Logo automobilwoche
Automotive News: Flag US Flag EU Flag CN

Die verdeckten Hits der Genfer Automesse

Toyota GT86 Tiefgelegter Boxermotor, Hinterradantrieb, bezahlbar: der GT86 könnte der Prius-Marke die dringend benötigte Emotionalität zurückgeben.
(Foto: Toyota)
Autor:

mknauer@craincom.de
Die Genfer Automesse ist nach Einschätzung so mancher Autojournalisten "fest in deutscher Hand." Diese Einschätzung hängt vom Blickwinkel ab - für den Autor dieser Zeilen hat aber nicht der x-te Aufguss des Audi-Singleframe in Gestalt des neuen A3 und auch nicht der erwartungsgemäß emotionslose Passat CC das Zeug zum Messestar. Für deutlich mehr Aufmerksamkeit sorgen jedenfalls der Toyota GT86 und die seriennahe Studie Nissan Invitation.

Genf. Die Genfer Automesse ist nach den Publikumstagen vorüber, jeder konnte sich nun selbst vor Ort ein Bild machen. "Genf fest in deutscher Hand" titelte danach so mancher deutsche Autojournalist. Da verwechselten die Autoren aber offenbar den unbestreitbaren wirtschaftlichen Erfolg der deutschen Hersteller mit den Kriterien Innovation, Überraschung und Zukunftsträchtigkeit. In diesen Punkten haben in Genf nach meinem Eindruck andere Hersteller eindeutig die spannenderen Ansätze gezeigt.

Fairerweise muss man davon aber die neue A-Klasse von Mercedes herausnehmen. Daimler wagt endlich einmal einen Neustart in einem Segment. Man muss der A-Klasse nun auch den notwendigen Erfolg im Handel wünschen, sonst sehen sich all diejenigen Marketingprofis bestätigt, die lieber auf die achtunzwanzigste Version ihres alten Block Busters setzen als auf neue Konzepte.

Eine ganz tiefe Verneigung hat Akio Toyoda verdient. Mit dem in Genf im Serientrimm gezeigten Toyota GT86, der in vielen Punkten baugleich ist mit dem neuen Subaru BRZ, könnten es die Japaner schaffen, endlich wieder an ihre großen Erfolge im Sportsegment anzuknüpfen und der arg grün gewordenen Marke die überlebensnotwendige Infusion namens Emotion einzuhauchen.

Der GT86 mit tiefliegendem Boxermotor von Subaru und Heckantrieb erinnert zumindest auf dem Papier perfekt an die bezahlbaren Sportler aus den 80er Jahren. Er hat eine vernünftige, aber nicht verrückte Leistung von 200 PS, wurde modernisiert, aber kommt ohne teuren High-tech-Schnickschnack aus und ist auch bei heutigen Spritpreisen fahrbar. In einer ähnlichen Nische ist auch die Studie Honda NSX angesiedelt. Fazit: Sportwagen aus Japan sind wieder da. Hoffentlich ist es nicht zu spät.


Nissan Invitation Concept: Noch eine Studie, aber nah an der Serie dran: Zwischen Kleinwagen und Kompaktklasse angesiedelt, aber mit dem Raumgefühl eines Kompaktvans - der Invitation hat das Zeug zum Golf-Rivalen.
Nissan Invitation und Kia Trackster - Achtung Golf und Mini!

Eine besondere Betrachtung verdient auch der Nissan Invitation Concept, die recht seriennahe Version eines kommenden Kompaktmodells von Nissan. Der Invitation steht zwar auf der kleinen Micra-Plattform der Japaner, doch er ist deutlich über vier Meter lang und zeigt, was heutzutage aus vorhandenen Plattformen geschnitzt werden kann. Vor allem versucht der Invitation nicht, die uneinnehmbare Golf-Festung zu stürmen. Er geht vielmehr einen anderen Weg, ist zwischen B- und C-Segment angesiedelt (Downsizing kommt auch in der Golfklasse), hat eher Hochdach-Charakter (hoch sitzen wollen sie alle), ohne aber als langweiliger Kompaktvan gelten zu müssen. Nissan hat mit dem Invitation die Zeichen der Zeit erkannt und zwar spät, aber wohl nicht zu spät das riesige Loch in seinem Portfolio gefüllt, dass bislang zwischen dem Juke und dem Quashqai klafft.

