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Klartext: Wer Nummer eins werden will, muss hart sein
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 11. Juni 2012, 00.03 Uhr
VW-Vorstandschef Martin Winterkorn gibt bei VW die unmissverständliche Marschroute vor. Wer mit einem Zwölf-Marken-Konzern die Weltspitze im Automobilbau erklimmen will, muss hart, manchmal sogar grausam sein. Das haben nun VW-China-Chef Karl-Thomas Neumann, Audi-Entwicklungschef Michael Dick und sein Vorstandskollege für Vertrieb, Peter Schwarzenbauer, erfahren.

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Die "umfassendste Neugestaltung in der Konzerngeschichte", wie VW-Vorstandschef Martin Winterkorn es nennt, sendet eine unmissverständliche  Nachricht ins Unternehmen: Wer mit einem Zwölf-Marken-Konzern die Weltspitze im Automobilbau erklimmen will,  muss hart, manchmal sogar grausam sein. Das haben nun VW-China-Chef Karl-Thomas Neumann, Audi-Entwicklungschef Michael  Dick und sein Vorstandskollege für Vertrieb, Peter Schwarzenbauer, erfahren. Sie kommen in den Planungen von Winterkorn  und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nicht mehr vor. Selbst einen Dick, der Piëch seit Jahrzehnten kennt, oder einen KT  Neumann, der stets ein herzliches Verhältnis zu "Wiko" hatte, kann es also treffen, wenn die Ergebnisse nicht stimmen, sich  Fehler häufen oder schlicht ein besserer Kandidat bereitsteht.
So ist es im Fall des Audi-Entwicklungschefs: Dick hat die Marke  technisch weiterentwickelt. A4, A5 und A6 sind in ihren Segmenten in vielen Belangen Benchmark, so bei Piëchs Lieblingsthema Leichtbau.  Doch Dick fehlten offenbar Visionen, die über den klassischen Fahrzeugbau -hinausreichen. Die werden Wolfgang Dürheimer nachgesagt,  der bei Porsche mit dem Konzept des 918 die Grenze des technisch Machbaren bei Leistung und Verbrauch deutlich sichtbar verschoben hat.  Dürheimer kann sich nun als Audi-Entwicklungschef bewähren – und so für noch höhere Aufgaben empfehlen. Denn 2016, wenn Winterkorns  Vertrag ausläuft, wird es im Unternehmen erneut "umfassende Neugestaltungen" geben. Anders gelagert ist der Fall Neumann: Der ehemalige  Conti-Chef wird als Verantwortlicher für den wichtigsten Markt China ersetzt.
Der 51-Jährige mit der jugendlichen Ausstrahlung hat  versucht, bei VW einen neuen Managementstil einzuführen und ist damit gescheitert. Er wird durch den bodenständigen Jochem Heizmann,  60, ersetzt, der geradezu ein Gegenentwurf zum lockeren Neumann ist.  Audi-Vertriebsvorstand Schwarzenbauer ist, ähnlich wie Dick, Opfer eines besseren Konkurrenten geworden. Luca de Meo, Marketingchef  von Volkswagen, wird künftig den Audi-Vertrieb leiten. Schwarzenbauer fehlte es nicht nur an -einem guten Draht zum Konzernvertriebschef  Christian Klingler, sondern auch an Visionen für die Weiterentwicklung der Marke. Die hingegen hat der ehemalige Fiat-Manager de Meo,  wie seine Einführungskampagne für den VW Up zeigt. Ähnliches fehlt bei Audi schon lange. Die Werbung der Ingolstädter, einst hochgelobt  und vielfach ausgezeichnet, ist nur noch langweilig. Ob de Meo mit Vertriebsgesellschaften und Händlern erfolgreich um Volumen, Margen  und Standards feilschen kann, muss der eloquente Marketing-Visionär jedoch erst beweisen.
Überfällig hingegen war die Neuordnung des  Lkw-Geschäfts. Scania, MAN und VW Nutzfahrzeuge werden endlich unter einem Ressort zusammengeführt.  Das soll mehr als 200 Millionen Euro an jährlichen Synergien bringen, verspricht VW-Finanzchef Hans  Dieter Pötsch. Geführt wird das neue Konzernressort im Vorstand von Leif Östling. Der 66-jährige Scania-Chef  hat sich überreden lassen, noch ein paar Jahre weiterzumachen. Jüngere Nachfolger werden gerade aufgebaut, heißt es bei VW.  Sie konnten nun für ihren künftigen Job eines lernen: Wenn die Leistung nicht stimmt oder ein Besserer auftaucht, ist die Karriere  schnell beendet.
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