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Klartext - Das süße Gift des Erfolgs
GM in Detroit: Die US-Amerikaner mussten den Weg durch die Insolvenz gehen.
(Foto: GM)
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 23. Januar 2012, 00.03 Uhr
Beispiele wie die Insolvenz von Kodak zeigen, dass zwischen der weltweiten Marktführerschaft und dem Untergang nur zwei Jahrzehnte liegen können, wenn ein Unternehmen die Zeichen der Zeit nicht erkennt oder falsch deutet. Seit zehn Jahren beobachtet nun die Automobilwoche die Branche.

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Der Foto-Pionier Kodak hat Insolvenz angemeldet. Ein Unternehmen, das zur weltweiten Verbreitung der Fotografie so viel beigetragen hat wie Ford, Volkswagen oder Toyota zur Verbreitung des Automobils. 1991 war Kodak noch Nummer eins in der Welt und erzielte einen Rekordumsatz von 19 Milliarden Dollar. Besonders bitter: Dem Unternehmen nutzte es auch nichts, innovativ zu sein – die Digitalkamera wurde von Kodak erfunden. Solche Meldungen sollten auch die Autobranche aufschrecken. Denn das Beispiel zeigt, dass zwischen der weltweiten Marktführerschaft und dem Untergang nur zwei Jahrzehnte liegen können, wenn ein Unternehmen die Zeichen der Zeit nicht erkennt oder falsch deutet.
Seit zehn Jahren beobachtet nun die Automobilwoche die Branche. Auch wir haben in der Zeit Weltmarktführer in die Insolvenz fahren sehen: General Motors und Delphi. Große Autohändler mussten aufgeben und wurden übernommen, wie das Branchen-Urgestein Mahag in München oder die Luxus-Häuser Becker in Düsseldorf und König in München. Was kann man daraus lernen? Heute ist niemand mehr zu groß oder zu bekannt, um zu fallen. Auch wenn GM noch einmal mit Staatshilfe gerettet wurde und Delphi mühsam der Insolvenz entsteigt – Marktführer müssen sich und ihr Geschäftsmodell immer wieder infrage stellen, wollen sie der Falle der Erfolgs entgehen, der träge und selbstgerecht macht.
Oder, wie mir ein Toyota-Manager einmal sagte: "Nummer eins werden und Nummer eins bleiben sind zwei völlig verschiedene Dinge." Toyota hat es nicht geschafft. Volkswagen sollte sich diese Entwicklungen genau anschauen und tut dies auch, wie wir aus der Unternehmensspitze wissen. Und VW sollte froh sein, nicht schon 2011 General Motors überholt zu haben, um weltweit Nummer eins zu werden. Es wird 2012 schwierig genug, den zweiten Platz gegen Toyota zu verteidigen. Zu schnell zu erfolgreich zu sein, ist gefährlich. Das süße Gift des Erfolgs macht oft träge, blind und fördert die Hybris. Das gilt übrigens auch für die Automobilwoche: Die überwiegend positive Resonanz, die wir zum zehnjährigen Jubiläum aus Handel und Industrie bekommen haben freut und ehrt uns. Sie ist uns aber vor allem eines: Ansporn, noch besser zu werden.
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