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Niemand kann bestreiten, dass der Volkswagen-Konzern mit seiner Mehrmarken-Strategie derzeit glänzend unterwegs ist. Obwohl es teilweise Streit gibt, weil eine Marke im Revier der anderen wildert und obwohl neue Marken wie MAN und Porsche nicht ganz so schnell und reibungslos integriert werden können, wie Vorstand und Aufsichtsrat es sich wünschen - grundsätzlich ist der Wolfsburger Konzern ein Erfolgsmodell.

Ganz anders lief es bei der "Hochzeit im Himmel", der Konzern-Ehe zwischen Daimler und Chrysler. Mit großen Hoffnungen gingen beide Unternehmen den Zusammenschluss an, aber das Ergebnis war bekanntermaßen negativ.

Derzeit verhandeln angeblich General Motors und PSA über eine Allianz, auch Fiat-Chef Sergio Marchionne ist aktiv auf der Suche nach einem weiteren Partner. Während jedoch im VW-Konzern angeschlagene Marken wie Skoda durch moderne Technik aufgepäppelt und in den ersten Jahren auch finanziell subventioniert wurden, sieht das bei der Konkurrenz anders aus. Bei Fiat und Chrysler könnte das "Wolfsburger Modell" funktionieren: Die Italiener unterstützen die Amerikaner mit moderner Technik, beispielsweise mit Multiair-Motoren oder auch mit ganzen Plattformen (der Dodge Dart basiert auf der Alfa Romeo Giulietta). Im Gegenzug verkaufte Chrysler auf dem Heimatmarkt so viele Autos, dass Fiat trotz der Verluste auf dem europäischen Mark ein positives Ergebnis für das vergangene Jahr melden konnte. Ob die Zusammenarbeit langfristig funktioniert, muss sich jedoch erst noch erweisen: Auch unter Daimler-Regie galt Chrysler kurzzeitig als saniert - doch der Absturz war später umso tiefer.

Die Aussichten einer möglichen Allianz oder Kooperation zwischen General Motors und Chrysler bewerten nahezu alle Experten skeptisch: Beide Hersteller haben Probleme auf dem europäischen Markt, GM mit seiner Tochtermarke Opel und dessen britischer Tochter Vauxhall und Fiat mit seiner Kernmarke. Beide kämpfen auf dem gleichen, schrumpfenden europäischen Markt um Marktanteile. Beide sind vor allem im Kleinwagen- und Kompaktsegment stark. Abgesehen vom Opel Ampera und dem Peugeot Diesel-Hybrid gibt es auch keinen technologischen Vorsprung, den die beiden sich teilen könnten. Mögliche gemeinsame Entwicklungen und Produktionen könnten zwar Kosten einsparen, aber so etwas dauert Jahre. Beide Hersteller haben aber jetzt akute Probleme: Fiat bricht aufgrund der Wirtschaftskrise in Südeuropa der Absatz weg, Opel wird von Detroit aus unter Druck gesetzt, endlich profitabel zu werden. Zwei problembeladene Hersteller sind keine gute Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

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