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Klartext - Wessen Gewinne die IG Metall will
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 14. Mai 2012, 00.03 Uhr
Die IG Metall verlangt mit Verweis auf die exorbitanten Gewinne deutscher Autohersteller 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche. Die Herren Huber und Meine sollten jedoch nach Ansicht von Automobilwoche-Chefredakteur Guido Reinking einmal genauer hinschauen, wo die üppigen Gewinne von VW, Daimler und BMW eigentlich herkommen: Aus den noch immer viel zu teuer produzierenden Werken in Deutschland wohl kaum.

Hintergrunddaten zum Thema:
11/2013
Aktueller durchschnittlicher Verbrauch der Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes in China und Ziele in den Jahren 2015 und 2015

11/2013
VW hat in Deutschland im ersten Quartal 2013 von allen Autoherstellern am meisten für Werbung ausgegeben.

11/2013
In Europa gelten aktuell und auch in Zukunft die strengsten CO2-Grenzwerte.

Mit Verweis auf die exorbitanten Gewinne deutscher Autohersteller verlangt die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche. Auch in den Verhandlungen um den neuen VW-Haustarif fordert sie 6,5 Prozent mehr. Ich würde IG-Metall-Chef Berthold Huber und Bezirkschef Hartmut Meine empfehlen, einmal genau hinzusehen. Ein Blick in die Geschäftsberichte von VW, Daimler und BMW verrät, wo die üppigen Gewinne eigentlich herkommen: Aus den noch immer viel zu teuer produzierenden Werken in Deutschland wohl kaum. Deutschland gehört trotz der Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre noch immer zu den teuersten Industriestandorten in Europa und der Welt.
Die hohen Gewinne von VW, Daimler und BMW wurden vor allem von den Arbeitern in China, Osteuropa, Nord- und Südamerika erarbeitet, die oft nur einen Bruchteil des Gehalts ihrer deutschen Kollegen bekommen. Ein weiterer Blick der Gewerkschaftsführer sollte in die zweite Reihe der Autobranche, zu den Zulieferern und deren Lieferanten gehen. Denn selbst große Häuser wie Bosch, Continental, Schaeffler und ZF können von den Gewinnmargen ihrer Kunden in Wolfsburg, München und Stuttgart nur träumen. Hinzu kommt, dass sich auch in Deutschland die Schere der automobilen Zweiklassengesellschaft immer weiter öffnet: hier die Premiummarken und Volkswagen, dort die Volumenmarken Ford und Opel. Letztere müssen ihr Geld in Europa verdienen und machen entsprechende Verluste. Denn im krisengeplagten Europa ist für einen Volumenhersteller mit Werken in Deutschland derzeit nichts zu verdienen. Volkswagen stünde ohne seine Überseemärkte nicht viel besser da als Opel oder Ford.
Es ist deshalb auch keine Überraschung, dass nach Informationen der Automobilwoche Ford neben der Kurzarbeit in Köln an einen dauerhaften Abbau von Produktionskapazität denkt. Auch die mögliche Verlagerung des Opel Astra von Rüsselsheim nach Ellesmere Port in England und Gliwice in Polen spricht Bände: Selbst im notorisch überteuerten Großbritannien liegen die Arbeitskosten unter denen in Deutschland. Die IG Metall hat zum Verteilungskampf gerufen. Was gibt es da eigentlich zu verteilen?
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