Logo automobilwoche
Automotive News: Flag US Flag EU Flag CN

Warum sollte sich GM an PSA binden?

Autor:

mknauer@craincom.de

Die Annäherungsversuche von PSA an General Motors haben eine logische Reaktion der Börse hervorgerufen: Die Aktien von PSA legten deutlich zu, während die GM-Papiere nachgaben. Das ist kein Wunder, denn der große Gewinner einer solchen Verbindung wären die Franzosen. Eine tiefgreifende, globale Allianz ist daher eher unwahrscheinlich, denn GM-Chef Dan Akerson ist seinen Shareholdern voll und ganz verpflichtet. Auch für Opel ergeben sich keine neuen Perspektiven.

Wie ernst es PSA-Chef Philippe Varin bei seinem Ehewunsch mit General Motors ist, geht schon aus der Tatsache hervor, dass er auch den französischen Arbeitsminister Xavier Bertrand über die Gespräche informierte. Bertrand plapperte gestern als einziger ein paar dürre Fakten aus zum Stand der Verhandlungen. Diese frühe Einbeziehung der französischen Regierung zeigt: Sollte es tatsächlich zu einer Verbindung mit General Motors kommen, hätte dies massive Auswirkungen auf die Beschäftigung in den europäischen PSA-Werken.

Ob es dazu kommt, kann allerdings bezweifelt werden. Denn die Vorteile einer globalen Allianz zwischen PSA und GM lägen recht einseitig bei den Franzosen. Sie sind nahezu unsichtbar in Asien, haben enorme Überkapazitäten in Europa und bauen dort noch viel zu viele kleine, margenarme Fahrzeuge. General Motors dagegen ist seit 20 Jahren global unterwegs und ist in China und Indien eine feste Größe im Markt. Mit Chevrolet punkten die Amerikaner rund um die Welt.

PSA-Konzernchef Varin muss sich also demütig an GM-Boss Dan Akerson heranrobben und ihm die Sache schmackhaft machen. Was hat PSA für GM zu bieten? Gut, da wäre die starke Diesel-Kompetenz der Franzosen. Eine feine Sache - in Europa. Aber in Nordamerika wird GM seinen sehr begrenzten Bedarf an Pkw-Dieseltechnik noch lange gut mit eigenen Ressourcen von der Tochter Opel decken können. So what?

Die Franzosen haben noch die Diesel-Hybridtechnik im Ärmel, die im Prinzip auch ohne Aufwand auf Benzinmotoren übertragbar ist. Dies ist für GM schon weit eher von Interesse. Aber muss man sich deshalb gleich mit einem angeschlagenen europäischen Volumenhersteller ins Bett legen? Den hat man ja selber im Haus, in Gestalt der Adam Opel AG. Viel wahrscheinlicher ist also eine weitere technische Kooperation zwischen PSA und GM, weit entfernt von der jetzt kolportierten globalen Fahrzeug-Kooperation.

Und welche Rolle sollte Opel bei dieser Allianz spielen? Eher gar keine. Denn die Rüsselsheimer sind mehr oder weniger in den selben Segmenten und Märkten unterwegs wie Peugeot und Citroen. Auch Opel sucht verzweifelt nach neuen Absatzmärkten in Übersee und kämpft mit unausgelasteten Werken in Europa. Und auch Opel setzt verstärkt auf den russischen Markt. Auf dem dortigen Wachstumsmarkt sind GM und PSA erbitterte Rivalen mit ähnlichem Portfolio. Was würde eine Allianz daran ändern?

Bleibt das Standardargument einer jeden Groß-Allianz: größere Einkaufsmacht bei Teilen und Komponenten. Aber auch in diesem Bereich haben die Franzosen einen deutlich größeren Nachholbedarf als GM. Der größte Autobauer der Welt braucht keine komplizierten Verhandlungen und Rücksichtnahmen auf französische Créateurs d'automobiles, um Volumen zu generieren.

Vielleicht hat PSA-Chef Varin doch nicht gemogelt, als er noch vor wenigen Tagen beim CAR-Kongress in Bochum auf die Frage nach weiteren Partnerschaften oder gar einer Allianz antwortete, dass PSA lieber die bestehenden Kooperationen mit BMW, Toyota und Fiat ausbaue, als neue umfassende Allianzen hinzuzufügen. Schließlich ist PSA familiengeführt, und die Peugeots lassen sich ungern in ihr traditionsreiches Geschäft hineinreden.

Nicht zuletzt zieht das Argument, mit GM als Partner könne PSA den bislang jungfräulichen nordamerikanischen Markt erobern, überhaupt nicht: Für die Franzosen hat der Ausbau der Marktpräsenz in Asien und Russland überragende Bedeutung. Die Erschließung eines neuen, extrem wettbewerbsintensiven US-Marktes würde jahrelange Millioneninvestitionen erfordern, für die PSA auf absehbare Zeit nicht die Kraft hat.

comments powered by Disqus
Das könnte Sie auch interessieren:
Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
6659
Zugriffe
Rund 2,2 Millionen Fahrzeuge weltweit, die seit 2010 von BMW mit dem System Connected Drive ausgestattet wurden, haben eine Sicherheitslücke. BMW will die Lücke bis morgen schließen.
5682
Zugriffe
"Die Unsicherheit ist so groß wie nie", konstatiert der Topmanager. Eine neue Geschäftsstrategie für das nächste Jahrzehnt muss her. Winterkorn: „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit“.
4385
Zugriffe
Ein Betriebsrat spricht auf seiner privaten Facebook-Seite Unterstützung für den Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» aus. Das hat Konsequenzen.
4240
Zugriffe
Ex-Daimler-Vorstand Andreas Renschler übernimmt Anfang Februar das Steuer der Nutzfahrzeugsparte im VW-Konzern. Aus Wettbewerbsgründen hatte er ein ganzes Jahr lang Zeit für die Vorbereitung seines Starts in Wolfsburg.
3312
Zugriffe
Die Marke mit dem Stern stellt die SUV-Fertigung neu auf und arbeitet in den Staaten mit dem Auftragsfertiger AM General zusammen. Er wird die Fertigung der R-Klasse übernehmen.
2932
Zugriffe
«Wir sind sehr weit auseinander» - nur in dieser Aussage stimmen IG Metall und Metall-Arbeitgeber im Südwesten überein. Strittig sind alle anderen Punkte. Deshalb werden sich beide Seiten auch in der laufenden Tarifrunde nicht ohne Warnstreiks aufeinander zubewegen.
2840
Zugriffe
Das Autohaus Eitel hat Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Unternehmen hat zwölf Standorte in Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg.
2622
Zugriffe
Im Rahmen der Kooperation zwischen Daimler und Renault-Nissan wollen die beiden Konzerne zusammen einen Pick-up bauen.
2141
Zugriffe
Klaus Burger ist nicht mehr Geschäftsführer der MAHA. Der langjährige Unternehmenschef, der auch als Präsident des Werkstattausrüsterverbands ASA bekannt ist, wurde von allen Aufgaben entbunden.
1997
Zugriffe
Nach Abschluss der Übernahme des US-Zulieferers TRW im ersten Halbjahr erwartet ZF Friedrichshafen im Einkauf in den nächsten drei Jahren Einsparungen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.