NEU: ePaper
Benutzeranmeldung:
Kfz-Gewerbe: Stimmung bricht ein
Robert Rademacher: Der Präsident des ZDK kritisiert Internetvermittler und Händler, die mit ihnen zusammenarbeiten.
(Foto: Werner Schuering)
Autor:
Christof Rührmair
cruehrmair@craincom.de
Donnerstag, 14. Juni 2012, 15.12 Uhr
Die Krise verdirbt den Autohäusern die Laune. Vor allem ihre Zukunftserwartungen haben sich im zweiten Quartal deutlich eingetrübt. Daneben drücken Eigenzulassungen und Internetvermittler auf die Stimmung.

Hintergrunddaten zum Thema:
12/2013
Zulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in Deutschland im April 2013

11/2013
VW hat in Deutschland im ersten Quartal 2013 von allen Autoherstellern am meisten für Werbung ausgegeben.

11/2013
Die Rangliste der in Deutschland verbrauchten Biokraftstoffe führt seit Jahren mit deutlichem Abstand Biodiesel an.

Warnemünde. Das Kfz-Gewerbe blickt mit gedrückter Stimmung nach vorne. Beim vom ZDK vierteljährlich erhobenen Geschäftsklimaindex für die Branche sind die Zukunftserwartungen im zweiten Quartal deutlich eingebrochen. Mit 99,6 Punkten fiel der Index für diesen Bereich auf den zweitniedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung. Vor drei Monaten hatte er noch bei 118 gelegen. Insbesondere im Neuwagengeschäft erwarten die Betriebe eine weitere Verschlechterung. Die aktuelle Situation beurteilten die befragten Betriebe dagegen mit 129,6 Punkten noch deutlich besser. Hier gab es im Vergleich zum ersten Quartal sogar eine leichte Verbesserung um 1,6 Punkte. Vor einem Jahr hatte der Index allerdings noch fast 17 Punkte höher gelegen.
"Die Margen stehen in allen Bereichen unter Druck", sagte ZDK-Präsident Robert Rademacher bei der Vorstellung der Zahlen am Rande der Mitgliederversammlung des Verbandes in Warnemünde am Donnerstag. Insgesamt gebe es aber ein "Zufriedenheitsgefälle". So beurteile jeweils die Mehrheit der Betriebe die Werkstattauslastung als gut, das Gebrauchtwagengeschäft als befriedigend und das Neuwagengeschäft als schlecht, sagte Rademacher. Der Neuwagenmarkt werde gegenüber 2011 zurückgehen, wenn er nicht "durch noch mehr Kurzzulassungen geschönt" werde. Diese hätten in den ersten fünf Monaten den Rekordwert von 30 Prozent des Gesamtmarktes erreicht, kritisierte der ZDK-Präsident. Ein Anteil um 20 Prozent entspräche dem, was eigentlich notwendig sei. Schon im vergangenen Jahr seien also mehr als 250.000 Autos zu viel auf diese Weise zugelassen worden. Dies habe den Markt aufgebläht und bringe jetzt das Preisniveau für Gebrauchtwagen durcheinander.

Normalmarkt sind drei Millionen Autos pro Jahr
Würden die Hersteller auf die überschüssigen Kurzzulassungen verzichten, wäre das betriebswirtschaftlich der Grundstein zu mehr Erfolg, sagte Rademacher. Man müsse sich in Deutschland nun mal damit abfinden, dass der Normalmarkt etwa drei Millionen Autos pro Jahr seien.
Negativ äußerte sich der Verbandspräsident zu Internetvermittlern, die er als "Schmarotzer" bezeichnete. Es sei ärgerlich, dass viele Kunden dieser Vermittler sich zuvor im stationären Handel beraten ließen, dann aber im Internet kauften. In diesem Zusammenhang kritisierte Rademacher auch diejenigen Händler, die mit diesen Portalen zusammenarbeiteten und damit einen "oberflächlichen" und "dummen" Ansatz verfolgten. Er sei sehr froh dass es nur wenige dieser "törichten" Kollegen gebe.
Erneut forderte der ZDK-Präsident in diesem Zusammenhang eine Anpassung der Vergütungssysteme, die es beispielsweise honorieren, wenn ein Händler viele Probefahrten machen lasse. Der Möglichkeit, Beratung und Probefahrten kostenpflichtig zu machen, um zu verhindern, dass Kunden dies bei einem stationären Händler machten, dann aber im Internet kauften, erteilte er dagegen eine klare Absage. Die Kunden würden dies nicht akzeptireren, sagte er. Wie die Beratungsleistung honoriert werde, müsse zwischen Händler und Hersteller ausgemacht werden. (Foto: Werner Schüring)
Kommentare zum Artikel:
Weiterführende Links:
Mehr Kurzzulassungen im Jahr 2012
Erstmals seit fünf Jahren ist die Zahl der Kurzzulassungen in Deutschland wieder über die Marke von 100.000 geklettert.... » mehr lesen