Lange stehengeblieben bin ich auch neben dem Kia Trackster - eine Crossover-Studie auf Basis des Soul. Das Konzeptauto ist natürlich übertrieben flach, extra-breit, und extra-poppig bemalt - aber er hat das Zeug, zum besseren Mini zu werden. Denn die BMW-Strategen quetschen das Mini-Image inzwischen derart aus, dass es einem die Tränen in die Augen treibt - zu sehen etwa am Mini Clubvan (bitte genau lesen: nicht Clubman, den gibt es schon eine Weile...). Wäre da nicht bei der Konkurrenz die gähnende Leere beim Kult-Faktor, Mini müsste sich allergrößte Sorgen machen.

comments powered by Disqus
Das könnte Sie auch interessieren:
Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
3748
Zugriffe
Die Ingolstädter wollen die Vernetzung im Auto in China vorantreiben. Der Hersteller gab eine Kooperation mit dem führenden chinesischen Suchmaschinen-Anbieter Baidu CarLife bekannt.
2883
Zugriffe
Für Mitte Juni ruft die Bundesregierung zur Nationalen Konferenz für die Elektromobilität nach Berlin. Das Ziel ist gesteckt: weg vom Öl, hin zum grünen Stromtanken. Doch das anspruchsvolle Vorhaben für eine Million E-Autos bis 2020 scheint kaum einzuhalten.
2875
Zugriffe
Arbeitet Apple an einem Auto? So deutlich wie noch nie deutet ein Apple-Manager öffentlich an, dass der iPhone-Konzern Pläne für die Branche hat. Schließlich sei ein Auto «das ultimative Mobil-Gerät».
2834
Zugriffe
Der Hybrid-Sportwagen Porsche 918 Spyder muss in die Werkstatt - nicht zum ersten Mal.
2081
Zugriffe
Volkswagen zeigt in Schanghai Gesten-, Slides- und Touchfunktionen im R Touch, die es in Auszügen im neuen Golf geben soll. Über Mirror-Link werden künftig jedoch nur Apps von Baidu zur Navigation integriert, Baidu CarLife soll später nachkommen.
2024
Zugriffe
Immer kleiner werden moderne Verbrennungsmotoren, doch ihre Leistung steigt dank Aufladung. Dabei sollen die Downsizing-Aggregate vor allem beim Verbrauch spitze sein, doch sie haben auch Nachteile.
1803
Zugriffe
Mit seiner Keynote eröffnet Audi-Chef Rupert Stadler die CES Asia, die in diesem Jahr zum ersten Mal in Schanghai stattfindet. Audi präsentiert neben dem pilotierten Fahren in Chinas Megacities auch neue Trends in der Vernetzung von Auto und Handy auf dem chinesischen Markt.
1719
Zugriffe
Mit Zusatzschichten und der Beschäftigung von weiteren Zeitarbeitern im Werk Wörth reagiert Daimler auf eine Belebung des Nutzfahrzeuggeschäfts in Europa..
1661
Zugriffe
47.000 Verbesserungs-Ideen haben Bosch-Mitarbeiter in Deutschland im vergangenen Jahr eingebracht. Einige von ihnen wurden dafür un mit Prämien bedacht.
1643
Zugriffe
Der deutsche Fahrzeughersteller und das IT-Unternehmen aus den USA wollen beim kabellosen Aufladen von Stromspeichern zusammenarbeiten. Auch modernen Mobilfunk haben sie im Blick.