, der es den Herstellern erlaubt, den Chiplieferanten relativ schnell zu wechseln.
Dabei sind die Philosophien der Autobauer sehr unterschiedlich: Audi etwa setzt auf Nvidia als strategischen Halbleiterlieferanten und Entwicklungspartner. Dagegen formuliert Daimler nur die eigenen Anforderungen und überlässt die Auswahl des Chips dem Systemhersteller. Um ein skalierbares Portfolio aufzubauen, bestehend aus passgenauen Hardware- und flexiblen Software-Komponenten, hätten die Hersteller längst eigene Halbleiter- Strategieabteilungen aufgebaut und analysierten den Markt sehr genau, so Dirk Weinsziehr, Vice President Business Unit Automotive und Embedded bei Fujitsu Semiconductor.
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