Trübe Aussichten
Das Kfz-Gewerbe geht mit düsteren Erwartungen ins neue Jahr. Der Geschäftsklimaindex des ZDK für das kommende Quartal stürzte um... » mehr lesen

Preiskampf in der Autobranche

Die Autohersteller schönen ihre Zahlen mit Eigenzulassungen. Teilweise werden mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge so auf... » mehr lesen

ZDK-Geschäftsklima sackt weiter ab
Das Kfz-Gewerbe bewertet seine wirtschaftliche Lage so schlecht wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Vor allem das... » mehr lesen

Gebrauchtwagenpreise weiter auf Talfahrt
Die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt kennen derzeit nur eine Richtung. Im Juni ging es den vierten Monat in Folge nach unten.... » mehr lesen

Fritz Haberl ist tot
Fritz Haberl, der langjährige Präsident des ZDK und ehemalige geschäftsführende Gesellschafter der Mahag starb am Donnerstag im... » mehr lesen

Internet-Handel bereitet ZDK Sorgen
Der ZDK sieht die wachsende Zahl von Neuwagen, die über das Internet vermittelt werden, mit Sorge. Ulrich Fromme, Vizepräsident... » mehr lesen

35.000 Neuwagen über Internetvermittler
Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 35.000 Neuwagen über Internetvermittler verkauft. Bis 2015 könnte diese Zahl auf 100.000... » mehr lesen

Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
3113
Leser
Arbeitgeber und IG Metall haben sich in Bayern auf den neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten des Kfz-Gewerbes geeinigt. Unterm Strich ähnelt das Ergebnis dem Abschluss in der Industrie.
2817
Leser
Im Bochumer Opel-Werk ruhte am Dienstag die Arbeit für mehrere Stunden die Arbeit, während die Beschäftigten an einer Informationsveranstaltung teilnahmen.
2763
Leser
In der Europäischen Union wurden im April knapp 1,04 Millionen Neuzulassungen registriert. Dies ist ein Zuwachs um 1,7 Prozent gegenüber April 2012 - und der erste Anstieg seit September 2011.
2643
Leser
Der erste Fünfer startete 1972 durch, jetzt bringt BMW die überarbeitete Version der sechsten Generation: Sie steht ab 20. Juli bei den Händlern. Für Limousine und Kombi bietet der Autobauer vier Benzin- und sechs Dieselantriebe an. Als Spitzenmotorisierung dient ein neuer V8-Antrieb mit 450 PS.
2290
Leser
In Europa beklagt sich die Autobranche mit wachsender Verzweiflung über die unaufhaltsam scheinenden Marktanteilsgewinne der koranischen Autobauer. In Korea jedoch sehen sich inzwischen auch Hyundai und Kia einer wachsenden Schar erfolgreicher Importeure aus Deutschland gegenüber - wenn auch nur in dem prestigeträchtigen Segment der Luxuswagen.
2166
Leser
Daimler hat am Mittwochabend seine neue S-Klasse präsentiert. Die Luxus-Limousine strotzt vor Superlativen. Der Stuttgarter Autobauer spricht vom "besten Auto der Welt".
2071
Leser
Wenn sich ein Auto nicht mehr per mechanischer Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern steuern lässt, dürfte das viele Fahrer erst einmal irritieren. Dabei ist Steer-by-Wire - also das Lenken per Datenkabel - potenziell sicherer. Dennoch wird es vorerst die Ausnahme bleiben.
2059
Leser
In der EU wird heftig um schärfere CO2-Grenzwerte für Autos gerungen. Aus deutscher Sicht könnten diese große Nachteile für einheimische Oberklasse-Hersteller bringen. Der mächtige Branchenverband VDA hat nun der Kanzlerin geschrieben.
1420
Leser
War das nur ein Missverständnis, oder vielleicht doch eher Missmanagement? Opel hat am Freitag seine Haltung korrigiert, das Werk Bochum bereits Ende 2014 vollständig zu schließen. Nun hat der Vorstand umdisponiert, das Warenverteilzentrum mit derzeit 430 Arbeitsplätzen soll doch noch bis ins Jahr 2016 hinein bestehen bleiben.
1409
Leser
BMW will mit seiner neuen Submarke BMWi Bestmarken in der Produktion setzen. Auf der Automobilwoche-Konferenz in München kündigte Ulrich Kranz, Chef der Marke BMWi, erhebliche Energie-Einsparungen in der Fertigung der neuen Elektroautos an.